Bestattung in Kassel

Die documenta-Stadt im Norden Hessens hat eine in Deutschland einzigartige Besonderheit: Kassel besitzt keine eigenen kommunalen Friedhöfe. Alle 15 Friedhöfe im Stadtgebiet stehen unter Trägerschaft des Evangelischen Stadtkirchenkreises Kassel – eine historisch gewachsene Konstellation, die durch § 30 des hessischen Friedhofs- und Bestattungsgesetzes gedeckt und durch einen Friedhofsvertrag zwischen Stadt und Stadtkirchenkreis (zuletzt 2017/2018) ausgestaltet ist. Geregelt wird das Tagesgeschäft durch einen paritätischen Friedhofsausschuss, der die Friedhofs- und Gebührensatzung beschließt.

Stand: Mai 2026 Region: Hessen, Regierungsbezirk Kassel

Bestattungsrecht in Kassel: das Wichtigste in Kurzform

Die Friedhofshoheit liegt in Kassel – anders als in fast allen anderen deutschen Großstädten – nicht bei der Kommune, sondern beim Evangelischen Stadtkirchenkreis. Aufgrund einer im Kurhessischen Friedhofsrecht verwurzelten Tradition und vertraglicher Vereinbarungen mit der Stadt (zuletzt Friedhofsvertrag 2017/2018, Stadtrecht 9.06.07) ist der Stadtkirchenkreis nach § 1 der Friedhofssatzung 9.06.08 Träger aller 15 Friedhöfe, des Krematoriums und des Bestattungsamts. Die Konstellation ist durch § 30 in Verbindung mit § 2 des hessischen FBG abgedeckt; § 30 erlaubt Kirchen als Körperschaften des öffentlichen Rechts das Anlegen, Unterhalten und Erweitern eigener Friedhöfe.

Verwaltungstechnisch entscheidet ein paritätisch aus Vertretern der Stadt Kassel und des Stadtkirchenkreises besetzter Friedhofsausschuss über alle Grundsatzfragen, insbesondere über Friedhofs- und Gebührensatzung. Diese beiden Satzungen werden anschließend als städtisches Stadtrecht in der Reihe 9.06 veröffentlicht – eine Eigenheit, die die kirchliche Trägerschaft mit kommunalrechtlicher Transparenz verbindet. Für Angehörige ändert sich praktisch wenig: Ein Beisetzungsrecht haben nach § 2 der Friedhofssatzung alle Personen ohne Unterschied der Konfession, die bei ihrem Ableben Einwohner Kassels waren oder innerhalb des Stadtgebiets verstarben.

Maßgeblich für Fristen und Abläufe ist das Hessische Friedhofs- und Bestattungsgesetz (FBG) vom 5. Juli 2007 in der zuletzt am 6. Oktober 2025 geänderten Fassung. Der Landtag beschloss am 30. September 2025 in zweiter Lesung die Verlängerung der Höchstbestattungsfrist von vier (96 Stunden) auf zehn Tage nach Eintritt des Todes (§ 16 Abs. 1 FBG); die Mindestfrist von 48 Stunden bleibt unverändert. Außerdem wurde das Bestattungsrecht für Sternenkinder unter 500 Gramm Geburtsgewicht und vor der 24. Schwangerschaftswoche ausdrücklich gestärkt. Die Sargpflicht gilt grundsätzlich, mit ausdrücklicher Ausnahme aus religiösen Gründen (sarglose Bestattung nach § 18 Abs. 2 FBG) – in Kassel praktisch umgesetzt auf dem islamischen Gräberfeld des Westfriedhofs seit 2014. Anzeigepflichtig ist der Todesfall nach § 28 Personenstandsgesetz spätestens am dritten Werktag nach dem Tod beim Standesamt; Urnen unterliegen nach § 20 Abs. 3 FBG dem Friedhofszwang.

Vollständige Details zum hessischen Bestattungsrecht – Sargbeschaffenheit, Bestattungspflicht der Angehörigen nach § 13 FBG, Leichenpass, Überführungsregeln, Friedhofszwang für Urnen und Ausnahmemöglichkeiten – sind auf der Bundesland-Page Hessen ausführlich dargestellt. Eine Kasseler Eigenheit am Rande: Die Stadt pflegt seit den 1920er Jahren ein eigenes Ehrengräber-System; 71 Ehrengräber werden vom Umwelt- und Gartenamt in Kooperation mit der Friedhofsverwaltung auf Kosten der Stadt unterhalten, davon 40 auf dem Hauptfriedhof. Die Pflege erfolgt unabhängig von der kirchlichen Trägerschaft der Flächen.

Friedhöfe in Kassel

Die 15 belegten Friedhöfe Kassels spannen einen Bogen vom Dreißigjährigen Krieg bis in die 1980er Jahre. Fünf von ihnen prägen die Stadt besonders – durch Größe, historische Bedeutung, Erinnerungs- oder religiöse Funktion. Wer eine Bestattung in Kassel plant, wählt fast immer aus dem Hauptfriedhof, einem der Stadtteilfriedhöfe, dem Westfriedhof (für muslimische Bestattungen und pflegefreie Grabarten), oder, bei jüdischen Beisetzungen, dem Neuen Jüdischen Friedhof in Bettenhausen.

Hauptfriedhof Kassel

Tannenheckerweg 6, 34127 Kassel · Stadtteil Nord-Holland · Eröffnet 2. Juli 1843 · Fläche ca. 40 ha

Der Hauptfriedhof ist das größte Bestattungsareal Kassels und zugleich Sitz der Friedhofsverwaltung sowie des einzigen Krematoriums der Region. Eröffnet 1843 vor dem damaligen Holländischen Tor, löste er den überfüllten Altstädter Friedhof am heutigen Lutherplatz ab. Die zwölf ursprünglichen Abteilungen sind im alten Teil bis heute an den rechtwinklig angelegten alleeartigen Wegeachsen und Baumalleen ablesbar – ein gestalterisches Erbe, das den Friedhof zugleich zur Parkanlage und zum Lernort macht.

Mit der Eröffnung wurde auch das sandsteingemauerte Mausoleum mit unterirdischen Grüften in Betrieb genommen, das bis heute das Zentrum des historischen Teils bildet. Die alte Friedhofskapelle am heutigen Halit-Platz wurde 1943 durch einen Bombenangriff zerstört und 1950 abgerissen; die 1926 errichtete Ersatzkapelle am Ende der Karolinenstraße erlitt dasselbe Schicksal und wurde in den 1950er Jahren auf den alten Grundrissen wieder errichtet. Im Jahr 2000 entstand auf dem Wirtschaftshof ein neues Krematorium, 2005 folgte die Sanierung des Verwaltungsgebäudes.

wenig bekannte Besonderheit Der Hauptfriedhof ist nicht nur Ruhestätte – er trägt seit 2017 den Umweltpreis der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Über 80 Gehölzarten sind kartiert, ein eigenes Baumkataster im Aufbau, Regenwasser-Zisternen versorgen die Bewässerung, alte Grabsteine werden recycelt. Im Volksbund-Lernprojekt „Mit dem Tablet in die Vergangenheit“ erkunden Schülerinnen und Schüler mit der App Actionbound die drei Kriegsgräberfelder: 617 Wehrmachtsoldaten und Angehörige der Waffen-SS in Gräberfeld I, 283 Kriegsgefangene und Zwangsarbeitskräfte aus verschiedenen Ländern Europas in Gräberfeld III. Insgesamt liegen auf 13 Kasseler Friedhöfen 11.180 Tote beider Weltkriege; die größten Kriegsgräberstätten finden sich auf dem Hauptfriedhof, in Bettenhausen und Rothenditmold.

Prominente Bestattete bzw. Ehrengräber auf dem Hauptfriedhof (Auswahl, 40 der 71 stadtgepflegten Ehrengräber liegen hier):

  • Louis Spohr (1784–1859) – Komponist, Geiger, Hofkapellmeister in Kassel
  • Ludwig Emil Grimm (1790–1863) – Maler, Radierer, jüngerer Bruder von Jacob und Wilhelm Grimm, gestorben in Kassel an einer Lungenentzündung – Abt. 4, Nr. 16
  • Carl Friedrich Grimm (1787–1852) – älterer Bruder der Brüder Grimm, Ehrengrabbeschilderung 2017 ergänzt
  • Arnold Bode (1900–1977) – Maler, Architekt, Gründer der documenta
  • Philipp Scheidemann (1865–1939) – Reichsministerpräsident, rief 1918 die Republik aus
  • Familie Henschel – Industriellendynastie (Lokomotiv- und Maschinenbau) – Abt. 6, Nr. 82–85
  • Sylvester Jordan (1792–1861) – Jurist, Verfassungsvater des Kurfürstentums Hessen – Abt. 7, Nr. 38
  • Karl Hassenpflug (1824–1890) – Bildhauer
  • Elisabeth Knipping (1864–1937) – Pädagogin, Namensgeberin der Knipping-Schule – Abt. 6, Nr. 282
  • Gustav Kaupert (1819–1897) – Bildhauer, Schöpfer zahlreicher Kasseler Skulpturen – Abt. 5, Nr. 301

Altstädter Friedhof am Lutherplatz

Lutherplatz, 34117 Kassel · Innenstadt · Belegung 1561–1843 (letzte Beisetzung 30. Juni 1843) · Heute öffentliche Parkanlage

Der Altstädter Friedhof zählt zu den ältesten erhaltenen Sepulkraldenkmälern Hessens. Über knapp drei Jahrhunderte – von 1561 bis 1843 – war er der Hauptfriedhof der Kasseler Altstadt und lag damals außerhalb der Stadtmauern. Mit der letzten Beisetzung am 30. Juni 1843 wurde er geschlossen und durch den neuen Hauptfriedhof am Tannenheckerweg ersetzt. Heute trägt der Platz nach der dort später errichteten Lutherkirche den Namen Lutherplatz und bildet neben Friedrichs- und Königsplatz eine der drei großen freien Flächen der Kasseler Innenstadt.

Für seinen reichen Baumbestand erhielt der Platz 1988 den Umweltpreis der Stadt Kassel; im Volksmund heißt er „Grüne Lunge“. Viele der schönsten steinernen Grabmäler sind im Bestand des Museums für Sepulkralkultur eingelagert, um sie vor weiteren Witterungsschäden zu bewahren. Sechs Ehrengräber der Stadt liegen heute noch sichtbar auf dem Lutherplatz, ergänzt durch das auffällige Reichenbach-Grab mit vier Bronze-Engeln von Werner Henschel – eines der schönsten deutschen Kindergräber, gelegen gegenüber dem Eingang an der Spohrstraße.

wenig bekannte Besonderheit Die Stadt hat 2017 in Kooperation mit der Brüder-Grimm-Stiftungsprofessur der Universität Kassel alle sechs erhaltenen Grimm-Gräber mit beschrifteten Stelen markiert und einen Lageplan publiziert. Damit ist der Altstädter Friedhof eine begehbare Familienchronik der Brüder Grimm: Ehrengrab der Mutter Dorothea Grimm, Grab der Schwester Lotte Hassenpflug (mit einem von Ludwig Emil Grimm gestalteten Engel), Grab der Tante Henriette Philippine Zimmer (bei der die jungen Grimms wohnten) und das Grab des früh verstorbenen Sohnes Jacob von Wilhelm Grimm – letztere beide ohne erhaltenen Grabstein. Die übrigen Grimm-Gräber liegen auf dem Hauptfriedhof. Im benachbarten Museum für Sepulkralkultur (Weinbergstraße 25–27) befinden sich viele originale Grabmäler in konservierter Form.

Prominente Bestattete (Auswahl):

  • Dorothea Grimm geb. Zimmer (1755–1808) – Mutter der Brüder Grimm, Ehrengrab der Stadt Kassel
  • Charlotte (Lotte) Amalie Hassenpflug geb. Grimm (1793–1833) – Schwester der Brüder Grimm
  • Henriette Philippine Zimmer (1748–1815) – Tante, bei der die jungen Grimms wohnten (Grab ohne Stein)
  • Jacob Grimm – Sohn von Wilhelm Grimm, früh verstorben (Grab ohne Stein)
  • Familie Reichenbach – Kindergrabmal mit vier Bronze-Engeln, Schöpfer Werner Henschel
  • Ludwig Hassenpflug – Jurist, Schwager der Brüder Grimm

Friedhof Wehlheiden

Friedenstraße 53/55, 34121 Kassel · Stadtteil Wehlheiden · Eröffnet 3. April 1833 · Denkmalgeschützte Gesamtanlage

Wehlheiden ist der größte Stadtteilfriedhof Kassels und nach dem Hauptfriedhof der zweitgrößte Friedhof der Stadt. Die Sternbergstraße teilt ihn in zwei Hälften: südlich liegt der „neue Friedhof“, der 1833 eröffnet und anschließend mehrfach erweitert wurde; nördlich der alte Teil an der Friedenstraße mit der im Fachwerkstil errichteten Kapelle (60 Sitzplätze). Am Eingang Friedenstraße steht ein breitgelagerter Sandstein mit der Inschrift „Dieser Gottesacker wurde angelegt unter dem zeitigen Greben Nicolaus Kersten und eingeweiht von dem Pfarrer Gottfried Fenner am 3. April 1833“ – Eröffnungsdatum bis auf den Tag dokumentiert.

Der Friedhof ist als Gesamtanlage aus geschichtlichen Gründen denkmalgeschützt; einzelne Grabsteine und der Friedhofsbrunnen genießen darüber hinaus künstlerischen Denkmalschutz. Die schutz- und erhaltenswürdigen Steine stammen überwiegend aus Gründerzeit, 1920er und 1930er Jahren, vereinzelt aus den 1950er Jahren. Acht der 71 städtischen Ehrengräber liegen hier. Eine Besonderheit der Gebührensatzung: Für die Bestattung von Diakonissen wird auf dem Wehlheider Friedhof nach Ziffer 5.1.6 eine reduzierte Gebühr von 1.335,00 Euro erhoben – ein Relikt der jahrhundertealten Verbindung zur evangelischen Trägerschaft.

wenig bekannte Besonderheit Am Karfreitag, 30. März 1945 – fünf Tage vor der Befreiung Kassels durch die US-Armee – erschoss ein Kommando der Kasseler Gestapo zwölf Gefangene aus dem Zuchthaus Wehlheiden auf dem Friedhof und verscharrte sie in einem Massengrab. Nur acht der zwölf Namen sind bekannt, von drei Männern existieren Biografien – darunter Wolfgang Schönfeld, dem zuvor die Flucht aus dem KZ Auschwitz gelungen war und der unmittelbar vor Kriegsende ergriffen wurde. Seit 1985 organisiert der Ortsbeirat Wehlheiden jedes Jahr am Karfreitag eine Gedenkveranstaltung am eigens errichteten Gedenkstein. Eine Stolperschwelle an der JVA Wehlheiden ergänzt das Gedenken; die zugehörige Gedenksäule befindet sich nicht im städtischen Eigentum, sondern wird von der Arbeitsgemeinschaft Wehlheiden verwaltet.

Prominente Bestattete (Ehrengräber, Auswahl):

  • Franz Treller (1839–1908) – Schriftsteller, Schauspieler, Chefredakteur der Kasseler Allgemeinen Zeitung, Kasseler Mundartautor
  • Kurt Kersten (1891–1962) – Schriftsteller und Publizist – Abt. 5, Nr. 15
  • Georg Rexerodt (1851–1928) – Kasseler Persönlichkeit
  • Paul Nagel (1871–1951)
  • Friedrich Fennel – Abt. 16, Nr. 10
  • Wolfgang Schönfeld (1917–1945) – Gestapo-Mordopfer Karfreitag 1945, Auschwitz-Flüchtling

Westfriedhof Kassel

Heinrich-Schütz-Allee 211, 34134 Kassel · Stadtteil Dönche · Eröffnet 1970 · Muslimisches Gräberfeld seit 1986

Der Westfriedhof ist der jüngere der beiden Großfriedhöfe Kassels und entstand 1970 in der Dönche, einem heute als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Areal am westlichen Stadtrand. Anlass für die Neuanlage war die absehbare Kapazitätserschöpfung des Hauptfriedhofs Ende der 1960er Jahre. Der Westfriedhof verfügt über eine eigene Friedhofskapelle, einen Abschiedsraum sowie – einzigartig im Kasseler Friedhofsverbund – einen Raum für rituelle Waschungen, dessen Nutzung nach Ziffer 10.9 der Gebührensatzung 435,00 Euro je Fall kostet. Die Friedhofsverwaltung ist montags bis freitags von 9 bis 15:30 Uhr besetzt.

Eine Besonderheit ist das parkartig gestaltete Wahlgrabfeld in den Abteilungen 6 und 11 mit doppelter Grundfläche, das nach der Gebührensatzung 9.06.09 bei 30-jähriger Nutzungszeit 4.032,00 Euro je Stelle kostet – die teuerste Wahlgrabvariante außerhalb des Mausoleums. Auch Friedpark-Wahlgrabstätten werden auf dem Westfriedhof angeboten; sie verbinden klassische Erdbestattung mit pflegefreier Gestaltung.

wenig bekannte Besonderheit Seit 1986 verfügt der Westfriedhof über ein eigenes muslimisches Gräberfeld, dessen Ausrichtung nach Mekka ursprünglich durch einen Geistlichen vorgenommen wurde. Seit 2014 sind dort sarglose Bestattungen aus religiösen Gründen ausdrücklich zulässig – eine Ausnahme nach § 18 Abs. 2 FBG. Stand Mai 2026 sind rund 570 Muslime bestattet, bei jährlich mindestens 69 weiteren Beisetzungen; der Friedhofsleiter Eckehart Göritz bestätigte erreichte Kapazitätsgrenzen. Ab Juni 2026 werden deshalb neue, ebenfalls nach Mekka ausgerichtete Flächen auf dem Hauptfriedhof bereitgestellt. Eine Abstimmung mit 17 muslimischen Vereinen aus Kassel erfolgte vorab. Die rituelle Waschung kann auf dem Westfriedhof vor Ort, auf dem Hauptfriedhof vorerst in nahe gelegenen Moscheen erfolgen.

Gebührenrelevante Besonderheiten des Westfriedhofs:

  • Bestattung islamisches Gräberfeld ohne Träger – 1.654,00 Euro (Ziffer 5.3.1)
  • Raum für rituelle Waschung inkl. Entsorgung – 435,00 Euro je Fall (Ziffer 10.9)
  • Parkartige Wahlgrabstätte Abt. 6 und 11, 30 Jahre, doppelte Grundfläche – 4.032,00 Euro je Stelle (gemäß Gebührensatzung 9.06.09, Abteilung 6+11)
  • Friedpark-Wahlgrabstätte, 30 Jahre, eine Stelle – 4.032,00 Euro (gemäß Gebührensatzung 9.06.09)

Jüdischer Friedhof Kassel-Bettenhausen (Alt und Neu)

Fasanenweg / Eichwaldstraße, 34123 Kassel · Stadtteil Bettenhausen · Alter Teil angelegt um 1630 · Neuer Teil seit 1932 · Gesamtfläche ca. 20.000 m²

Auf dem Westsporn des Eichbergs zwischen Bettenhausen und dem Eichwald liegt einer der bedeutendsten erhaltenen jüdischen Friedhöfe Hessens. Der alte Teil wurde während des Dreißigjährigen Krieges um 1630 angelegt und diente nicht nur den jüdischen Gemeinden Kassels und Bettenhausens, sondern auch zahlreicher umliegender Ortschaften. Bis zum Untergang der jüdischen Gemeinde durch die nationalsozialistische Verfolgung waren die Gräber von 1650 bis 1850 nahezu vollständig erhalten. Die Anlage gilt heute als wildromantischer Park, in dem Efeu und Bodendecker bewusst nicht zurückgeschnitten werden – jüdischem Brauch entsprechend.

Der Neue Jüdische Friedhof wurde 1932 schräg gegenüber dem kommunalen Bettenhäuser Friedhof in Benutzung genommen und wird bis heute belegt. Die Jüdische Gemeinde Kassel zählt rund 1.000 Mitglieder und ist die zweitgrößte Hessens. Während des Zweiten Weltkriegs wurden im mittleren Teil ohne Steinsetzung Beerdigungen russischer und polnischer Zwangsarbeiter durchgeführt. Nach Kriegsende errichteten Überlebende aus Konzentrationslagern ein Denkmal zur Erinnerung an die Ermordeten der Schoah. Insgesamt umfasst die Anlage etwa 3.000 Grabstätten.

Für Bestattungen auf dem Jüdischen Friedhof Bettenhausen gilt nach Ziffer 5.3.2 der Gebührensatzung 2024 ein gesonderter Tarif von 2.092,00 Euro – damit ist die Beisetzung in die städtische Gebührenordnung eingebunden, ohne den jüdischen Charakter der Anlage zu berühren. Der Neue Jüdische Friedhof bleibt aktiver Beisetzungsort; der Alte Jüdische Friedhof wird durch die Friedhofsverwaltung der Stadt Kassel instand gehalten.

wenig bekannte Besonderheit Auf den Grabsteinen finden sich noch heute die Namen jüdischer Kasseler Familien, die das Bürgertum der Stadt über sieben Generationen prägten: Aschrott, Goldschmidt, Wallach, Hallo, Hoffa, Gottschalk, Rosenzweig. Zwei dieser Gräber sind als Ehrengräber denkmalgepflegt: Sarah Nußbaum, Stifterin und Gemeindepatronin, sowie Meier Bär Mond. Mehrere Grabsteine zeigen bis heute Einschusslöcher aus der NS-Zeit – stehengelassen als stilles Mahnmal. In Nordhessen sind nach Angaben des Regierungspräsidiums 101 jüdische Friedhöfe erhalten; die Pflege obliegt den Kommunen, 2010 standen dafür 369.500 Euro zur Verfügung.

Prominente Bestattete (Ehrengräber und historisch bedeutende Persönlichkeiten):

  • Sarah Nußbaum – Ehrengrab der Stadt Kassel, Gemeindepatronin
  • Meier Bär Mond – Ehrengrab der Stadt Kassel
  • Dr. Lucius Liffmann (1772–1803) – erster praktischer jüdischer Arzt in Kassel
  • Dr. Jakob Pinhas – Herausgeber der „Casselschen Allgemeinen Zeitung“
  • Felix Blumenfeld – Ehrengrab, Abt. 20, Nr. 37–38
  • Rudolf Hallo – Ehrengrab, Abt. 28, Nr. 7 und 8
  • Ludwig Mond – Industrieller, Namensgeber der Ludwig-Mond-Straße

Krematorium Kassel

Das KF Krematorium Kassel auf dem Wirtschaftshof des Hauptfriedhofs wurde im Jahr 2000 in Betrieb genommen und ersetzte die im Zweiten Weltkrieg zerstörte und nicht baugleich wiederaufgebaute Krematoriumsanlage von 1926. Es ist die einzige Feuerbestattungsanlage in der Stadt Kassel und versorgt zusätzlich Teile Nordhessens. Die letzte öffentlich dokumentierte Quote der Urnenbeisetzungen in Kassel lag bei rund 65 Prozent (Mitteilung der Friedhofsverwaltung Kassel, 2015, dokumentiert im Reisebericht der Hamburger Friedhofs-Exkursion); eine aktualisierte amtliche Zahl wurde von der Friedhofsverwaltung seither nicht öffentlich kommuniziert. Im Bundesdurchschnitt lag der Feuerbestattungsanteil 2024 deutlich höher; ob Kassel diesem Trend gefolgt ist, lässt sich ohne neuere Erhebung nicht verifizieren.

Die Gebühr für eine Trauerfeier mit Urnenbeisetzung nach Einäscherung in Kassel beträgt nach Ziffer 6.1.1 der Gebührensatzung 1.089,00 Euro. Eine reine Urnenbeisetzung ohne Trauerhalle nach Einäscherung in Kassel kostet 441,00 Euro (Ziffer 6.4.1). Wer eine Trauerfeier ohne anschließende Beisetzung wünscht – etwa weil die Beisetzung später, im Familiengrab andernorts oder als Seebestattung erfolgen soll – zahlt 547,00 Euro für die Trauerhalle bzw. 402,00 Euro für den kleinen Trauerraum (Ziffern 6.3.5 und 6.3.6). Wird der Verstorbene außerhalb Kassels eingeäschert und nur die Urnenfeier in Kassel ausgerichtet, fällt eine etwas höhere Gebühr von 1.025,50 Euro (Trauerhalle) bzw. 880,50 Euro (kleiner Trauerraum) an. Führungen durch das Krematorium gehören zum offiziellen kulturellen Programm der Friedhofsverwaltung und finden mehrfach jährlich statt.

Bestattungskosten in Kassel

Die Gebührensatzung 9.06.09 – beschlossen vom Friedhofsausschuss am 22. Februar 2024, in Kraft getreten am 2. März 2024, mehrfach geändert (zuletzt Beschluss 22. August 2025, in Kraft seit 6. Dezember 2025) – regelt jede gebührenpflichtige Leistung der Friedhofsverwaltung. Die Beträge sind verbindlich für alle 15 Friedhöfe und werden in Härtefällen nach Abschnitt III.3 der Satzung ermäßigt oder erlassen. Wichtig: Diese Gebühren decken nur die Friedhofsleistungen ab; Honorare des Bestattungsunternehmens, Sarg- oder Urnenkosten, Trauerdrucksachen, Blumen und Steinmetzarbeiten kommen separat hinzu.

Auszug aus der Friedhofsgebührensatzung 2024

Leistung (Ziffer Gebührensatzung)Gebühr
Wahlgrabstätte, 30 Jahre Nutzungsrecht, 1 Stelle (1.1)1.908,00 €
Reihengrabstätte, 20 Jahre Ruhezeit (1.4)870,00 €
Friedpark-Wahlgrabstätte, 30 Jahre, 1 Stelle4.032,00 €
Parkartige Wahlgrabstätte Abt. 6+11, 30 Jahre, doppelte Grundfläche4.032,00 €
Ruhewald-Hauptfriedhof, 2 Urnen, 25 Jahre (2.9.2)2.046,00 €
Urnenwahlgrab als Baumgrab, 2 Urnen, 25 Jahre (2.3.1)2.344,00 €
Urnenreihengrab, 20 Jahre (2.6)1.591,00 €
Anonyme Urnenreihengrabstätte (2.7)1.092,00 €
Urnengemeinschaftsanlage inkl. Pflege und namentlicher Kennzeichnung (2.8)1.712,00 €
Erdbestattung mit Trauerfeier in der Trauerhalle, Wahlgrab (5.1.1)2.107,00 €
Erdbestattung in Reihengrab mit Trauerfeier (5.2.1)2.327,00 €
Bestattung Jüdischer Friedhof Bettenhausen (5.3.2)2.092,00 €
Bestattung islamisches Gräberfeld Westfriedhof, ohne Träger (5.3.1)1.654,00 €
Trauerfeier mit Urnenbeisetzung nach Einäscherung Kassel (6.1.1)1.089,00 €
Urnenbeisetzung ohne Trauerhalle nach Einäscherung Kassel (6.4.1)441,00 €
Genehmigung Grabzeichen / Einfassung (8.1)85,50 €
Gruft im Mausoleum, 50 Jahre, Raum für 6 Sargbestattungen (1.3)37.980,00 €

Quelle: Stadt Kassel, Gebührensatzung 9.06.09 in der Fassung der Zweiten Änderung vom 22.08.2025 (in Kraft seit 06.12.2025). Alle Beträge inkl. gesetzlicher Mehrwertsteuer, soweit nicht ausdrücklich anders ausgewiesen.

Realistische Gesamtkostenspanne

Eine vollständige Bestattung in Kassel kostet je nach Bestattungsart und gewähltem Bestattungshaus zwischen rund 3.500 Euro (einfache Feuerbestattung mit anonymem Urnenreihengrab ohne Trauerfeier) und etwa 9.000 Euro (Erdbestattung in Wahlgrabstätte mit Trauerfeier, ortsübliche Bestatterleistung und Grabmal). Eine pflegefreie Variante im Ruhewald oder als Baumgrab liegt typischerweise zwischen 4.500 und 6.500 Euro inklusive Bestatter. Die Ausgrabungs- und Umbettungsgebühren (Ziffern 7.1 bis 7.13) reichen von 179,00 Euro für eine Urnenausgrabung bis 1.416,00 Euro für die Ausgrabung einer Leiche vor Ablauf der Ruhezeit.

Tipp: Die jährliche Gebühr für Rasenschnitt auf Wahlgrabflächen mit besonderen Gestaltungsvorschriften (Ziffer 4.1) beträgt für eine Stelle 36,20 Euro, für zwei Stellen 61,20 Euro. Wer ein Friedparkgrab wählt, zahlt diese Pflege nicht separat – sie ist in der höheren Nutzungsgebühr enthalten. Bei einem 30-Jahres-Horizont können hier mehrere hundert Euro Unterschied entstehen. Für Memoriam-Gärten ist nach § 18 der Friedhofssatzung ein Dauergrabpflegevertrag mit der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Hessen-Thüringen GmbH zwingend.
Was kostet die Bestattung konkret? Berechne deinen Kostenrahmen mit anonymer Eingabe in zwei Minuten: → Bestattungskosten-Rechner. Vergleicht Erd-, Feuer- und Seebestattung mit aktuellen Friedhofsgebühren und Bestatterleistungen. Hast Du schon ein konkretes Angebot oder eine Rechnung? Mit dem → Angebotsprüfer prüfst Du in 3 Minuten mit Ampel, ob Preis und Posten plausibel sind.

Was nach einem Todesfall in Kassel zu tun ist

Die ersten 48 bis 240 Stunden nach einem Todesfall folgen in Kassel einer klar geregelten Abfolge. Angehörige müssen nicht alles selbst erledigen – das beauftragte Bestattungsunternehmen übernimmt in der Regel die Behördengänge und stimmt sich mit Friedhofsverwaltung und Krematorium ab. Die folgenden Schritte sollten dennoch bekannt sein:

  1. Ärztliche Leichenschau veranlassen. Nach § 10 FBG ist eine Ärztin oder ein Arzt unverzüglich zu rufen, der die Leichenschau durchführt und den Leichenschauschein ausstellt. Bei Tod im Krankenhaus oder Pflegeheim übernimmt dies das hauseigene Personal.
  2. Bestattungsunternehmen beauftragen. Die Überführung darf nur durch befugte Bestatter erfolgen. Kassel verfügt über mehrere etablierte Bestatter, teils mit mehrgenerationaler Tradition seit den 1920er Jahren (siehe nächster Abschnitt).
  3. Sterbefall beim Standesamt anzeigen. Nach § 28 Personenstandsgesetz spätestens am dritten auf den Tod folgenden Werktag. Zuständig ist das Standesamt der Stadt Kassel im Rathaus, Obere Königsstraße 8, 34117 Kassel – im Regelfall durch den Bestatter. Telefonzentrale Stadtverwaltung: 0561 115.
  4. Sterbeurkunde abholen. Sie ist Voraussetzung für Versicherungen, Renten, Krankenkasse und Bankgeschäfte. Mehrfach-Ausfertigungen einplanen (mindestens 5 bis 10 Stück).
  5. Friedhofsverwaltung kontaktieren. Tannenheckerweg 6, 34127 Kassel – Tel. 0561 98395-0. Hier werden Beisetzungstermin, Grabart, Trauerhalle und Trägerleistungen abgestimmt. Bei Stadtteilfriedhöfen erfolgen Grabverkauf und Kapellenvorbereitung über den jeweiligen Reviergärtner.
  6. Trauerfeier organisieren. Trauerhalle, Pfarrer oder Trauerredner, Musik, Trauerdrucksachen, Blumen und Bewirtung. Auf dem Hauptfriedhof stehen zwei Räumlichkeiten zur Verfügung: die große Trauerhalle und der kleine Trauerraum („kleine Kapelle“) mit unterschiedlichen Gebühren (Ziffern 5.1.1 vs. 5.1.2 der Gebührensatzung).
  7. Behördliche Abmeldungen. Krankenkasse, Rentenversicherung, Pflegekasse, Banken, Versicherungen, Vermieter, Versorger, Vereine, Bundesagentur für Arbeit. Eine vollständige Liste mit Fristen findet sich im Checkliste-Ratgeber.

Sozialbestattung in Kassel: § 74 SGB XII

Reicht der Nachlass nicht aus und ist auch den Bestattungspflichtigen die Kostentragung wirtschaftlich nicht zumutbar, übernimmt der örtliche Sozialhilfeträger nach § 74 SGB XII die erforderlichen Kosten der Bestattung. Die Norm setzt keinen laufenden Sozialhilfebezug voraus – entscheidend ist die individuelle Zumutbarkeitsprüfung.

Wer ist bestattungspflichtig in Hessen?

Die Reihenfolge der Bestattungspflichtigen regelt § 13 Hessisches Friedhofs- und Bestattungsgesetz (FBG): Ehegatte oder eingetragene Lebenspartnerin bzw. Lebenspartner, volljährige Kinder, Eltern, volljährige Geschwister, volljährige Enkel, Großeltern. Nur wer in dieser Rangfolge bestattungspflichtig ist, kann Antragsteller nach § 74 SGB XII sein. Die sozialhilferechtliche Kostentragungspflicht knüpft also unmittelbar an die landesrechtliche Bestattungspflicht aus dem FBG an.

Zuständiges Sozialamt: Stadt Kassel

Für Verstorbene mit letztem gewöhnlichem Aufenthalt im Stadtgebiet Kassel ist die Stadt Kassel als kreisfreie Stadt örtlicher Träger der Sozialhilfe (§ 3 Abs. 2 SGB XII). Anlaufstelle: Sozialamt der Stadt Kassel, Obere Königsstraße 8, 34117 Kassel (Rathaus), Telefon 0561 115 oder direkte Durchwahl 0561 787-1272 bzw. -1273, E-Mail sozialamt@kassel.de. Für Verstorbene mit Wohnsitz in den Umlandgemeinden ist hingegen der Landkreis Kassel zuständig (Kohlenstraße 132, 34121 Kassel, Telefon 0561 1003-1882).

Was wird übernommen?

Erstattet werden die ortsüblichen, einfachen, würdigen Bestattungskosten. In der Praxis typischerweise: einfacher Sarg oder Urne, Überführung im Stadtgebiet, Friedhofsgebühren für ein Reihengrab (kein Wahlgrab), bei Feuerbestattung die Einäscherung, eine schlichte Trauerfeier, Sterbeurkunden. Nicht übernommen werden in der Regel Grabmal, Trauerkaffee, Traueranzeigen, gehobener Blumenschmuck und Wahlgrabnutzungsrechte. Maßstab in Kassel ist die Erdbestattung im Reihengrab mit Trauerfeier nach Ziffer 5.2.1 der Gebührensatzung 2024 (2.327,00 Euro) bzw. die Urnenbeisetzung nach Einäscherung (Ziffern 6.1.1 und 6.4.1).

„Nicht zumutbar" – Leiturteil BSG B 8 SO 20/10 R

Das Bundessozialgericht hat mit Urteil vom 25. August 2011, Az. B 8 SO 20/10 R, die Maßstäbe für die Zumutbarkeit konkretisiert: Erforderlich ist eine Gesamtabwägung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der bestattungspflichtigen Person, der persönlichen Beziehung zum Verstorbenen und der konkreten Belastungssituation. Sozialhilfebezug ist keine Voraussetzung; eine bestehende Erwerbstätigkeit schließt Unzumutbarkeit nicht aus, wenn die Kosten die wirtschaftliche Existenz nachhaltig gefährden würden. Umgekehrt kann eine über Jahre nachweislich zerrüttete familiäre Beziehung die Unzumutbarkeit zusätzlich begründen.

Antragszeitpunkt: möglichst vor der Bestattung

Der Antrag sollte vor der Beauftragung des Bestatters beim Sozialamt eingereicht werden. Wer ohne vorherige Abstimmung ein teureres Paket beauftragt, riskiert, dass Mehrkosten gegenüber dem ortsüblichen Standard nicht erstattet werden. Eine nachträgliche Antragstellung ist nach der Rechtsprechung zwar grundsätzlich möglich; § 74 SGB XII enthält keine starre Ausschlussfrist, in der Verwaltungspraxis ist jedoch ein zeitnaher Antrag (Faustregel: innerhalb weniger Wochen nach Bestattung) zwingend. Beizufügen sind Kostenvoranschlag, Sterbeurkunde, Einkommens- und Vermögensnachweise des Antragstellers sowie ein Nachlassverzeichnis.

Tipp: Bei absehbar fehlender Leistungsfähigkeit vor Beauftragung kurz beim Sozialamt anfragen. Viele Kasseler Bestatter haben Routine mit § 74-Fällen und kalkulieren entsprechend.
Vorsorge-Tipp gegen Sozialbestattung: Eine Sterbegeldversicherung deckt die Bestattungskosten ab, damit Angehörige nicht in die § 74-Lage geraten. Vergleichsrechner für Tarife und Versicherungssummen: → Sterbegeldversicherung vergleichen (Check24). Hinweis: machsruhig verlinkt diesen Vergleich als Affiliate, der dabei verdiente Anteil finanziert die Redaktion — ohne Mehrkosten für Dich.

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Im Stadtgebiet Kassel (PLZ-Bereich 34117 bis 34134) sind nach Bundesverband-Deutscher-Bestatter-Verzeichnis und gewerblichen Branchenportalen rund 25 bis 30 Bestattungsunternehmen aktiv. Die etablierten Häuser unterscheiden sich weniger in der Gesetzeskonformität – die ist durch das FBG ohnehin durchgängig geregelt – als in Spezialisierungen, Preis-Leistungs-Verhältnis und Bestattungsphilosophie. Einige Häuser, etwa Holzapfel Bestattungen (seit 1927), arbeiten mehrgenerational und sind mit den örtlichen Gegebenheiten der einzelnen Stadtteilfriedhöfe und den Reviergärtnern persönlich vertraut. Für muslimische Bestattungen hat sich das Bestattungshaus von Ibrahim Taşdemir als spezialisierter Anbieter etabliert; nach eigenen Angaben finden inzwischen rund 80 Prozent seiner Bestattungen in Kassel und der Region statt – ein Hinweis darauf, dass die zweite und dritte Generation muslimischer Familien zunehmend in Deutschland und nicht im Herkunftsland bestattet wird.

Angehörige sollten zwingend mindestens zwei Kostenvoranschläge einholen; die Preisunterschiede zwischen vergleichbaren Leistungspaketen können nach Erfahrungswerten 1.500 Euro und mehr betragen.

Qualitäts-Indikatoren für Kasseler Bestatter

Für die Bestattungsvorsorge empfiehlt sich der Blick auf insolvenzsicheres Treuhandvermögen – etwa über die Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG oder die Treuhandstelle für Dauergrabpflege Hessen-Thüringen GmbH, mit der die Kasseler Friedhofsverwaltung nach § 18 der Friedhofssatzung für Memoriam-Gärten zusammenarbeitet. Vor Vertragsabschluss sollten Angehörige immer prüfen, wie das eingezahlte Vorsorgekapital konkret abgesichert ist.

Bestatter-Wahl in Kassel — Qualitätskriterien

Eine gesetzliche Pflicht zur Beauftragung eines bestimmten Bestatters besteht nicht. Wer eine Bestattung in Kassel organisiert, kann frei wählen — und sollte das auch nutzen, weil die Preisspannen zwischen Bestattungsunternehmen erheblich sind. Sechs Kriterien helfen bei der Auswahl:

Tipp: Notiere Dir vor dem ersten Bestatter-Gespräch die wichtigsten Eckdaten (gewünschte Bestattungsart, Friedhof, Trauerfeier-Wünsche, Budget-Rahmen). Das macht den Vergleich der Angebote belastbarer und schützt vor Aufschlägen für Leistungen, die nicht benötigt werden. Alle Bestattungsformen im Überblick: Bestattungsarten; Kosten-Korridor: Bestattungskosten in Deutschland.

Unverbindliche Anfrage an einen Bestatter in Kassel

Diese Anfrage ist ein Vermittlungsangebot und unabhängig vom Transparenz-Partner-Status. Transparenz Partner legen ihre Preisstruktur nach öffentlichen Kriterien offen; Vermittlungspartner können Anfragen erhalten. Ein Bestatter kann beides sein, muss es aber nicht.

Wenn in Deiner Region ein passender Vermittlungspartner verfügbar ist, leiten wir Deine Anfrage weiter. Falls nicht, sagen wir Dir das offen. Es entsteht kein Vertrag, kein Newsletter und kein Verkaufsdruck. Eine mögliche Vermittlungsvergütung betrifft nur weitergeleitete Anfragen — nicht die Aufnahme als Transparenz Partner, nicht die Sichtbarkeit und nicht die Reihenfolge im Verzeichnis.

Wichtig zur Einordnung

Transparenz Partner legt Preisbeispiele nach öffentlichen Kriterien offen — kostenlos, nicht käuflich, kein Qualitätsurteil.

Vermittlungspartner kann auf Wunsch eine Anfrage erhalten — eine Vergütung kann nur hier entstehen.

Redaktionelle Inhalte bleiben unabhängig — kein Anbieter kann Platzierungen oder Empfehlungen kaufen.

Wir leiten Deine Anfrage spamfrei weiter — sofern in Deiner Region ein passender Vermittlungspartner vorhanden ist. Kein automatischer Vertrag, kein Newsletter ohne Einwilligung.

Häufige Fragen zur Bestattung in Kassel

Wer ist Träger der Friedhöfe in Kassel?

Friedhofsträger aller 15 Kasseler Friedhöfe ist nach § 1 der Friedhofssatzung 9.06.08 der Evangelische Stadtkirchenkreis Kassel. Diese Konstellation ist nach § 30 in Verbindung mit § 2 FBG zulässig. Die Verwaltung obliegt einem paritätisch aus Vertretern der Stadt Kassel und des Stadtkirchenkreises besetzten Friedhofsausschuss, der nach Artikel 37 Abs. 2 der Grundordnung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck Friedhofs- und Gebührensatzung beschließt. Kommunale Friedhöfe im üblichen Sinn gibt es in Kassel nicht – das Beisetzungsrecht gilt aber ohne Unterschied der Konfession.

Was kostet eine Erdbestattung auf einem Kasseler Friedhof?

Eine Erdbestattung in einer Wahlgrabstätte mit Trauerfeier in der Trauerhalle kostet laut Ziffer 5.1.1 der Gebührensatzung 2024 (Stand 22.08.2025) 2.107,00 Euro. Hinzu kommt die Nutzungsrechtsgebühr nach Ziffer 1.1 von 1.908,00 Euro für 30 Jahre, eine Stelle. In Summe liegen die reinen Friedhofsgebühren bei rund 4.015 Euro – ohne Bestatterleistung, Sarg, Grabmal, Trauerdrucksachen und Blumen.

Wie lang ist die Ruhezeit auf Kasseler Friedhöfen?

Für Reihengrabstätten gilt eine 20-jährige Ruhezeit (Ziffer 1.4 Gebührensatzung). Bei Kinderreihengräbern bis zum 5. Lebensjahr sind es 15 Jahre, bei Kinderreihengräbern bis zum 3. Lebensmonat 10 Jahre. Wahlgrabstätten werden mit einem 30-jährigen Nutzungsrecht verliehen, das nach Ablauf erneuert werden kann; Grüfte im Mausoleum 50 Jahre. Für eine Verlängerung abgelaufener Reihengräber gibt es eine Ausnahmeregelung über einmalig 5 Jahre für 217,50 Euro (Ziffer 10.17).

Welche Bestattungsfrist gilt in Hessen?

Nach dem novellierten hessischen Friedhofs- und Bestattungsgesetz (FBG), beschlossen am 30. September 2025 in zweiter Lesung, gilt eine Mindestfrist von 48 Stunden und eine Höchstfrist von 10 Tagen nach Eintritt des Todes (§ 16 Abs. 1 FBG). Die Höchstfrist wurde von der zuvor geltenden 96-Stunden-Frist (vier Tage) auf zehn Tage verlängert, um Angehörigen mehr Zeit für Organisation und Anreise zu geben. Die neue Regelung gilt für Erd- und Feuerbestattung gleichermaßen (Hessische Landesregierung, Pressemitteilung vom 30.09.2025).

Wo erhalte ich die Sterbeurkunde in Kassel?

Zuständig ist das Standesamt der Stadt Kassel im Rathaus, Obere Königsstraße 8, 34117 Kassel, telefonisch erreichbar unter 0561 115. Der Todesfall ist nach § 28 PStG spätestens am dritten auf den Tod folgenden Werktag anzuzeigen. In der Regel übernimmt das beauftragte Bestattungsunternehmen die Anmeldung und reicht den nichtvertraulichen Teil des Leichenschauscheins ein.

Gibt es in Kassel anonyme oder pflegefreie Gräber?

Ja, in mehreren Varianten. Anonyme Urnenreihengrabstätten kosten 1.092,00 Euro (Ziffer 2.7). Pflegefreie Alternativen umfassen Rasenwahlgräber, Friedparkgräber auf Hauptfriedhof, Westfriedhof und mehreren Stadtteilfriedhöfen, Baumgräber, Urnengemeinschaftsanlagen, Memoriam-Gärten mit Pflicht-Pflegevertrag bei der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Hessen-Thüringen GmbH sowie der Ruhewald-Hauptfriedhof. Im Ruhewald liegen die Gebühren je nach Stellenanzahl und Liegezeit zwischen 1.636,00 und 6.474,00 Euro.

Welche Friedhöfe in Kassel sind denkmalgeschützt?

Der Friedhof Wehlheiden ist als Gesamtanlage aus geschichtlichen Gründen denkmalgeschützt; einzelne Grabsteine und der Friedhofsbrunnen stehen darüber hinaus unter künstlerischem Denkmalschutz. Der Alte Jüdische Friedhof in Bettenhausen ist ebenfalls Denkmal. Der Altstädter Friedhof am Lutherplatz gilt als einer der letzten Überreste der urbanen Kasseler Stadtkultur und ist von besonderer kulturhistorischer Bedeutung; viele Grabmäler befinden sich heute im Bestand des Museums für Sepulkralkultur.

Sind muslimische Bestattungen in Kassel möglich?

Ja. Seit 1986 existiert auf dem Westfriedhof Kassel ein nach Mekka ausgerichtetes muslimisches Gräberfeld; seit 2014 sind dort sarglose Bestattungen aus religiösen Gründen zulässig. Stand 2026 sind rund 570 Muslime bestattet, bei jährlich mindestens 69 weiteren Beisetzungen. Aufgrund erreichter Kapazitätsgrenzen werden ab Juni 2026 zusätzliche Flächen auf dem Hauptfriedhof bereitgestellt. Die Gebühr für eine Bestattung auf dem islamischen Gräberfeld beträgt 1.654,00 Euro (Ziffer 5.3.1); für die Nutzung des Raums für rituelle Waschungen werden 435,00 Euro je Fall berechnet (Ziffer 10.9).

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