In der drittgrößten Stadt Bayerns liegen 14 Friedhöfe zwischen Lech und Wertach – von der protestantischen Begräbnisstätte aus dem Reformationsjahrhundert über eine der älteren Feuerbestattungsanlagen des Freistaats bis zu einem der bedeutendsten erhaltenen jüdischen Friedhöfe Süddeutschlands. Wer in Augsburg eine Bestattung organisieren muss, hat es mit einer ungewöhnlich vielschichtigen Friedhofslandschaft, einer 2024 neu beschlossenen Gebührensatzung (Satzung 7511, in Kraft seit 1. Januar 2025) und dem Bayerischen Bestattungsrecht zu tun.
Redaktion: Marie-Therese Bollweg · redaktionell recherchiert, nicht extern fachlich geprüft · Stand: 9. Juni 2026
Bestattungsrecht in Augsburg – das Wichtigste in Kürze
Augsburg liegt in Bayern, und für jede Bestattung im Stadtgebiet gelten das Bayerische Bestattungsgesetz (BestG, BayRS 2127-1-G) sowie die Bayerische Bestattungsverordnung (BestV, BayRS 2127-1-1-G). Eine ausführliche Darstellung der Vorschriften – von der Leichenschau über die Bestattungspflicht der Angehörigen bis zur Anzeige beim Standesamt – findet sich auf der Übersichtsseite zu Bayern. Hier nur die für Augsburg unmittelbar relevanten Eckwerte.
Nach Art. 1 Abs. 1 BestG muss jeder Leichnam bestattet werden, zulässig sind Erd-, Feuer- und Seebestattung. Die Bestattungsfrist wurde zum 1. April 2021 neu gefasst (Verordnung vom 11.03.2021, GVBl. S. 138): Nach § 19 Abs. 1 BestV muss ein Verstorbener spätestens acht Tage nach Feststellung des Todes bestattet oder eingeäschert sein; die früher in Bayern geltende 96-Stunden-Regel ist damit entfallen. Sonntage, gesetzliche Feiertage und Samstage zählen nicht mit. Für Urnen gilt eine Beisetzungsfrist von drei Monaten nach der Einäscherung (§ 19 Abs. 4 BestV), Ausnahmen sind durch die Gemeinde des Bestattungsortes möglich.
Die Sargpflicht ist in § 30 BestV verankert: Für Erdbestattungen sind grundsätzlich Särge aus leicht abbaubarem Vollholz vorgeschrieben (§ 30 Abs. 1 BestV). § 30 Abs. 2 BestV erlaubt den Friedhofsträgern seit 2021, sarglose Bestattungen im Leichentuch aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen zuzulassen, sofern keine öffentlichen Belange entgegenstehen. In Augsburg gibt es ein muslimisches Grabfeld auf dem Neuen Ostfriedhof, rituelle muslimische Waschungen finden auf dem Gögginger Friedhof statt.
Die Bestattungspflicht der Angehörigen ist zweistufig geregelt: Art. 15 BestG enthält die gesetzliche Grundlage, § 15 BestV in Verbindung mit § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BestV benennt die verpflichteten Angehörigen in einer durch den Verordnungstext exakt festgelegten Reihenfolge:
a) der Ehegatte oder der Lebenspartner (eingetragene Lebenspartnerschaft nach LPartG),
b) die Kinder,
c) die Eltern (bei Annahme Volljähriger nach § 1767 BGB der Annehmende vor den Eltern),
d) die Großeltern,
e) die Enkelkinder,
f) die Geschwister,
g) die Kinder der Geschwister des Verstorbenen,
h) die Verschwägerten ersten Grades.
Diese Reihenfolge ist abschließend und gilt unabhängig von der erbrechtlichen Stellung. Die Bestattungspflicht besteht nach ständiger Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs unabhängig von einer Erbschaftsausschlagung und auch bei zerrütteten Familienverhältnissen; Ausnahmen sind nur bei schweren, verurteilten Straftaten des Verstorbenen zulasten des Pflichtigen anerkannt. Können oder wollen die Angehörigen die Bestattung nicht selbst organisieren, ordnet die Gemeinde nach Art. 14 BestG die Ersatzbestattung an und macht die Kosten gegenüber den Pflichtigen geltend.
Die Ruhezeit beträgt auf den Augsburger Friedhöfen einheitlich zehn Jahre, bei Verstorbenen bis zum vollendeten fünften Lebensjahr fünf Jahre. Auf Wahlgrabstätten lassen sich Nutzungsrechte für 10, 15 oder mehr Jahre erwerben und verlängern; die genauen Modalitäten regelt die jeweilige Friedhofssatzung des städtischen oder konfessionellen Trägers. Für Detailfragen – etwa die seit 1. April 2025 vorgeschriebene zweite Leichenschau vor jeder Feuerbestattung in Bayern oder die Ausgrabungsregelungen – verweisen wir auf die Bayern-Seite mit Volltext-Bezügen zu BestG und BestV.
Friedhöfe in Augsburg
Die Augsburger Friedhofslandschaft ist ungewöhnlich heterogen. Anders als in vielen deutschen Großstädten gehört nur ein Teil der Friedhöfe der Stadt – Protestantischer Friedhof, Hermanfriedhof, Friedhof Kriegshaber und die beiden jüdischen Friedhöfe werden von konfessionellen Trägern verwaltet. Diese Trennung ist ein Erbe der Reformation und der freien Reichsstadt-Zeit. Insgesamt verfügt die Stadt nach Angaben des Amts für Grünordnung über rund 44.000 Grabstätten allein auf den neun städtischen Friedhöfen, davon sind etwa 40.000 belegt; dazu kommen geschätzt weitere 20.000–25.000 Grabstellen auf den konfessionellen Friedhöfen. Sechs Friedhöfe stechen aus Sicht von Geschichte, Architektur und Belegungsbedeutung heraus.
Protestantischer Friedhof Augsburg
Haunstetter Straße 36, 86161 Augsburg · gegründet 1534 · rund 6 ha, etwa 9.500 Grabstellen · Ensembleschutz seit 1989
Der Protestantische Friedhof im Stadtteil Hochfeld ist der älteste noch genutzte Friedhof Augsburgs. Der Magistrat ließ ihn 1534 vor den damaligen Stadtmauern anlegen, also unmittelbar im Reformationsjahrzehnt der Stadt. 1700 entstand das Verwaltungsgebäude, ab 1825 eine Friedhofskirche im klassizistischen Stil nach Plänen von Johann Michael Voit und August von Voit mit einer 14-registrigen Orgel des Orgelbauers Rudolf Kubak. 1999 kam eine Urnennischenwand des Architekturbüros Meier und Meyr hinzu.
Wenig bekannt: In der Friedhofsverwaltung lagern Grabbücher, die bis ins Jahr 1658 zurückreichen – eine der wenigen ungebrochenen Bestattungsdokumentationen Süddeutschlands über fast vier Jahrhunderte. Ferdinand Seydel hat die Inschriften des Bestandes von 1837 in einem gedruckten „Führer auf den Gräbern der in Augsburg Verstorbenen" überliefert; der Band ist heute über die Bayerische Staatsbibliothek digital zugänglich und macht die soziale Topografie der Augsburger Bürgerschaft des 18. und frühen 19. Jahrhunderts greifbar.
Zu den prominent Bestatteten gehören Elias Holl (1573–1646, Stadtwerkmeister 1602–1635 und Erbauer des Augsburger Rathauses), die Eltern Bertolt Brechts Berthold Friedrich Brecht (Direktor der Haindl'schen Papierfabrik) und Sophie Brecht, Carl Buz und Heinrich von Buz (Gründer bzw. Direktor der späteren MAN), Anna Barbara von Stetten (Schulstifterin), der Historienmaler Christoph Friedrich Nilson, der Architekt Walther Schmidt, der Ornithologe und Zoodirektor Georg Steinbacher, die Erziehungswissenschaftlerin Ilse Lichtenstein-Rother sowie Familiengräber der Augsburger Patrizier- und Industriellenfamilien Welser, Süßkind, Schaezler, Riedinger, Forster, Hößlin und von Stetten.
Katholischer Friedhof an der Hermanstraße (Hermanfriedhof)
Hermanstraße 10, 86150 Augsburg · gegründet 1599 · 4,5 ha, rund 10.000 Grabstellen, über 200 Bäume
Per Magistratsdekret vom 27. Juli 1599 wurde den Augsburger Katholiken ein eigener Friedhof bewilligt – damals außerhalb der Stadtmauer vor dem Gögginger Tor, heute mitten im Bahnhofsviertel. Die Friedhofskirche St. Michael, ein ovaler Zentralbau, wurde nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg und im Spanischen Erbfolgekrieg zwischen 1708 und 1714 mit Unterstützung der Fugger neu errichtet und präsentiert sich heute im Barockstil. Der Glasfensterzyklus der Aussegnungshalle wurde 1957 von der Augsburger Künstlerin Hilda Sandtner geschaffen. Trägerschaft hat der Katholische Friedhofsverband Augsburg, der zehn städtische Pfarrgemeinden vereint.
Wenig bekannt: An der Friedhofsmauer liegt Mathias Kneißl (geb. 1875), einer der bekanntesten bayerischen „Sozialräuber" der Wilhelminischen Zeit. Er wurde 1902 in der Augsburger JVA hingerichtet und auf dem Hermanfriedhof beigesetzt. Die Grabstelle in Feld 11, Reihe 11, Nr. 561 ist ein stiller Anziehungspunkt für Heimatforscher und ein Erinnerungsort an die soziale Geschichte des bayerischen Schwabens.
Weitere prominente Gräber: Christoph von Schmid (1768–1854), Domkapitular und Jugendschriftsteller, Verfasser des Weihnachtsliedes „Ihr Kinderlein kommet" – nach Cholera-Tod 1854 in aller Stille auf dem Hermanfriedhof beigesetzt, Gedenktafel an der Rückseite der Friedhofskirche; Klaus Müller (1892–1980), Oberbürgermeister 1947–1964 (CSU), Mitbegründer der Augsburger CSU und treibende Kraft beim Wiederaufbau des Goldenen Saales im Rathaus; Ludwig Leybold (1833–1891), Stadtbaumeister, der nach 1866 die heutigen Boulevards Augsburgs nach Wiener Vorbild plante; Georg von Forndran (1807–1866), Bürgermeister 1847–1866 und Initiator des Alten Hauptkrankenhauses; Ludwig von Fischer (1832–1900), Erster Bürgermeister von Mai 1866 bis zu seinem Tod am 8. Januar 1900 – mit rund 34 Amtsjahren bis heute der am längsten amtierende Bürgermeister Augsburgs, Namensgeber der Bürgermeister-Fischer-Straße; der Komponist Karl Kempter (1819–1871, Pastoralmesse in G-Dur); Joseph Franz von Allioli (1793–1873), katholischer Theologe und Bibelübersetzer; Johann Georg Bergmüller (1688–1762), Barockmaler; sowie das Familiengrab der Industriellenfamilie Haindl mit Porträtbüste des Gründers Georg Haindl.
Westfriedhof Augsburg
Stadtberger Straße 80a, 86157 Augsburg · angelegt 1874 · 17,69 ha · Krematoriumsstandort
Der Westfriedhof in Pfersee wurde 1874 zur Entlastung des aufgelassenen alten Pferseer Friedhofs bei St. Michael angelegt und ist mit 17,69 Hektar die größte Friedhofsanlage Augsburgs. Seit der Eingemeindung Pferses 1911 liegt er auf Augsburger Stadtgebiet. Von 1913 bis 1915 wurde das gesamte bauliche Ensemble errichtet: ein Krematorium, ein Beamtenwohn- und Verwaltungsgebäude, die Aussegnungshalle im Jugendstil, eine Leichenaufbewahrungshalle, eine Feuerbestattungsanlage, ein neubarocker Torbau sowie die Friedhofsummauerung. Die Gesamtplanung lag bei Oberbaurat Dr.-Ing. Josef Weidenbacher; Otto Holzer, Augsburger Stadtbaurat und ab 1913 Oberbaudirektor, zeichnete für die Aussegnungshalle und den Torbau verantwortlich. Auf dem Urnenfeld 49 betreibt die Stadt heute ein Naturgräberfeld mit Bestattungen unter Bäumen (Gemeinschafts- und Familienbäume, fünf Urnen pro Baum, ausschließlich biologisch abbaubare Urnen).
Wenig bekannt: Der Westfriedhof verdichtet drei Stränge der Augsburger Stadtgeschichte auf engem Raum. Im Norden erinnert seit dem 10. September 1950 der KZ-Ehrenhain an 235 KZ-Opfer aus den schwäbischen Außenlagern – das Denkmal wurde aus Steinen des Steinbruchs Flossenbürg errichtet. In Feld 13 liegen 80 Soldaten des Ersten Weltkriegs, in Feld 21 westlich der Allee weitere 349 Soldaten. Und in Feld 38 (W:64/65) ruht Josef „Bebo" Wager (1905–1943), Augsburger Leiter der süddeutschen Widerstandsgruppe „Revolutionäre Sozialisten", 1942 verhaftet, 1943 in München hingerichtet. Die Jugendstil-Aussegnungshalle Otto Holzers steht in dieser Topografie als bürgerlicher Vorkriegsbau aus dem Jahr 1915 – fertiggestellt unmittelbar vor den großen Erschütterungen, von denen die anderen Erinnerungsorte zeugen.
Der Westfriedhof ist der wichtigste städtische Standardfriedhof für die westlichen Stadtteile und bietet sämtliche Grabarten nach Satzung 7511: Erdreihen- und Wahlgräber, Urnenreihen- und Wahlgräber, Urnennischen, Baumgrabstätten im Naturgräberfeld. Seit 2007 existiert zudem ein Grabfeld für tot geborene Kinder. Bestattet sind außerdem Augsburger Originale wie Maria „Taubenmarie" Schumann (gest. 1957) in Feld 41:15:172.
Jüdischer Friedhof Kriegshaber
Hooverstraße 15, 86156 Augsburg · 1627 erworben, ab 1636 belegt · etwa 9.400 m², rund 700 erhaltene Grabsteine
Der Jüdische Friedhof Kriegshaber zählt zu den bedeutendsten jüdischen Begräbnisstätten Bayerisch-Schwabens. Nachdem die jüdische Gemeinde Augsburgs 1438/40 vertrieben worden war, siedelten Juden in den umliegenden Markt- und Reichsstraßenorten – Kriegshaber, Pfersee, Steppach. 1627 erwarben sie eine Viehweide der Markgrafschaft Burgau und legten 1636 den Friedhof an. Erweiterungen folgten 1695 und 1722, das Taharahaus entstand 1724, die heutige Umfassungsmauer 1825. Bis 1816 nutzten auch die Münchner Juden den Friedhof, bis 1868 die Augsburger Gemeinde; die orthodoxe Gemeinde Kriegshaber bestattete bis 1940 hier, einzelne Beisetzungen von Displaced Persons fanden bis 1951 statt. 1942 wurden zahlreiche Grabsteine durch deutsche Soldaten zerstört; aus den Trümmern errichteten Augsburger Steinmetze 1946 ein Mahnmal am Eingang.
Wenig bekannt: Bis 1867 war der Besuch des Friedhofs lebensgefährlich – direkt neben der Anlage betrieb die bayerische Artillerie einen Schießplatz, und der Kugelfang verlief entlang der Friedhofsmauer. Immer wieder kam es zu Beschädigungen an Mauer und Grabsteinen, gelegentlich zu schweren Unfällen. Eine bauhistorische Kuriosität, die zugleich erklärt, warum so viele ältere Grabsteine restauriert werden mussten. Im Wärterhaus gegenüber dem Eingang findet sich eine hebräische Inschrift, die auf den Mauer-Neubau 1871 verweist.
Die ältesten erhaltenen Grabsteine stammen aus den Jahren 1662, 1673 und 1695, die Mehrzahl trägt ausschließlich hebräische Inschriften. Bestattet sind unter anderem Wolf Simon Wertheimer, Hoffaktor; R. Isaak „Seckel" b. Menachem Etthausen (1685–1763), Rabbiner; Simon ben Sanwil Ulmo (1645–1720), Landesvorsteher der Juden in Medinat Schwaben, mit Ulmo-Wappen auf dem Grabstein; sowie Henle Efraim Ulman (gest. 1807). Ein kupfernes rituelles Wasserfass von 1735/36, ursprünglich auf dem Friedhof, befindet sich heute im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben. Eine Zweigstelle des Museums in der ehemaligen Synagoge Kriegshaber bietet thematische Führungen zum Friedhof an.
Der Neue Ostfriedhof in Lechhausen wurde 1964 zur Entlastung des Alten Ostfriedhofs angelegt (laut Stadtlexikon Augsburg an der Zugspitzstraße konzipiert, heute Hauptzufahrt Stätzlinger Straße) und ist einer der wichtigsten städtischen Belegungsfriedhöfe für die östlichen Stadtteile (Lechhausen, Hochzoll, Pfärrach). Er verbindet auf seinem Areal traditionelle Grabfelder mit Bereichen unter altem Baumbestand. Der Neue Ostfriedhof beherbergt zwei Augsburger Besonderheiten: Erstens das einzige muslimische Grabfeld der Stadt – hier werden Bestattungen in Westrichtung mit Blickrichtung Mekka durchgeführt; eine sarglose Bestattung im Leichentuch nach § 30 Abs. 2 BestV ist im Einzelfall mit Genehmigung des Amts für Grünordnung möglich. Zweitens einen Apfelhain als naturnahes Bestattungsareal – eine bayerische Sonderform, bei der Urnen unter Obstbäumen beigesetzt werden, was den Friedhof zugleich als kleines Streuobstwiesen-Biotop ausweist.
Die arbeitsteilige Lösung zwischen Neuem Ostfriedhof als Beisetzungsstätte und Gögginger Friedhof als Waschungsort ist im süddeutschen Vergleich ungewöhnlich und geht auf die Entwicklung des muslimischen Lebens in Augsburg seit den 1980er Jahren zurück.
Friedhof Göggingen
Friedhofweg, 86199 Augsburg-Göggingen · ersetzte ab 1875/76 den Vorgängerfriedhof bei St. Georg und Michael · städtisch verwaltet
Der Gögginger Friedhof entstand 1875/76 als Ersatz für den eingemeindeten alten Pfarrfriedhof bei St. Georg und Michael und ist heute übersichtlich angelegt, mit kurzen Wegen und klar gegliederten Grabfeldern. Architektonisch sticht das Kreuzrelief des Bildhauers Sepp Masteller hervor; die Aussegnungshalle ist für ihre bunten Glasscheiben bekannt. Der Friedhof wird im Alltag auch als öffentliche Parkanlage genutzt.
Wenig bekannt: Auf dem Gögginger Friedhof betreibt die Stadt Augsburg den einzigen rituellen Waschraum für muslimische Verstorbene auf städtischem Friedhofsgrund in ganz Bayerisch-Schwaben. Die nach islamischem Ritus vorgeschriebene Ghusl-Waschung erfolgt hier, die Beisetzung selbst dann auf dem muslimischen Grabfeld des Neuen Ostfriedhofs. Diese räumliche Trennung von Waschung und Beisetzung auf zwei städtischen Friedhöfen ist eine bayerische Besonderheit und macht Göggingen zu einem stillen, aber zentralen Knotenpunkt der muslimischen Bestattungspraxis in Schwaben.
Neben diesen sechs Anlagen sind weitere städtische Friedhöfe – Nordfriedhof in Oberhausen, Alter Ostfriedhof, Alter und Neuer Haunstetter Friedhof, Friedhof Bergheim und Friedhof Inningen – im Belegungsalltag relevant; sie folgen alle der städtischen Friedhofs- und Gebührensatzung. Der zweite jüdische Friedhof Augsburgs an der Haunstetter Straße im Stadtteil Hochfeld wurde 1867/68 angelegt und ist auch heute die Beisetzungsstätte der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg.
Bestattungskosten in Augsburg
Die Satzung über die Gebühren für die Benutzung von Friedhöfen und sonstigen Bestattungseinrichtungen der Stadt Augsburg (Satzung 7511, Friedhofsgebührensatzung) wurde Ende 2024 neu beschlossen und ist am 1. Januar 2025 in Kraft getreten; sie löst die seit 1988 geltende und zuletzt 2019 geänderte Vorgängersatzung ab. Die nachfolgenden Beträge stammen direkt aus dem Gebührenverzeichnis als Anlage zu Satzung 7511 und gelten ausschließlich für die neun städtischen Friedhöfe. Die konfessionellen Friedhöfe (Protestantischer Friedhof, Hermanfriedhof, Friedhof Kriegshaber) erheben eigene Gebühren auf vergleichbarem, teils leicht abweichendem Niveau.
Auszug Friedhofsgebührensatzung Augsburg (Satzung 7511) – gültig ab 01.01.2025 (Netto)
Position
Betrag
Erdbestattung, Person ab 12. Lebensjahr
940 €
Urnenbeisetzung
532 €
Benutzung der Aussegnungshalle
158 €
Grabnutzungsgebühr Erdgrab (Inneres Grabfeld), pro Jahr
47 €
Grabnutzungsgebühr Urnengrab, pro Jahr
67 €
Friedhofsunterhaltsgebühr Einfach-/Urnengrab, pro Jahr
34 €
Auf zehn Jahre Ruhezeit hochgerechnet ergibt sich für ein städtisches Erd-Einfachgrab in Augsburg eine reine Friedhofsbelastung von rund 1.750 Euro (Bestattungsgebühr 940 € + 10 × 47 € Grabnutzung + 10 × 34 € Unterhalt), für eine Urnenbeisetzung rund 1.542 Euro (532 € + 10 × 67 € + 10 × 34 €). Diese Werte sind Nettogebühren der Stadt; Umsatzsteuer wird, soweit pflichtig, zusätzlich berechnet. Die Stadt selbst hat zur Satzungsänderung kommuniziert, dass die häufigsten Gebührentatbestände im Vergleich zu anderen größeren bayerischen Städten weiterhin günstig sind.
Zu den städtischen Gebühren kommen die Leistungen des beauftragten Bestatters: Abholung, Hygiene und Versorgung des Leichnams, Sarg oder Urne, Trauerfeier-Organisation, Behördengänge (Standesamt, Krankenkassen, Rentenversicherung), Floristik, Druck der Trauerdrucksachen. Branchenüblich liegen diese Leistungen in Augsburg bei einer einfachen Feuerbestattung ab etwa 1.200 Euro, bei einer Erdbestattung mit Trauerfeier zwischen 2.500 und 5.000 Euro – stark abhängig von Sargqualität, Trauerredner und Floristik. Zusammen mit Grabstein (1.500 bis 4.000 Euro) und Erstbepflanzung ergibt sich ein realistischer Gesamtkorridor in Augsburg von rund 4.500 bis 9.000 Euro für eine vollständige Bestattung; Waldbestattungen können darunter, anspruchsvollere Familiengräber deutlich darüber liegen.
Hinzu kommen Standardgebühren des Standesamts: Eine beglaubigte Abschrift aus dem Sterberegister kostet beim Standesamt Augsburg 12,00 Euro, jede weitere Ausfertigung derselben Bestellung 6,00 Euro (Stadt Augsburg, Urkundenbestellung Standesamt, Stand Mai 2026). Urkunden für die Renten- und Krankenversicherung sind bei entsprechendem Nachweis gebührenfrei.
Was kostet die Bestattung konkret? Berechne deinen Kostenrahmen mit anonymer Eingabe in zwei Minuten: → Bestattungskosten-Rechner. Vergleicht Erd-, Feuer- und Seebestattung mit aktuellen Friedhofsgebühren und Bestatterleistungen.
Hast Du schon ein konkretes Angebot oder eine Rechnung? Mit dem → Angebotsprüfer prüfst Du in 3 Minuten mit Ampel, ob Preis und Posten plausibel sind.
Was nach einem Todesfall in Augsburg zu tun ist
Die erste Pflicht nach Eintritt eines Todesfalls in Augsburg ist die unverzügliche Veranlassung der Leichenschau durch einen Arzt (§ 3 BestV). Bei Tod im Krankenhaus oder Pflegeheim übernimmt die Einrichtung diesen Schritt; bei Tod zu Hause ist der Hausarzt oder über die 116 117 ein Notdienst zu rufen. Bei nicht eindeutig natürlichem Tod ist die Polizei einzuschalten.
Totenschein abwarten. Der feststellende Arzt stellt die Todesbescheinigung aus – die Grundlage für sämtliche weiteren Schritte.
Bestatter beauftragen. In Augsburg sind zahlreiche Bestattungsunternehmen ansässig; die Auswahl ist frei und sollte mit Preisvergleich erfolgen. Der Bestatter übernimmt in der Regel die Überführung, die Anmeldung beim Standesamt und die Friedhofsabstimmung. Eine Orientierung zur Auswahl gibt der Ratgeber zur Bestatterwahl.
Sterbefall anzeigen. Zuständig ist das Standesamt Augsburg, Maximilianstraße 69, 86150 Augsburg, Sterbefall-Abteilung Telefon 0821 324-3848 bzw. -3867, E-Mail sterbefall@augsburg.de. Üblicherweise erledigt dies der Bestatter. Beizubringen sind Totenschein, Personalausweis und – je nach Familienstand – Geburts-, Ehe- oder Sterbeurkunde der bzw. des Verstorbenen sowie ggf. Scheidungsurteil. Das Standesamt ist auch für Sterbefälle in den früher selbständigen Orten Bergheim, Göggingen, Haunstetten, Hochzoll, Inningen, Kriegshaber, Lechhausen, Oberhausen, Pfersee und Siebenbrunn zuständig.
Sterbeurkunden beziehen. Das Standesamt stellt die Sterbeurkunden aus (12 Euro je beglaubigte Abschrift, mehrere Exemplare sind in der Regel sinnvoll für Rente, Krankenkasse, Versicherungen, Banken).
Friedhof wählen und Beisetzungstermin abstimmen. Für städtische Friedhöfe ist das Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen zuständig, bei konfessionellen Friedhöfen die jeweilige Friedhofsverwaltung (Hermanfriedhof Tel. 0821 32903-13 für den katholischen, eigene Verwaltung des Protestantischen Friedhofs an der Haunstetter Straße).
Bestattung innerhalb der gesetzlichen Frist. Acht Tage ab Feststellung des Todes (§ 19 Abs. 1 BestV); Urnen spätestens drei Monate nach Einäscherung (§ 19 Abs. 4 BestV).
Erbrechtliche Schritte. Testamentseröffnung beim Nachlassgericht (Amtsgericht Augsburg, Am Alten Einlaß 1), Information von Banken, Versicherungen, Arbeitgeber, Vermieter; gegebenenfalls Erbschein-Antrag. Eine kompakte Übersicht der Fristen liefert der Erbschein-Ratgeber.
Bei mittellosen Verstorbenen oder fehlenden Angehörigen tritt die Bestattungspflicht der Gemeinde nach Art. 14 BestG ein; die Stadt Augsburg lässt in diesen Fällen eine sogenannte ordnungsbehördliche Bestattung anordnen und versucht, die Kosten von Erben oder Unterhaltspflichtigen zurückzufordern. Können die Pflichtigen die Kosten nachweislich nicht tragen, kommt eine Übernahme durch das Sozialamt nach § 74 SGB XII in Betracht. Der dafür notwendige Antrag ist unverzüglich nach der Bestattung zu stellen.
Bestatter in Augsburg auswählen
Eine bundeseinheitliche Pflicht-Ausbildung für Bestatter gibt es seit 2003 (Geprüfter Bestatter / Bestattungsfachkraft). In Augsburg sind nach Angaben des bayerischen Landesinnungsverbands rund 15 bis 20 Bestattungsunternehmen aktiv – von alteingesessenen Augsburger Familienbetrieben mit Sitz in der Maximilianstraße, in Pfersee oder Lechhausen bis zu Filialen überregionaler Anbieter. Anders als in München mit seinem zentralen Großstadtmarkt (siehe Bestattung in München) prägt Augsburg eine kleinteiligere Bestatterlandschaft, in der mehrere Anbieter seit Generationen für bestimmte Stadtteile und Konfessionen zuständig sind – etwa für den protestantischen Hochfeld-Bezug, die katholisch geprägten Lechhauser Pfarreien oder die orthodoxe Gemeinde Kriegshaber mit ihren spezifischen rituellen Anforderungen. Hinweise auf Qualität und Seriosität liefern unter anderem:
Mitgliedschaft im Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) oder im bayerischen Landesinnungsverband – verpflichtet auf eine Berufsordnung und Schiedsverfahren bei Streitigkeiten. Eine aktuelle Liste der Innungsbetriebe für den Bezirk Schwaben führt der Bayerische Landesinnungsverband.
Markenzeichen „Geprüfter Bestatter" bzw. „Geprüfter Bestattermeister" – setzt regelmäßige Schulung und Qualitätsprüfungen voraus.
Transparente, schriftliche Kostenvoranschläge mit getrennter Auflistung von Bestatter-Eigenleistung, Friedhofsgebühren (Satzung 7511, siehe oben), Krematoriumskosten, Sterbeurkunden (12 € pro Abschrift in Augsburg), Floristik und Trauerredner. Pauschalpreise ohne Aufschlüsselung sind ein Warnsignal.
Vergleichende Angebote. Stiftung Warentest hat in mehreren Untersuchungen für ein und dieselbe Bestattungsart Preisunterschiede von mehreren tausend Euro festgestellt. Drei Angebote einzuholen, ist auch in einer emotionalen Ausnahmesituation angemessen. Die Augsburger Verbraucherzentrale-Beratungsstelle (Rathauspassage) bietet zudem kostenfreie Erstberatung zu Bestattungsverträgen.
Augsburg-Bezug und Friedhofsabstimmung. Augsburg-spezifisch ist die Abstimmung mit drei verschiedenen Friedhofsträger-Systemen: dem städtischen Amt für Grünordnung für Westfriedhof, Nord- und Ostfriedhof, Göggingen und die übrigen sechs städtischen Anlagen; dem Katholischen Friedhofsverband für Hermanfriedhof und Kriegshaber; und der jeweiligen Eigenverwaltung des Protestantischen Friedhofs und der beiden jüdischen Friedhöfe. Ein in Augsburg ansässiger Bestatter kennt diese Differenzierung; überregionale Anbieter unterschätzen sie gelegentlich.
Krematoriumsanbindung. Augsburg verfügt über ein eigenes städtisches Krematorium am Westfriedhof (Anlage aus den Jahren 1913–1915); bei einer Feuerbestattung in Augsburg sollte der Bestatter klar ausweisen, wo die Einäscherung erfolgt, da die Gebühren je nach Krematorium variieren. Alternative Standorte im südbayerischen Raum sind das Krematorium München auf dem Ostfriedhof und das Krematorium Kaufbeuren.
Wer eine Bestattung vorausschauend planen möchte, kann eine Bestattungsvorsorge mit Treuhandkonto bei einer der Vorsorgegesellschaften (Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand, Allgemeine Deutsche Treuhand) abschließen. Das Guthaben ist insolvenzgesichert und zweckgebunden für die spätere Bestattung. Eine separate Übersicht zur Bestattungsvorsorge behandelt Vor- und Nachteile dieser Konstruktion, ein eigener Trauerfeier-Ratgeber die Gestaltung der Feier. Wer aus dem nördlichen Umland (Friedberg, Königsbrunn, Stadtbergen, Gersthofen) oder dem Münchner Raum nach Augsburg überführen lässt, findet auch in der Münchner Bestatterübersicht Anbieter, die Überführungen nach Schwaben routinemäßig abwickeln.
Bestatter-Wahl in Augsburg — Qualitätskriterien
Eine gesetzliche Pflicht zur Beauftragung eines bestimmten Bestatters besteht nicht. Wer eine Bestattung in Augsburg organisiert, kann frei wählen — und sollte das auch nutzen, weil die Preisspannen zwischen Bestattungsunternehmen erheblich sind. Sechs Kriterien helfen bei der Auswahl:
Mitgliedschaft im Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) bzw. im Landesverband Bayern — Mitglieder verpflichten sich auf Berufsbild, Mindestleistungsverzeichnis und Verbraucherinformation. Mitgliedersuche mit Ortsfilter Augsburg auf bestatter.de.
RAL-Gütezeichen Bestattungsinstitut — jährlich überprüfte Anforderungen an Räumlichkeiten, Verfahren und Hygiene. Verleihende Stelle: Markenverband / RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung.
Transparente Preisliste mit Aufschlüsselung nach Pflichtleistungen, Wahlleistungen und Drittkosten (Friedhof, Krematorium, Drittanbieter). Mündliche Schätzungen ohne schriftlichen Kostenvoranschlag sind ein Warnsignal.
Schriftlicher Kostenvoranschlag vor Auftragserteilung — Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest empfehlen mindestens drei Angebote zum Vergleich der Einzelposten (Sarg/Urne, Versorgung, Transport, Trauerhalle, Trauerdruck), nicht nur des Gesamtpreises.
Erfahrung mit Sonderformen: muslimische, jüdische, freie oder konfessionelle Trauerfeiern, Auslandsüberführung, Wald- oder Seebestattung. Frage explizit nach Referenzen — gerade bei religiösen Bestattungen sind Abstimmung mit Gemeinde und Friedhofsverwaltung kritisch.
Vorsorgevertrag: Wer zu Lebzeiten Vorsorge treffen möchte, kann mit dem Bestatter einen Vorsorgevertrag mit treuhänderischer Hinterlegung des Bestattungsbeitrags vereinbaren — der Vorsorge-Check hilft bei der Strukturierung.
Tipp: Notiere Dir vor dem ersten Bestatter-Gespräch die wichtigsten Eckdaten (gewünschte Bestattungsart, Friedhof, Trauerfeier-Wünsche, Budget-Rahmen). Das macht den Vergleich der Angebote belastbarer und schützt vor Aufschlägen für Leistungen, die nicht benötigt werden. Alle Bestattungsformen im Überblick: Bestattungsarten; Kosten-Korridor: Bestattungskosten in Deutschland.
Unverbindliche Anfrage an einen Bestatter in Augsburg
Diese Anfrage ist ein Vermittlungsangebot und unabhängig vom Transparenz-Partner-Status. Transparenz Partner legen ihre Preisstruktur nach öffentlichen Kriterien offen; Vermittlungspartner können Anfragen erhalten. Ein Bestatter kann beides sein, muss es aber nicht.
Wenn in Deiner Region ein passender Vermittlungspartner verfügbar ist, leiten wir Deine Anfrage weiter. Falls nicht, sagen wir Dir das offen. Es entsteht kein Vertrag, kein Newsletter und kein Verkaufsdruck. Eine mögliche Vermittlungsvergütung betrifft nur weitergeleitete Anfragen — nicht die Aufnahme als Transparenz Partner, nicht die Sichtbarkeit und nicht die Reihenfolge im Verzeichnis.
Wichtig zur Einordnung
Transparenz Partner legt Preisbeispiele nach öffentlichen Kriterien offen — kostenlos, nicht käuflich, kein Qualitätsurteil.
Vermittlungspartner kann auf Wunsch eine Anfrage erhalten — eine Vergütung kann nur hier entstehen.
Redaktionelle Inhalte bleiben unabhängig — kein Anbieter kann Platzierungen oder Empfehlungen kaufen.
Sozialbestattung in Augsburg — wenn die Kosten nicht selbst getragen werden können
Reicht der Nachlass nicht aus und sind auch die bestattungspflichtigen Angehörigen finanziell nicht in der Lage, die Kosten zu tragen, übernimmt der Sozialhilfeträger nach § 74 SGB XII die erforderlichen Bestattungskosten — also den ortsüblich angemessenen Rahmen einer einfachen, würdigen Bestattung. Wichtig: Den Antrag möglichst vor Beauftragung des Bestatters stellen, spätestens jedoch zeitnah nach der Bestattung. Eine rückwirkende Übernahme bereits beglichener Rechnungen ist nicht ausgeschlossen, in der Praxis aber an zusätzliche Nachweispflichten gebunden.
Wer ist antragsberechtigt?
Antragsberechtigt ist die Person, die nach Art. 15 Bayerisches BestG (Bayerisches Bestattungsgesetz) zur Bestattung verpflichtet ist — in der gesetzlichen Rangfolge: Ehegatten/Lebenspartner, Kinder, Eltern, Geschwister, Großeltern, Enkelkinder. Vorrangig haften zivilrechtlich die Erben (§ 1968 BGB) und Unterhaltspflichtige; das Sozialamt prüft, ob aus dem Nachlass oder von vorrangig Verpflichteten Mittel verfügbar sind. Die örtliche Zuständigkeit richtet sich nach § 98 Abs. 3 SGB XII: bei laufendem Sozialhilfebezug der verstorbenen Person bleibt der bisherige Träger zuständig, sonst der Träger am Sterbeort.
Höchstrichterliche Klärung: Erbausschlagung schließt Anspruch nicht aus
Das Bundessozialgericht hat mit Urteil vom 25.08.2011 (Az. B 8 SO 20/10 R) entschieden, dass die Verpflichtung zur Tragung der Bestattungskosten nicht zwingend an die Erbenstellung anknüpft. Auch wer das Erbe ausgeschlagen hat, aber landesrechtlich bestattungspflichtig bleibt, kann unter den Voraussetzungen des § 74 SGB XII einen Anspruch auf Kostenübernahme haben — die Zumutbarkeit der Eigenfinanzierung ist gesondert zu prüfen. Eine pauschale Ablehnung wegen Erbausschlagung ist damit nicht zulässig.
Was übernommen wird — und was nicht
Übernommen werden die erforderlichen Kosten für eine einfache, aber würdige, den ortsüblichen Verhältnissen entsprechende Bestattung: Sarg oder Urne in einfacher Ausführung, Überführung im Stadtgebiet, Grabnutzungsrecht für ein Reihengrab über die Ruhezeit, Beisetzungsgebühr, eine schlichte Trauerfeier am Grab. Nicht übernommen werden in der Regel Grabstein und Einfassung, dauerhafte Grabpflege, Trauerdruck, Blumenschmuck über das übliche Maß hinaus, Trauerkaffee oder eine Erweiterung zum Wahlgrab.
Vor Antragsstellung sollten alle Belege zum Vermögen und Einkommen der verstorbenen Person sowie zur eigenen finanziellen Lage gesammelt werden.
Vorsorge-Tipp gegen Sozialbestattung: Eine Sterbegeldversicherung deckt die Bestattungskosten ab, damit Angehörige nicht in die § 74-Lage geraten. Vergleichsrechner für Tarife und Versicherungssummen: → Sterbegeldversicherung vergleichen (Check24). Hinweis: machsruhig verlinkt diesen Vergleich als Affiliate, der dabei verdiente Anteil finanziert die Redaktion — ohne Mehrkosten für Dich.
Häufige Fragen zur Bestattung in Augsburg
Wie viele Friedhöfe gibt es in Augsburg?
Auf dem Stadtgebiet liegen 14 Friedhöfe. Neun davon werden städtisch verwaltet – Westfriedhof, Nordfriedhof, Alter und Neuer Ostfriedhof, Alter und Neuer Haunstetter Friedhof sowie die Friedhöfe Göggingen, Bergheim und Inningen. Fünf sind konfessionell: der Protestantische Friedhof (Hochfeld), der Katholische Hermanfriedhof (Bahnhofsviertel), der Katholische Friedhof Kriegshaber und zwei jüdische Friedhöfe (Kriegshaber / Hooverstraße und Hochfeld / Haunstetter Straße).
Was kostet eine Bestattung auf einem städtischen Friedhof in Augsburg?
Seit 1. Januar 2025 beträgt nach Satzung 7511 die Bestattungsgebühr für eine Erdbestattung ab dem 12. Lebensjahr 940 Euro, für eine Urnenbeisetzung 532 Euro. Auf zehn Jahre Ruhezeit summieren sich die reinen Friedhofskosten auf rund 1.542 Euro für eine Urnenbeisetzung (532 € + 10 × 67 € Grabnutzung + 10 × 34 € Unterhalt) bzw. rund 1.750 Euro für ein Erd-Einfachgrab (940 € + 10 × 47 € + 10 × 34 €). Bestatterleistungen, Sarg/Urne und Grabstein kommen hinzu, sodass die Gesamtkosten in Augsburg meist zwischen 4.500 und 9.000 Euro liegen.
Wie lange ist die Bestattungsfrist in Bayern?
Seit 1. April 2021 müssen Verstorbene spätestens acht Tage nach Feststellung des Todes bestattet oder eingeäschert sein (§ 19 Abs. 1 BestV). Sonntage, gesetzliche Feiertage und Samstage werden nicht mitgezählt. Die vorher in Bayern geltende 96-Stunden-Frist ist entfallen. Urnen sind spätestens drei Monate nach der Einäscherung beizusetzen.
Wie lang ist die Ruhezeit auf Augsburger Friedhöfen?
Auf den meisten Augsburger Friedhöfen beträgt die Ruhezeit zehn Jahre, bei Kindern bis zum vollendeten fünften Lebensjahr fünf Jahre. Auf Wahlgrabstätten lassen sich Nutzungsrechte mit 10, 15 oder mehr Jahren erwerben und üblicherweise verlängern. Die genauen Werte regelt die Friedhofssatzung des jeweiligen Trägers.
Gibt es in Augsburg eine Möglichkeit zur sarglosen Erdbestattung?
Grundsätzlich gilt in Bayern Sargpflicht (§ 30 Abs. 1 BestV, Vollholzsarg). § 30 Abs. 2 BestV erlaubt dem Friedhofsträger jedoch seit 2021, sarglose Bestattungen im Leichentuch aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen zuzulassen. In Augsburg existiert ein muslimisches Grabfeld auf dem Neuen Ostfriedhof; rituelle muslimische Waschungen finden auf dem Gögginger Friedhof statt. Die konkrete Genehmigung muss bei der zuständigen Friedhofsverwaltung beantragt werden.
Wer trägt die Bestattungskosten in Augsburg?
Bestattungspflichtig sind nach Art. 15 BestG in Verbindung mit § 15 BestV und § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BestV die Angehörigen in folgender, durch den Verordnungstext exakt festgelegter Reihenfolge: a) der Ehegatte oder der Lebenspartner (eingetragene Lebenspartnerschaft), b) die Kinder, c) die Eltern, d) die Großeltern, e) die Enkelkinder, f) die Geschwister, g) die Kinder der Geschwister des Verstorbenen, h) die Verschwägerten ersten Grades. Diese Pflicht besteht nach ständiger Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs unabhängig von einer Erbschaftsausschlagung und auch bei gestörten Familienverhältnissen. Können die Pflichtigen die Kosten nachweislich nicht aufbringen, kommt eine Übernahme der Bestattungskosten durch das Sozialamt der Stadt Augsburg nach § 74 SGB XII in Betracht; der Antrag ist zeitnah nach der Bestattung zu stellen.
Wo wird ein Sterbefall in Augsburg gemeldet?
Beim Standesamt Augsburg in der Maximilianstraße 69, 86150 Augsburg. Die Sterbefall-Abteilung ist telefonisch unter 0821 324-3848 oder -3867 erreichbar, per E-Mail unter sterbefall@augsburg.de. Zuständig ist das Standesamt auch für Sterbefälle in den früher selbständigen Orten Bergheim, Göggingen, Haunstetten, Hochzoll, Inningen, Kriegshaber, Lechhausen, Oberhausen, Pfersee und Siebenbrunn. In der Regel übernimmt der Bestatter die Anmeldung.
Gibt es in Augsburg ein Krematorium?
Ja. Das Krematorium der Stadt Augsburg liegt auf dem Westfriedhof in der Stadtberger Straße 80a. Es wurde im Rahmen der großen Neubaumaßnahmen von 1913 bis 1915 errichtet – zusammen mit der Aussegnungshalle im Jugendstil, der Leichenaufbewahrungshalle, dem neubarocken Torbau und der Friedhofsummauerung. Die Gesamtplanung lag bei Oberbaurat Josef Weidenbacher, Aussegnungshalle und Torbau gehen auf den Augsburger Stadtbaurat Otto Holzer zurück. Die Einäscherungsgebühren werden separat von den Friedhofsgebühren erhoben und sind nicht Bestandteil der Friedhofsgebührensatzung 7511. Alternative Krematorien im südbayerischen Raum sind das Krematorium München (Ostfriedhof) und das Krematorium Kaufbeuren.
Ist Bertolt Brecht auf einem Augsburger Friedhof beigesetzt?
Nein. Bertolt Brecht selbst ist 1956 auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt worden, direkt neben dem Haus in der Chausseestraße 125, in dem er seine letzten Jahre verbrachte. Auf dem Protestantischen Friedhof Augsburg (Haunstetter Straße) liegt jedoch das Familiengrab der Brechts – mit Vater Berthold Friedrich Brecht (Direktor der Haindl'schen Papierfabrik) und Mutter Sophie Brecht. Der schlichte Grabstein trägt für den Vater den Zusatz „Fabrikdirektor".