Bestattung in Bielefeld: Friedhöfe, Kosten und Bestatter-Wahl
Bielefeld unterhält über den Umweltbetrieb 19 kommunale Friedhöfe mit zusammen rund 200 Hektar Fläche — vom 98 Hektar großen Sennefriedhof, einem der größten Waldfriedhöfe Deutschlands, bis zum 0,7 Hektar kleinen Friedhof Lämershagen. Hinzu kommen elf kirchliche und jüdische Friedhöfe sowie das eigenständige Friedhofs-Ensemble der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel im Stadtbezirk Gadderbaum.
Direkt zur passenden Hilfe — die Details zu Friedhöfen und Kosten in Bielefeld findest du darunter.
Kernfakten Bielefeld
- Bundesland: Nordrhein-Westfalen
- Träger städtische Friedhöfe: Umweltbetrieb der Stadt
- Anzahl kommunale Friedhöfe: 19
- Gesamtfläche: rund 200 Hektar
- Größter Friedhof: Sennefriedhof (98 ha)
- Kleinster Friedhof: Lämershagen (0,7 ha)
- Weitere Träger: 11 Friedhöfe (Kirchen, jüd. Gemeinde, Bethel)
- Friedhofsverwaltung: Am Stadtholz 24, 33609 Bielefeld
- Standesamt: Niederwall 23, 33602 Bielefeld
- Gebührensatzung: Fassung vom 04.07.2024
- Anschrift
- Am Stadtholz 24, 33609 Bielefeld
- Telefon
- 0521 51-0 (Zentrale)
- friedhofsverwaltung@bielefeld.de
- Öffnungszeiten
- Mo–Do 8:30–12:00 und 14:00–15:30 Uhr, Fr 8:30–12:30 Uhr
- Zuständig für
- alle 19 kommunalen Friedhöfe, Erwerb und Verlängerung von Nutzungsrechten, Grabmal-Genehmigungen
Bestattungsrecht in Bielefeld — kurz gefasst
Bestattungsrecht ist Ländersache. In Bielefeld gilt deshalb das Bestattungsgesetz Nordrhein-Westfalen (BestG NRW) mit den landesweit einheitlichen Regelungen zu Bestattungspflicht, Friedhofszwang, Sargpflicht, Fristen und Leichenschau. Den ausführlichen Leitfaden mit allen §-Verweisen und Sonderfällen stellt die Bundesland-Seite bereit: Bestattung in Nordrhein-Westfalen. Vier Vorschriften strukturieren den Ablauf in Bielefeld konkret:
- § 9 BestG NRW ordnet die Leichenschau durch eine Ärztin oder einen Arzt unverzüglich nach dem Tod an; sie ist Voraussetzung für die Ausstellung der Todesbescheinigung.
- § 13 BestG NRW legt die Bestattungsfristen fest: Erdbestattung frühestens 24 Stunden, spätestens innerhalb von zehn Tagen nach dem Tod; für die Einäscherung gilt dieselbe Höchstfrist, die Aschebeisetzung innerhalb von sechs Wochen.
- § 14 BestG NRW regelt den Friedhofszwang (Erd- und Aschebeisetzung auf einem Friedhof). Die Sargpflicht bei Erdbestattung ergibt sich aus der Friedhofssatzung (eine eigene gesetzliche Sargpflicht-Norm wurde 2003 gestrichen); sarglose Bestattungen aus religiösen Gründen sind nach der jeweiligen Satzung möglich.
- § 15 BestG NRW verlangt vor jeder Feuerbestattung eine zweite Leichenschau durch eine vom Gesundheitsamt bestellte Ärztin oder einen Arzt vor Ort im Krematorium.
Stadt-spezifisch sind in Bielefeld die Friedhofssatzung und die Friedhofsgebührensatzung. Beide Satzungen wurden zuletzt am 4. Juli 2024 in Kraft gesetzt und gelten gleichermaßen für alle 19 kommunalen Friedhöfe — die früher getrennte Satzung für den Sennefriedhof ist seit der Harmonisierung im Frühjahr 2020 mit der allgemeinen Friedhofssatzung zusammengeführt. Die Volltexte stellt die Stadt bereit: Friedhofssatzung und Gebührensatzung.
Die Ruhezeiten regelt die Friedhofssatzung pro Grabart. In Bielefeld gilt: 25 Jahre für Erdbestattungen Erwachsener, 20 Jahre für Erdbestattungen von Kindern bis zur Vollendung des siebten Lebensjahres, 20 Jahre für Urnenbeisetzungen (Reihen- und Wahlgrab). An einer Wahlgrabstätte lässt sich die Ruhezeit durch Verlängerung des Nutzungsrechts über das Mindestmaß hinaus erweitern; Reihengräber sind in ihrer Dauer auf die Ruhezeit begrenzt und können nicht verlängert werden.
Friedhöfe in Bielefeld
Sennefriedhof — Waldfriedhof in der Heidelandschaft, Leitfriedhof der Stadt
Der Sennefriedhof an der Brackweder Straße 80 wurde am 15. August 1912 vom damaligen Oberbürgermeister Rudolf Stapenhorst eröffnet, weil die drei innerstädtischen Friedhöfe für die wachsende Bevölkerung Bielefelds nicht mehr ausreichten. Geplant wurde die Anlage von Stadtbaurat Friedrich Schultz (1876–1945) und Gartenbaudirektor Paul Meyerkamp als klassischer Waldfriedhof am Südhang des Teutoburger Waldes — ein damals neuartiges Reformkonzept. Ab 1902 hatte die Stadt im Süden, rund sechs Kilometer vom Zentrum entfernt, Grundstücke für die zunächst 61,6 Hektar große Fläche gekauft. Heute misst die Anlage 98 Hektar und erstreckt sich von Nord nach Süd auf einer Länge von rund 2.000 Metern. Damit zählt der Sennefriedhof zu den größten Waldfriedhöfen Deutschlands — vergleichbar im Reformfriedhof-Konzept mit dem Hamburger Ohlsdorfer Friedhof und in der Größenordnung mit dem Münchner Waldfriedhof (rund 169 Hektar); Ohlsdorf selbst ist mit 391 Hektar erheblich größer.
Der Friedhof ist Biotop und Denkmal zugleich. Unter den 98 nachgewiesenen Moosarten steht ein Fünftel auf der Roten Liste; im Süden liegt eine sandflächentypische Düne mit Heidevegetation. Die Alte Kapelle wurde am 17. Juni 1913 im Reformstil eröffnet und ist 24 Meter hoch; ihr Giebelfeld gestaltete Hans Perathoner, die 16 farbig verglasten Kuppelfenster sind Werke des Bielefelder Glasmalers Karl Muggly. Beide Eingangsgebäude und die Kapelle stehen unter Denkmalschutz, ebenso fünf vorgeschichtliche Hügelgräber, die beim Anlegen der Grabfelder zutage traten und 1986 zum Bodendenkmal erklärt wurden. Die genaue Datierung ist bislang nicht abschließend gesichert; nach dem Bodendenkmal-Bescheid wird ein vorgeschichtlicher Bestattungshorizont angenommen. Auf dem Friedhof liegen nach Angaben des Volksbundes 1.343 anerkannte Kriegsgräber aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.
Hidden-Gem-Story: Im Dezember 1945 wurde auf dem Sennefriedhof ein Sondergrabfeld für 13 politisch Verfolgte angelegt, die im September 1944 in Dortmund hingerichtet und dort an einer Friedhofshecke verscharrt worden waren — Arbeiter der Bielefelder Firmen Dürkopp Adler und Benteler, die in oppositionellen Betriebsgruppen Feindsender gehört und gegen das NS-Regime agitiert hatten. Angehörige fanden die Leichen erst nach langem Suchen wieder; sie wurden nach Bielefeld überführt und 1948 mit einem Gedenkstein gewürdigt, dessen Inschrift lautet: „Es soll die Erde, in der Ihr ruht, ganz eine freie werden." Auf dasselbe Sondergrabfeld umgebettet wurde später der Schriftsteller und SPD-Politiker Max Sachs. Charakteristisch ist auch die strenge Reformfriedhof-Konzeption von 1912: Auffällige Einzelgrabsteine waren ausdrücklich nicht erwünscht; die Stadt schrieb einen Wettbewerb für Bildhauer aus, damit Hinterbliebene aus einem vorgeprüften Katalog wählen konnten. Diese Tradition setzte später Bildhauer Arnold Rickert (1889–1974), Professor der Kunstgewerbeschule Bielefeld, fort.
Prominente Bestattete: Carl Severing (1875–1952, sozialdemokratischer Politiker, preußischer Innenminister), Walter Seidensticker sen. (1895–1969, Textilfabrikant), Werner Bock (1898–1964, Gewerkschaftsvorsitzender Gewerkschaft Textil-Bekleidung), Gustav Engel (1893–1989, Historiker), Max Sachs (1883–1935, Journalist und Widerständler), Oskar Grube (Bielefelder Sozialdemokrat, 1941 im KZ Sachsenhausen ermordet) sowie Henriette Ziemann geb. Hempel (1831–1912), die am 15. August 1912 als erste Tote auf dem Sennefriedhof beigesetzt wurde. Belegt mit Werk und Standort ist das Grabmal des Bielefelder Bildhauers Peter August Böckstiegel (1889–1951) für die Familie Niemann in Abteilung F aus dem Jahr 1947, mit zwei Bronzereliefs zum Kreislauf des Lebens. Auszeichnung: 2015 zum schönsten Friedhof Deutschlands gekürt vom Portal Bestattungen.de. Erreichbarkeit: Stadtbahnlinie 1 (Haltestelle Sennefriedhof) und Buslinie 36 (Haltestelle Sennefriedhof Süd).
Johannisfriedhof — Parkfriedhof mit Arboretum, schönster Friedhof Deutschlands 2016
Der Johannisfriedhof wurde im Mai 1874 am Osthang des Kahlen Berges im Stadtbezirk Gadderbaum eröffnet — als Ergänzung zum Alten Friedhof am Jahnplatz, der für die wachsende Stadtbevölkerung zu klein geworden war. Die Wege wurden mit vier bis sechs Metern Breite ungewöhnlich großzügig angelegt; sie laufen hangabwärts auf einen Eingangsplatz mit Rondell zu. 1894 wurde der „Neue Teil" angegliedert, die Gesamtfläche stieg auf 8,8 Hektar. Nach der Eröffnung des Sennefriedhofs 1912 wurde der Johannisfriedhof faktisch abgewickelt: Erbbegräbnisse wurden nicht mehr neu vergeben, Bestattungen in Reihengräbern eingestellt. 1986 stellte die Stadt den Johannisfriedhof — wie auch den angrenzenden Friedhof der jüdischen Kultusgemeinde — unter Denkmalschutz.
Hidden-Gem-Story: Im Zentrum des Friedhofs liegt ein 1,7 Hektar großes Arboretum mit mehr als 70 verschiedenen Scheinzypressen- und Lebensbaumarten — über 100 Jahre alte Bäume, die einst aus Geldmangel als Ersatz für einen Grabstein gepflanzt wurden. Eine ganze Sektion historischer Bielefelder Bestattungskultur, in der das Grab statt einer Steinsetzung durch einen Baum markiert ist — ein frühes Vorbild für das heutige Konzept der Baumbestattung. Diese Ausnahmestellung war 2016 das Hauptargument der Jury: Das Portal Bestattungen.de wählte den Johannisfriedhof zum schönsten Friedhof Deutschlands; der Sennefriedhof hatte dieselbe Auszeichnung im Jahr 2015 erhalten. Hinzu kommen historistisch gestaltete Familiengrabplätze der Bielefelder Industriellen-Dynastien, oft gartenähnlich angelegt mit Einfassungen und Monumenten — Zeugnisse jener Epoche, in der die Gestaltung eines Grabes als bürgerliche Repräsentationsleistung galt.
Prominente Bestattete: August Oetker (1862–1918, Apotheker, Erfinder des fertig dosierten Backpulvers „Backin" und Gründer der heutigen Dr. Oetker-Gruppe), Mitglieder der Familie Bertelsmann (Verlags- und Medienunternehmer, Gründer des heutigen Bertelsmann-Konzerns), Delius (Leinen- und Textilindustrielle) und Kisker (Likörfabrikanten, Familie des Friedhofs-Initiators und Stadtrats Georg Kisker) sowie Alfred Bozi (1857–1938, Reformjurist und Landgerichtsdirektor). Lage: am Hang des Kahlen Berges mit Blick auf die Sparrenburg, direkt angrenzend an den Botanischen Garten Bielefeld — Friedhof und Garten bilden ein zusammenhängendes Grünensemble.
Sudbrackfriedhof — Stadtteilfriedhof im Norden, Bürgerinitiative 1897
Der Friedhof Sudbrack im gleichnamigen Stadtteil im Stadtbezirk Schildesche, nordwestlich der Innenstadt, ist ein vergleichsweise kleiner, parkähnlich angelegter Stadtteilfriedhof. Sudbrack — der Name bedeutet „südliches Brachland" und ist erstmals Mitte des 13. Jahrhunderts urkundlich erwähnt — wurde erst 1930 nach Bielefeld eingemeindet; davor gehörte das Gebiet zum Amt Schildesche im Kreis Bielefeld. Diese Eigenständigkeit prägt die Entstehungsgeschichte des Friedhofs.
Hidden-Gem-Story: Der Friedhof Sudbrack ist eine Gründung aus Bürgerinitiative. Im Sommer 1894 stellten Bewohner aus Sudbrack, Gellershagen und Theesen beim Amtmann Goede in Schildesche einen Antrag, einen neuen Friedhof im südwestlichen Teil des Amtes anzulegen — die Wege zum Schildescher Friedhof seien zu lang und „schlecht und unpassierbar", die Bestattungen dort zu teuer. Im Dezember 1894 wurde der Antrag abgelehnt; die Verwaltung machte aber den entscheidenden Gegenvorschlag: Wenn die Sudbracker den Friedhof selbst finanzieren würden, sei eine Genehmigung möglich. Genau das geschah. Die Bürger erwarben ein geeignetes Gelände zu einem angemessenen Preis und gründeten die Sudbracker Friedhofsvereinigung. 1897 wurde der Friedhof eingeweiht. Auf dem Areal liegen heute noch einige Familiengrabstätten aus der Gründerzeit jener Initiative — sichtbare Spuren einer wilhelminischen Stadtteil-Selbstverwaltung, die einen Friedhof von unten geplant und finanziert hat. In den Jahren 1955/56 wurde ein ehemaliges Bauernhaus eines Milchhändlers in der Gunststraße 63 zur Friedhofskapelle umgebaut.
Eigenheiten: Auf dem Friedhof Sudbrack ruhen nach Angaben des Volksbundes 16 deutsche Kriegstote aus den beiden Weltkriegen (je acht aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg) mit dauerndem Ruherecht. Die kleinteilige Stadtteil-Geschichte unterscheidet Sudbrack klar von Senne- und Johannisfriedhof: kein Repräsentationsbau, keine Industriellenfamilien, sondern Stadtteilbevölkerung, Bauern, Handwerker und kleine Selbständige seit über 125 Jahren.
Bethel-Friedhöfe — Diakonie, Hospiz und Pellafriedhof in Gadderbaum
Im Stadtbezirk Gadderbaum, direkt angrenzend an den Johannisfriedhof, liegt das Quartier der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel — einer der größten diakonischen Träger Deutschlands mit rund 19.000 Mitarbeitenden. Bethel betreibt im Quartier die Klinik für Palliativmedizin, das Hospiz Haus Zuversicht und mehrere Einrichtungen der Sterbe- und Trauerbegleitung; für die Bestattung wird traditionell der Bethel-eigene Pellafriedhof in der Nähe des Hauptquartiers genutzt. Seit 2017 vergibt der Pellafriedhof keine neuen Grabnutzungsrechte mehr; bestehende Gräber werden bis zum Ablauf der Ruhezeiten gepflegt, Neubestattungen erfolgen seither überwiegend auf dem kommunalen Johannisfriedhof und dem Sennefriedhof. Für trauernde Angehörige aus dem Bethel-Umfeld ist das relevant: Hospiz, Trauerbegleitung und Bestattungsort liegen historisch im selben Quartier, die institutionelle Trauerinfrastruktur bleibt aktiv, während der Friedhof selbst stillschweigend ausläuft.
Bestattungskosten in Bielefeld
Die durchschnittlichen Gesamtkosten einer Bestattung in Deutschland liegen laut Stiftung Warentest zwischen 7.000 und 8.000 Euro — gerechnet werden Bestatterleistungen (Sarg oder Urne, Überführung, Versorgung), Friedhofs- und Grabgebühren, Trauerfeier, Trauerdruck und Grabstein. Ausführliche Aufschlüsselung: Bestattungskosten; Überblick aller Bestattungsformen: Bestattungsarten, Sonderfall Baumbestattung.
Friedhofsgebühren werden in Bielefeld durch die Gebührensatzung der Stadt geregelt. Am 4. Juli 2024 beschloss der Rat die vierte Änderungssatzung, mit der die Gebühren zum ersten Mal seit dem Frühjahr 2020 angepasst wurden. Eine vollständige Kostendeckung hätte eine Erhöhung um 83 Prozent erfordert; die Stadt wählte stattdessen eine moderate Anhebung um 20 Prozent, wodurch knapp 75 Prozent der Friedhofsunterhaltungskosten gedeckt werden.
| Position | Hinweis | Gebühr |
|---|---|---|
| Bestattungsgebühr Erd-Wahlgrab | einmalig, ohne Nutzungsrecht; durch Ratsbeschluss 04.07.2024 belegt | 819,00 € |
| Bestattungsgebühr Urnenreihengrab | einmalig; durch Ratsbeschluss 04.07.2024 belegt | 70,00 € |
| Bestattungsgebühr Erd-Reihengrab | Spanne nach Grabgröße; verbindliche Höhe nur in der Satzung | nach Satzung * |
| Bestattungsgebühr Urnenwahlgrab | einmalig, ohne Nutzungsrecht | nach Satzung * |
| Bestattungsgebühr anonyme Urnenbeisetzung | im Aschestreufeld Sennefriedhof, ohne Stein | nach Satzung * |
| Bestattungsgebühr Baumgrab | Naturgrabbereich auf kommunalen Friedhöfen | nach Satzung * |
| Nutzungsrecht Erd-Wahlgrab | pro m² und Jahr, Größenordnung mehrere zehn Euro | nach Satzung * |
| Nutzung Alte Kapelle Sennefriedhof | Trauerfeier inkl. Personal | nach Satzung * |
* Die mit „nach Satzung" gekennzeichneten Positionen variieren mit Grabgröße und Liegezeit und werden hier bewusst ohne Schein-Präzision ausgewiesen. Verbindlich ist ausschließlich die jeweils aktuelle Gebührensatzung der Stadt Bielefeld in der Fassung vom 04.07.2024.
Beispielrechnung Erdwahlgrab (Faustwert): Bestattungsgebühr 819 € einmalig zuzüglich Nutzungsrecht für eine zweistellige Wahlgrabstätte (rund 2 m²) für die Ruhezeit von 25 Jahren — bei den in Großstädten dieser Größenordnung üblichen Nutzungsentgelten summiert sich allein das Nutzungsrecht über die Ruhezeit auf einen vierstelligen Betrag. Die endgültige Summe hängt von Grabgröße und tatsächlicher Liegezeit ab und ergibt sich aus der Gebührensatzung; sie ist über die Wahlgrab-Verlängerung steuerbar. Hinzu kommen die Kosten des beauftragten Bestatters für Sarg oder Urne, Überführung, Versorgung, Trauerfeier-Vorbereitung sowie für Trauerdruck, Grabstein und Erstpflege. Stiftung Warentest empfiehlt grundsätzlich, mindestens drei schriftliche Kostenvoranschläge einzuholen — die Preisspannen zwischen Bestattern derselben Stadt liegen erfahrungsgemäß bei mehreren Tausend Euro.
Was nach einem Todesfall in Bielefeld zu tun ist
Erster Schritt nach dem Eintritt des Todes ist die ärztliche Leichenschau nach § 9 BestG NRW. Sie erfolgt im häuslichen Umfeld durch Hausarzt oder Notarzt, im Krankenhaus oder Pflegeheim durch den behandelnden oder diensthabenden Arzt; sie ist Voraussetzung für die Ausstellung der Todesbescheinigung. Bei einer geplanten Feuerbestattung kommt nach § 15 BestG NRW eine zweite Leichenschau im Krematorium durch eine vom Gesundheitsamt bestellte Ärztin oder einen Arzt hinzu.
Der Sterbefall ist spätestens am dritten Werktag beim Standesamt Bielefeld, Niederwall 23, 33602 Bielefeld, anzuzeigen (§ 28 PStG); der Samstag gilt nicht als Werktag. Die Bestattungsfrist endet nach § 13 BestG NRW spätestens am zehnten Tag nach dem Tod (Erdbestattung frühestens 24 Stunden; für die Einäscherung gilt dieselbe Höchstfrist). Anschließend folgt die Terminvereinbarung mit der zentralen Friedhofsverwaltung der Stadt (Am Stadtholz 24, 33609 Bielefeld, Tel. 0521 51-0, friedhofsverwaltung@bielefeld.de), die für alle 19 kommunalen Friedhöfe zuständig ist. Anträge auf Erwerb eines Grabnutzungsrechts und auf Aufstellen eines Grabsteins sind schriftlich zu stellen und bedürfen der Genehmigung des Friedhofsamtes. Schritt-für-Schritt-Hilfe: Checkliste Todesfall.
Eine gesetzliche Pflicht, einen Bestatter zu beauftragen, besteht in Deutschland nicht; in der Praxis ist es jedoch der Regelfall, da Überführung und Versorgung gewerblich organisiert sind. Bei muslimischen, yezidischen, orthodoxen oder jüdischen Bestattungen ist eine frühzeitige Abstimmung mit der Friedhofsverwaltung sinnvoll — auf dem Sennefriedhof bestehen eigene Grabfelder für diese Glaubensgemeinschaften. Eine sarglose Bestattung aus religiösen Gründen ist nach der Friedhofssatzung der Stadt Bielefeld (Satzungsermächtigung § 4 BestG NRW) auf Antrag möglich, wenn die Friedhofsverwaltung zustimmt.
Sozialbestattung in Bielefeld — wenn die Kosten nicht getragen werden können
Reicht der Nachlass der verstorbenen Person nicht aus und sind die bestattungspflichtigen Angehörigen finanziell nicht in der Lage, die Kosten zu tragen, übernimmt das Sozialamt nach § 74 SGB XII die erforderlichen Kosten einer einfachen, würdigen Bestattung. Voraussetzung ist, dass das Tragen der Kosten den Verpflichteten nicht zugemutet werden kann; das Sozialamt prüft Einkommen und Vermögen aller in Betracht kommenden Personen. Bestattungspflichtig ist in Bielefeld die in § 8 BestG NRW festgelegte Reihenfolge der Angehörigen: Ehegatte beziehungsweise eingetragener Lebenspartner, volljährige Kinder, Eltern, volljährige Geschwister, Großeltern und volljährige Enkelkinder. Wichtig: Auch wer die Erbschaft ausgeschlagen hat, bleibt nach Landesrecht bestattungspflichtig — das Bundessozialgericht hat mit Urteil vom 25. August 2011 (Az. B 8 SO 20/10 R) bestätigt, dass die öffentlich-rechtliche Bestattungspflicht durch eine Erbausschlagung nicht entfällt; der Anspruch auf Kostenübernahme nach § 74 SGB XII bleibt davon unberührt.
Zuständige Stelle in Bielefeld
- Anschrift
- Neues Rathaus, Niederwall 23, 33602 Bielefeld
- Telefon
- 0521 51-0 (BürgerServiceCenter)
- Fax
- 0521 51-8212
- sozialhilfe@bielefeld.de
- Zuständig
- Bestattungskosten-Übernahme, wenn die verstorbene Person in Bielefeld verstorben ist oder hier SGB-XII-Leistungen bezogen hat
Was übernommen wird — und was nicht
Übernommen werden nur die erforderlichen Kosten einer Bestattung einfacher, aber würdiger Art. Die Stadt Bielefeld hat dazu eine Vereinbarung mit den örtlichen Bestattungsunternehmen geschlossen, in der die anerkennungsfähigen Höchstbeträge für eine Sozialbestattung festgelegt sind. Regelmäßig getragen werden die Grundleistungen des Bestatters (einfacher Sarg oder Urne, Überführung im Stadtgebiet, hygienische Versorgung), die Friedhofsgebühren für eine einfache Grabstelle nach Gebührensatzung der Stadt sowie eine schlichte Trauerfeier am Grab. Nicht übernommen werden Repräsentations- und Wahlleistungen: aufwendige Särge oder Urnen, Wahlgrabstätten anstelle eines Reihengrabs, Trauerdruck und Zeitungsanzeigen, Grabstein und Grabeinfassung, Erstbepflanzung und Grabpflege, Trauerredner oder umfangreiche musikalische Begleitung sowie Bewirtung der Trauergäste. Wer eine über das Notwendige hinausgehende Bestattung wünscht, trägt die Mehrkosten selbst.
Antragszeitpunkt — vor Auftragserteilung Rücksprache halten
Der Antrag auf Kostenübernahme sollte zeitnah nach dem Sterbetag beim Sozialamt gestellt werden — anders als bei vielen anderen Sozialhilfeleistungen ist ein Antrag nach § 74 SGB XII auch nach der Bestattung noch möglich. Die Stadt Bielefeld empfiehlt jedoch ausdrücklich, das Bestattungsunternehmen bereits bei Auftragserteilung darauf hinzuweisen, dass eine Sozialbestattung beantragt wird; nur so lässt sich vermeiden, dass kostspielige Zusatzleistungen beauftragt werden, die später nicht übernommen werden. Erforderlich sind unter anderem Sterbeurkunde, Rechnung des Bestatters mit Einzelnachweisen, Gebührenbescheid der Friedhofsverwaltung, Kontoauszüge der verstorbenen Person der letzten drei Monate, Nachlasserklärung, Vermögenserklärung der Antragsteller sowie Einkommens- und Vermögensnachweise aller bestattungspflichtigen Angehörigen. Der Antrag kann persönlich abgegeben oder über den Online-Dienst der Stadt Bielefeld mit BundID-Konto eingereicht werden; die Antragstellung selbst ist gebührenfrei.
Bestatter-Wahl in Bielefeld
Bielefeld zählt rund 340.000 Einwohner und liegt im Regierungsbezirk Detmold in der Region Ostwestfalen-Lippe; entsprechend dicht ist das Angebot an Bestattungsunternehmen. Auf Bundesebene bietet die Mitgliederliste des Bundesverbandes Deutscher Bestatter mit dem Qualitätszeichen „Markenzeichen Deutscher Bestatter" eine erste Orientierung — die Mitgliedschaft setzt eine Prüfung von Ausstattung, Personalqualifikation und Geschäftsführung voraus.
Auf Landesebene wirkt die Bestatterinnung Westfalen-Lippe als regionale Fachorganisation; ihr Geschäftsbereich umfasst die Regierungsbezirke Arnsberg, Detmold und Münster. Die Innung führt eine öffentliche Mitgliederliste, in der die in Bielefeld eingetragenen Betriebe ausgewiesen sind und das Innungsemblem als Qualitätsmerkmal genutzt werden kann. Etablierte Bielefelder Mitgliedsbetriebe sind unter anderem das Bestattungshaus Donnerberg (gegründet 1922, mehrere Filialen in der Stadt), das Bestattungshaus Bremer (seit 1898, Heeper Straße) sowie das Pietät Mertens (Stadtteil Brackwede). Eine vollständige aktuelle Übersicht stellt die Innung online bereit; Innungs-Mitgliedschaft entbindet allerdings nicht vom Vergleich mehrerer schriftlicher Kostenvoranschläge.
Praktische Hinweise zur Auswahl: schriftlicher Kostenvoranschlag von mindestens drei Anbietern, klare Auflistung der einzelnen Leistungspositionen (Sarg/Urne, Überführung, Versorgung, Trauerfeier, Behördengänge, Friedhofsgebühren als Auslage), transparenter Umgang mit Auswahl und Qualität von Sarg oder Urne, separat ausgewiesene Verbandskosten („Markenzeichen Deutscher Bestatter") sowie der ausdrückliche Verzicht auf Drücker-Methoden im Erstgespräch. Bei spezialisierten Wünschen — religiöse Bestattung, Sternenkinder-Begleitung, Bestattung in einem Bestattungswald — lohnt sich gezielte Recherche, ob das Unternehmen entsprechende Erfahrung nachweist. Für FriedWald-Bestattungen außerhalb kommunaler Friedhöfe ist der FriedWald Lichtenau-Hakenberg (rund 35 Kilometer südöstlich Bielefeld, gegenüber dem Bad Lippspringer Stadtwald) der nächstgelegene Standort; im weiteren Umkreis steht der RuheForst Bad Laer-Müschen-Strothe zur Verfügung. Ergänzend: Vorsorge-Check für die eigene Bestattung zu Lebzeiten.
Andere NRW-Großstädte zum Vergleich: Bestattung in Münster, Bestattung in Dortmund, Bestattung in Köln.
Unverbindliche Anfrage an einen Bestatter in Bielefeld
Diese Anfrage ist ein Vermittlungsangebot und unabhängig vom Transparenz-Partner-Status. Transparenz Partner legen ihre Preisstruktur nach öffentlichen Kriterien offen; Vermittlungspartner können Anfragen erhalten. Ein Bestatter kann beides sein, muss es aber nicht.
Wenn in Deiner Region ein passender Vermittlungspartner verfügbar ist, leiten wir Deine Anfrage weiter. Falls nicht, sagen wir Dir das offen. Es entsteht kein Vertrag, kein Newsletter und kein Verkaufsdruck. Eine mögliche Vermittlungsvergütung betrifft nur weitergeleitete Anfragen — nicht die Aufnahme als Transparenz Partner, nicht die Sichtbarkeit und nicht die Reihenfolge im Verzeichnis.
Transparenz Partner legt Preisbeispiele nach öffentlichen Kriterien offen — kostenlos, nicht käuflich, kein Qualitätsurteil.
Vermittlungspartner kann auf Wunsch eine Anfrage erhalten — eine Vergütung kann nur hier entstehen.
Redaktionelle Inhalte bleiben unabhängig — kein Anbieter kann Platzierungen oder Empfehlungen kaufen.
Häufige Fragen zur Bestattung in Bielefeld
Wie viele städtische Friedhöfe gibt es in Bielefeld?
Welcher Friedhof ist der größte in Bielefeld?
Was kostet eine Bestattung in Bielefeld?
Wie lange ist die Ruhezeit auf Bielefelder Friedhöfen?
Wo wird in Bielefeld der Sterbefall angezeigt?
Wer ist auf dem Johannisfriedhof bestattet?
Gibt es muslimische Grabfelder in Bielefeld?
Gibt es Baumbestattungen in oder bei Bielefeld?
Quellen
- Bestattungsgesetz NRW (BestG NRW) — Volltext recht.nrw.de
- Stadt Bielefeld — Friedhöfe und Kapellen (Überblick)
- Friedhofssatzung der Stadt Bielefeld (Fassung 04.07.2024, PDF)
- Gebührensatzung für die Benutzung der Friedhöfe (PDF)
- Stadt Bielefeld — Anpassung der Friedhofsgebühren 2024
- Stadt Bielefeld — Sennefriedhof
- Stadt Bielefeld — Johannisfriedhof
- Stadt Bielefeld — Friedhof Sudbrack (Historie)
- v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel — Hospiz und Palliativmedizin Bielefeld
- Wikipedia — Sennefriedhof (Hidden-Gem-Recherche)
- Wikipedia — Johannisfriedhof (Bielefeld)
- Historischer RückKlick Bielefeld — Eröffnung Sennefriedhof 1912
- Historischer RückKlick Bielefeld — Gedenkstein politisch Verfolgte 1948
- Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge — Sennefriedhof Kriegsgräber
- Volksbund — Bielefeld-Sudbrack-Gemeindefriedhof
- Westfalen-Blatt — Johannisfriedhof schönster Friedhof 2016
- EGHN — Botanischer Garten und Johannisfriedhof Bielefeld
- § 28 Personenstandsgesetz (Sterbefall-Anzeigefrist)
- Bundesverband Deutscher Bestatter
- Bestatterinnung Westfalen-Lippe
- FriedWald Lichtenau-Hakenberg
Diese Inhalte wurden nach bestem Wissen und auf Basis der zitierten Primärquellen zusammengestellt. Rechtsaussagen können sich ändern; bei konkreten rechtlichen Fragen ersetzt diese Seite keine anwaltliche oder behördliche Beratung. Im Einzelfall wendet man sich an das Standesamt Bielefeld, die Friedhofsverwaltung im Umweltbetrieb oder einen Fachanwalt. Mehr zur redaktionellen Arbeit in unserer Methodik.
Weitere Städte in Nordrhein-Westfalen
Aachen · Bochum · Bonn · Dortmund · Düsseldorf · Duisburg · Essen · Gelsenkirchen · Hagen · Köln · Krefeld · Leverkusen · Mönchengladbach · Mülheim · Münster · Oberhausen · Wuppertal