Vorsorge — Alles regeln, bevor es nötig wird
Vorsorge bedeutet, heute die Entscheidungen zu treffen, die morgen andere für dich treffen müssten. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Testament und Bestattungsvorsorge — hier findest du alles, was du brauchst, um deine Angelegenheiten geordnet zu hinterlassen.
Das Wichtigste zur Vorsorge
- Rund 75 % der Deutschen haben keine Patientenverfügung — obwohl sie ab 18 Jahren sinnvoll ist
- Ehepartner haben seit 2023 nur ein eng begrenztes Notvertretungsrecht (akute Gesundheitsfragen, max. 6 Monate, § 1358 BGB) — für alles andere bestellt ohne Vorsorgevollmacht das Gericht einen Betreuer
- Ein handschriftliches Testament ist kostenlos und rechtlich gültig (eigenhändig, datiert, unterschrieben)
- Bestattungskosten liegen im Durchschnitt bei 6.000-8.000 Euro und müssen sofort getragen werden
- Die Grundlagen der Vorsorge (Patientenverfügung, Vollmacht, Testament) kosten nichts
- Alle Vorsorgedokumente kannst du jederzeit ändern oder widerrufen
Vorsorge-Themen im Überblick
Jedes Dokument erfüllt einen anderen Zweck. Zusammen bilden sie dein persönliches Vorsorge-Netz. Klicke auf ein Thema, um alles Wichtige zu erfahren.
Patientenverfügung
Lege fest, wie du medizinisch behandelt werden möchtest, wenn du selbst nicht mehr entscheiden kannst. Rechtlich bindend nach § 1827 BGB.
Patientenverfügung erstellen →Testament
Bestimme selbst, wer dein Vermögen erbt. Ohne Testament greift die gesetzliche Erbfolge — Freunde, Stiefkinder oder gemeinnützige Organisationen gehen leer aus.
Testament verstehen →Sterbegeldversicherung
Sichere deine Bestattungskosten ab, damit deine Angehörigen nicht finanziell belastet werden. Versicherungssummen von 3.000 bis 15.000 Euro, ab ca. 8 Euro im Monat.
Sterbegeldversicherung vergleichen →Bestattungsvorsorge
Lege Bestattungsart, Friedhof und Trauerfeier zu Lebzeiten fest. Bestattungsvorsorgevertrag, zweckgebundenes Sparen oder Treuhandverwaltung — welcher Weg passt?
Bestattungsvorsorge planen →Sorgerechtsverfügung
Für Eltern minderjähriger Kinder: bestimme den Wunsch-Vormund, falls beide Eltern versterben. Verhindert eine gerichtliche Vormundschaft gegen die Familienwünsche (§ 1782 BGB).
Sorgerecht regeln →Digitaler Nachlass
Wer kennt deine Passwörter, dein E-Mail-Postfach, deine Online-Konten? Strukturiere deinen digitalen Nachlass, bevor deine Vertrauensperson davor steht.
Digitalen Nachlass regeln →Vorsorge für Alleinstehende
Single, kinderlos oder ohne nahe Familie? Wer entscheidet im Notfall, wer erbt, wer organisiert die Bestattung? Spezial-Pillar für Vorsorge ohne Standard-Netz.
Vorsorge allein leben →Sozialbestattung
Wenn die Bestattungskosten die Familie überfordern, kann das Sozialamt nach § 74 SGB XII einspringen. Anspruchsvoraussetzungen, Antrag, Schonvermögen.
Sozialbestattung beantragen →Was passiert ohne Vorsorge?
Konsequenzen, wenn keine Patientenverfügung, kein Testament, keine Vollmacht existiert. Vom Betreuungsgericht bis zur Ordnungsamtsbestattung — Schritt für Schritt.
Risiken ohne Vorsorge →Vorsorge, wenn du allein lebst
Ohne Partner oder Familie in der Nähe stellt Vorsorge andere Fragen: Wer entscheidet im Notfall, wer erfährt vom Todesfall, wer setzt deine Wünsche um? Der Leitfaden für Alleinlebende.
Vorsorge für Alleinlebende →Warum Vorsorge?
Niemand beschäftigt sich gerne mit dem Ernstfall. Aber: Der Ernstfall hält sich nicht an Pläne. Ein Unfall, ein Schlaganfall, eine plötzliche Erkrankung — und von einem Moment auf den anderen müssen andere Menschen Entscheidungen treffen, die eigentlich deine sind.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
- 75 % der Deutschen haben keine schriftliche Patientenverfügung. Das bedeutet: Bei drei von vier Menschen entscheiden Ärzte nach Standardprotokollen, nicht nach dem persönlichen Willen.
- Über 1,3 Millionen Menschen stehen in Deutschland unter rechtlicher Betreuung. Viele davon hätten mit einer Vorsorgevollmacht selbst bestimmen können, wer ihre Angelegenheiten regelt.
- Eine gerichtliche Betreuerbestellung kann 1.000 bis 5.000 Euro kosten und Monate dauern. Eine Vorsorgevollmacht ist kostenlos und sofort wirksam.
- Bestattungskosten liegen in Deutschland durchschnittlich bei 6.000 bis 8.000 Euro. Eine einfache Bestattung kostet mindestens 3.000 Euro, aufwendigere Bestattungen 10.000 Euro und mehr.
- Seit 2004 zahlen Krankenkassen kein Sterbegeld mehr. Die Kosten für die Bestattung tragen die Angehörigen vollständig selbst.
Vorsorge ist kein Zeichen von Pessimismus. Es ist ein Akt der Fürsorge — für dich selbst und für die Menschen, die dir am nächsten stehen.
Vorsorge-Checkliste
Diese Dokumente bilden die Grundlage einer vollständigen Vorsorge. Du musst nicht alles auf einmal erledigen — aber jedes einzelne Dokument macht einen Unterschied.
- Patientenverfügung — Medizinische Wünsche schriftlich festlegen
- Vorsorgevollmacht — Vertrauensperson für rechtliche und finanzielle Vertretung benennen
- Betreuungsverfügung — Wünsche für den Fall einer gerichtlichen Betreuung festhalten
- Testament — Erbfolge und Vermächtnisse regeln
- Bestattungsverfügung — Wünsche für die eigene Bestattung dokumentieren
- Bestattungskosten absichern — Per Sterbegeldversicherung oder zweckgebundenem Sparen
- Notfallblatt — Wichtige Kontakte, Konten, Versicherungen auf einem Blatt zusammenfassen
- Vertrauensperson informieren — Mindestens eine Person weiß, wo die Dokumente liegen
- Registrierung — Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung im Zentralen Vorsorgeregister (ZVR) registrieren
Vorsorge-Check starten
Finde in 5 Minuten heraus, welche Vorsorgedokumente du bereits hast und welche noch fehlen — kostenlos und ohne Anmeldung.
Zum Vorsorge-Check Kostenlos · 5 Minuten · Persönliche EmpfehlungBestattungsvorsorge — Was ist das?
Bestattungsvorsorge umfasst alle Maßnahmen, die du zu Lebzeiten triffst, um deine Bestattung zu regeln und die Kosten abzusichern. Das Ziel: Deine Angehörigen sollen im Trauerfall nicht unter Zeitdruck schwierige Entscheidungen treffen und hohe Kosten tragen müssen.
Die drei Säulen der Bestattungsvorsorge
1. Bestattungsverfügung: In einer Bestattungsverfügung hältst du fest, wie du bestattet werden möchtest. Erdbestattung oder Feuerbestattung? Welcher Friedhof? Welche Musik bei der Trauerfeier? Diese Wünsche sind für deine Angehörigen eine große Entlastung.
2. Bestattungsvorsorgevertrag: Mit einem Bestattungsvorsorgevertrag regelst du die Details deiner Bestattung direkt mit einem Bestatter. Du legst fest, welche Leistungen erbracht werden sollen, und zahlst diese ganz oder teilweise im Voraus. Der Vertrag ist zweckgebunden — das bedeutet, das Geld wird ausschließlich für deine Bestattung verwendet. Das ist besonders wichtig für Menschen, die Sozialleistungen beziehen, denn ein Bestattungsvorsorgevertrag zählt als Schonvermögen.
3. Sterbegeldversicherung: Eine Sterbegeldversicherung zahlt im Todesfall eine vereinbarte Summe an deine Angehörigen. Diese können das Geld frei verwenden — für den Bestatter, die Trauerfeier, Grabpflege oder andere Kosten. Anders als beim Bestattungsvorsorgevertrag bist du nicht an einen bestimmten Bestatter gebunden.
Was kostet eine Bestattung?
Die Kosten für eine Bestattung variieren erheblich. Eine einfache Feuerbestattung beginnt bei etwa 3.000 Euro. Eine klassische Erdbestattung liegt im Durchschnitt bei 6.000 bis 8.000 Euro. Aufwendigere Bestattungen mit individueller Trauerfeier, besonderem Grabstein und mehrjähriger Grabpflege können 10.000 bis 15.000 Euro und mehr kosten.
Seit 2004 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen kein Sterbegeld mehr. Wer die Kosten rechtlich tragen muss, hängt vom Einzelfall ab: Grundsätzlich tragen die Erben die Beerdigungskosten (§ 1968 BGB); daneben können der Auftraggeber der Bestattung und nach Landesrecht bestattungspflichtige Angehörige in der Pflicht sein. Ist die Kostentragung nicht zumutbar, kann das Sozialamt die erforderlichen Kosten übernehmen (§ 74 SGB XII). Praktisch kommt die Rechnung schnell: Der Bestatter stellt seine Rechnung in der Regel innerhalb von zwei Wochen. Friedhofsgebühren und Steinmetzkosten folgen kurz darauf.
Häufig gestellte Fragen zur Vorsorge
Was gehört alles zur Vorsorge?
Ab welchem Alter sollte man sich um Vorsorge kümmern?
Was kostet Vorsorge?
Was passiert, wenn ich keine Vorsorge treffe?
Brauche ich einen Notar für die Vorsorge?
Wo bewahre ich meine Vorsorgedokumente auf?
Was ist der Unterschied zwischen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht?
Was ist eine Bestattungsvorsorge?
Quellen
- Bundesministerium der Justiz — Patientenverfügung, Betreuungsrecht (§ 1827 BGB)
- Zentrales Vorsorgeregister (ZVR) der Bundesnotarkammer
- Verbraucherzentrale Deutschland — Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung
- Statistisches Bundesamt — Betreuungszahlen Deutschland
- Aeternitas e.V. — Verbraucherschutz Bestattungskultur, Bestattungskosten
- Stiftung Warentest — Bestattungsversicherungen im Test
- SGB XII (Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch) — Regelungen zu Schonvermögen
- Bundesgesetzblatt 2004 — Abschaffung des gesetzlichen Sterbegeldes
Hinweis zu dieser Seite: Alle Informationen wurden sorgfältig recherchiert und basieren auf Publikationen des Bundesministeriums der Justiz, der Bundesnotarkammer und der Verbraucherzentralen. Diese Seite ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei komplexen Situationen empfehlen wir die Beratung durch einen Rechtsanwalt oder Notar. Mehr über unsere Methodik.