Hagen ist Großstadt am südlichen Rand des Ruhrgebiets, Tor zum Sauerland und nach Angaben der Stadt mit 42 Prozent Waldanteil die waldreichste Großstadt Nordrhein-Westfalens. Diese landschaftliche Lage prägt auch die Bestattungskultur: Zehn kommunale Friedhöfe — vom Hangfriedhof Delstern mit dem Peter-Behrens-Krematorium bis zum bewaldeten RuheForst Philippshöhe — bieten Hinterbliebenen ungewöhnlich viele Gestaltungsoptionen für einen Abschied im Hagener Stadtgebiet.
Redaktion: Marie-Therese Bollweg · redaktionell recherchiert, nicht extern fachlich geprüft · Stand: 9. Juni 2026
Bestattungsrecht in Hagen — der rechtliche Rahmen kurz
Für jede Bestattung in Hagen gilt das nordrhein-westfälische Bestattungsgesetz (BestG NRW) in Verbindung mit der städtischen Friedhofssatzung und der Gebührensatzung des Wirtschaftsbetriebs Hagen. Die landesrechtlichen Eckpfeiler sind kurz: Zur Bestattung verpflichtet sind in der Rangfolge Ehegatten, Lebenspartner, volljährige Kinder, Eltern, volljährige Geschwister, Großeltern und volljährige Enkelkinder (§ 8 Abs. 1 BestG NRW). Erdbestattungen dürfen frühestens 24 Stunden nach Eintritt des Todes durchgeführt werden (§ 13 Abs. 2 BestG NRW); Erdbestattung und Einäscherung müssen innerhalb von zehn Tagen nach dem Todesfall erfolgen, die Beisetzung der Totenasche innerhalb von sechs Wochen (§ 13 Abs. 3, § 15 Abs. 5 BestG NRW). Eine vollständige Darstellung des Bestattungsrechts in Nordrhein-Westfalen — mit Vorsorgeerklärungen, Bestattungspflicht und Friedhofszwang — findet sich auf der Bundesland-Seite NRW.
Hagen-spezifisch sind vor allem drei Aspekte. Erstens regelt die Friedhofssatzung des WBH zusätzlich zu den landesgesetzlichen Vorgaben Tuchbestattungen — diese sind in Hagen ausdrücklich zulässig und werden vor allem im muslimischen Grabfeld am Friedhof Vorhalle genutzt. Zweitens beträgt die Mindestruhezeit auf den Hagener kommunalen Friedhöfen für Erwachsene grundsätzlich 30 Jahre, für Kinder bis zur Vollendung des fünften Lebensjahres 10 Jahre. Diese Frist ist gleichzeitig die Standard-Nutzungszeit eines Wahlgrabs beim Ersterwerb. Verlängerungen sind möglich, dürfen den Gesamtzeitraum von 50 Jahren laut WBH-FAQ aber nicht überschreiten. Drittens ist Hagen Krematoriumsstandort: Für jede Einäscherung im Eduard-Müller-Krematorium ist nach § 15 Abs. 1 BestG NRW eine zweite ärztliche Leichenschau erforderlich, die durch die untere Gesundheitsbehörde des Sterbe- oder Auffindungsortes — in Hagen das städtische Gesundheitsamt — veranlasst wird. Alternativ kann auch die untere Gesundheitsbehörde des Einäscherungsortes diese Leichenschau veranlassen und die Bescheinigung nach Anlage 1 BestG NRW ausstellen.
Die Anzeige des Sterbefalls beim Standesamt muss in Hagen spätestens am dritten auf den Sterbetag folgenden Werktag erfolgen (Stadt Hagen, Sterbefälle). Wenn der Tod in einer Einrichtung wie Krankenhaus oder Pflegeheim eintritt, übernimmt diese die Anzeige; in häuslicher Umgebung sind Mitbewohner, Angehörige oder das beauftragte Bestattungsunternehmen anzeigepflichtig. Erst nach Vorlage von Todesbescheinigung, Eintragung des Sterbefalls und ausgestellten Sterbeurkunden kann der Bestatter die Friedhofsverwaltung mit der Beisetzung beauftragen.
Die wichtigsten Friedhöfe in Hagen
Der Wirtschaftsbetrieb Hagen verwaltet zehn kommunale Friedhöfe — vom kleinen Berchumer Friedhof unter einem Hektar bis zum großen Waldfriedhof Loxbaum mit 19 Hektar (WBH-Friedhöfe). Vier dieser Anlagen tragen die Bestattungskultur der Stadt in besonderem Maße: der Friedhof Delstern als ältester und kunsthistorisch reichster, der Waldfriedhof Loxbaum als größter, der RuheForst Philippshöhe als naturnahe Alternative und der Friedhof Vorhalle als interkultureller Standort. Die übrigen Stadtteilfriedhöfe (Altenhagen, Haspe, Holthausen, Halden, Berchum, Garenfeld) sind weiter unten in einer Übersicht zusammengefasst. Hinzu kommen die konfessionell getragenen Friedhöfe Buschey und Remberg unter der Friedhofsverwaltung Remberg-Buschey.
Der Friedhof Delstern wurde 1883 als Gemeindefriedhof angelegt und gelangte 1901 mit der Eingemeindung Delsterns an die Stadt Hagen. In den 1920er Jahren wurde die Anlage nach Plänen des damaligen Stadtbaurates Ewald Figge um- und ausgebaut (Wikipedia · Friedhof Delstern). Auf dem rund 10,7 Hektar großen Gelände konzentrieren sich auffallend viele Ehrengräber der Hagener Stadtgeschichte. Heute befinden sich hier auch ein 2016 modernisierter Abschiedsraum und der 2019 eingeweihte Ewigkeitsbrunnen, der als gemeinschaftliche Urnen-Grabstätte konzipiert ist und auch nach Ablauf der Mindestruhezeit als Ort der Erinnerung dauerhaft bestehen bleibt.
wenig bekannte Besonderheit · Das Behrens-Krematorium und die preußische Verzögerung
Auf dem Delsterner Friedhofsgelände steht das Eduard-Müller-Krematorium, errichtet 1907 nach Entwurf des Architekten Peter Behrens. Nach Angabe der Friedhofsverwaltung des Wirtschaftsbetriebs Hagen ging es „als erstes Krematorium in Preußen in die Geschichte ein" (WBH · Eduard-Müller-Krematorium). Eingeäschert wurde dort allerdings erst ab 1912 — der Bau stand fünf Jahre lang als fertige Anlage ohne Betrieb, weil die Feuerbestattung in Preußen erst 1911 gesetzlich legalisiert wurde. Der heutige Abschiedsraum wurde 2016 modernisiert und bildet einen schnörkellosen, lichtdurchfluteten Kontrast zur historischen Jugendstil-Architektur. Im Innenraum prägen die Apsis mit einem Goldmosaik von Emil Rudolf Weiss und die umlaufende, mit Orgeln ausgestattete Empore das Erscheinungsbild; im Eingangsbereich des Friedhofs steht die 1911/12 von Karl Albiker geschaffene Bronze-Skulptur „Die Klagende" (Wikipedia · Friedhof Delstern).
Prominente Bestattete mit Ehrengräbern (Auswahl)
Christian Rohlfs (1849–1938, Maler des Expressionismus) — Ehrengrab; Grabskulptur ist ein Abguss von Ernst Barlachs „Lehrender Christus" (1931)
Ernst Meister (1911–1979, Lyriker, Büchner-Preisträger 1979) — Ehrengrab
Mit 19 Hektar ist der Waldfriedhof Loxbaum der jüngste und zugleich größte kommunale Friedhof Hagens (WBH · Waldfriedhof Loxbaum). Er wurde 1976 angelegt und unterscheidet sich grundlegend von den älteren Stadtteilfriedhöfen: Die Andachtshalle ist mit ihrer hellen, schlichten Architektur unauffällig in die Waldlandschaft eingebettet. In der Halle befindet sich nach Angabe des WBH das Bleiverglasungswerk „Das tränende Kreuz" des Hagener Malers Carl Baumann; am Vorplatz steht das Bronzerelief „Stufen des Lebens" des 1980 verstorbenen Künstlers Heinrich Holthaus.
wenig bekannte Besonderheit · Der Baum-des-Jahres-Lehrpfad
Nach Angabe des Wirtschaftsbetriebs Hagen wird auf dem Waldfriedhof Loxbaum seit den späten 1980er Jahren der jeweils vom Kuratorium „Baum des Jahres" ausgerufene Baum gepflanzt — mit begleitenden Schrifttafeln (WBH · Waldfriedhof Loxbaum). Über mehr als drei Jahrzehnte ist auf diese Weise parallel zur Bestattungsfunktion ein Naturlehrpfad gewachsen, der Friedhofsbesucher zu einem zweiten, ungewöhnlichen Spaziergang einlädt — eine Doppelnutzung, die in deutschen Friedhöfen selten in dieser Konsequenz umgesetzt wurde.
Loxbaum bietet das volle Spektrum kommunaler Grabarten: Sarg-Reihen- und Wahlgräber, Urnenstellen, Kindergräber sowie eine Andachtshalle mit Abschiedsraum und Kühlraum. Die Lage in der Nähe des Polizeipräsidiums ist über mehrere Buslinien der Stadtwerke Hagen erreichbar; die jeweils aktuellen Linien und Haltestellen werden im Fahrplanauskunftsportal der Stadtwerke Hagen ausgewiesen.
Der RuheForst Philippshöhe wurde nach Angaben des Wirtschaftsbetriebs Hagen 2006 als erster RuheForst in Nordrhein-Westfalen eingerichtet (WBH-Friedhöfe). Möglich wurde das Projekt durch den hohen kommunalen Waldbesitz: Hagen ist nach eigener städtischer Darstellung mit 42 Prozent Waldanteil die waldreichste Großstadt Nordrhein-Westfalens (Stadt Hagen · Im Grünen); rund ein Fünftel des Hagener Waldes befindet sich laut WBH in kommunalem Eigentum. Auf einem solchen städtischen Waldgrundstück wurde der RuheForst angelegt. Das Gelände auf rund 240 Meter Höhe umfasst eine Fläche von 57 Hektar und besteht aus einem über 90 Jahre alten Laubmischwald aus Eichen, Buchen und Bergahorn.
wenig bekannte Besonderheit · Bestattung am eigenen Baum
Im RuheForst werden ausschließlich Urnen beigesetzt — direkt im Wurzelbereich ausgewählter Bäume, ohne Grabstein, ohne Grabschmuck. Auf Wunsch wird der Name auf einem einheitlichen Schild durch die Friedhofsverwaltung angebracht (§ 4 Ziffer 5.50 der Friedhofsgebührensatzung WBH). Grablichter und Anpflanzungen sind verboten, lediglich zur Beisetzung und an den gesetzlichen Totengedenktagen (Allerheiligen, Totensonntag) dürfen kleine Blumengestecke niedergelegt werden (WBH-FAQs). Die Pflege übernimmt die Natur selbst — der WBH greift bewusst nicht ein, um den Waldcharakter zu erhalten.
Eine 360-Grad-Panoramaansicht, interaktive Detailkarten und eine mobile App des Anbieters RuheForst erleichtern die Auswahl einer konkreten Baumstelle. Träger ist der Wirtschaftsbetrieb Hagen.
Der Friedhof Vorhalle wurde 1894 angelegt und 1918 sowie 1983 (oberhalb der Autobahn als „Neuer Teil") erweitert. Die erste Andachtshalle von 1900 wurde 1961 durch einen Neubau ersetzt (WBH-Friedhöfe). Auf dem Friedhof finden sich Gräber mehrerer Bombenopfer des Zweiten Weltkriegs sowie zwei Grabsteine mit kyrillischer Inschrift: einer für einen in Vorhalle verstorbenen russischen Offizier, einer für die in Hagen verstorbenen Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Erwähnenswert ist auch das Grab des Gemeindevorstehers Ewald Kirchberg (1812–1902), nach dem die Kirchbergstraße in Vorhalle benannt wurde.
wenig bekannte Besonderheit · Muslimisches Grabfeld mit eigenem Waschhaus
Vorhalle ist der einzige kommunale Friedhof Hagens mit einem eigenen muslimischen Grabfeld. Die Verstorbenen werden in Tuchbestattung in Leinentüchern beigesetzt, die Gräber sind nach Mekka — also nach Osten — ausgerichtet (WBH-Trends). Das eigene Waschhaus auf dem Friedhofsgelände erlaubt religiöse Waschungen vor Ort, sodass die rituelle Vorbereitung des Verstorbenen, das Gebet und die Beisetzung nicht in getrennten Einrichtungen stattfinden müssen. Für muslimische Familien aus Hagen und Umgebung ist Vorhalle damit eine Infrastruktur, die im westfälischen Vergleich selten ist und die Stadt als Ort interkultureller Bestattungskultur ausweist.
Die weiteren kommunalen Friedhöfe in Hagen
Neben den vier ausführlich beschriebenen Anlagen verwaltet der WBH sechs weitere Stadtteilfriedhöfe. Sie sind kleiner, lokal verwurzelt und tragen jeweils eigene Geschichten — der Friedhof Berchum etwa beherbergt nach WBH-Angabe den 1878 datierten Grabstein des Gemeindearbeiters Heinrich Gerling, der den Friedhof selbst mit anlegte und als erster auf ihm beigesetzt wurde (WBH-Friedhöfe); auf dem Friedhof Altenhagen entstand das Hagener Sternenkinderfeld für Eltern von Früh- und Totgeburten.
Übersicht der übrigen kommunalen Friedhöfe in Hagen (Quelle: WBH)
Friedhof
Angelegt
Fläche
Besonderheit
Altenhagen, Friedensstraße 122
1887
—
Sternenkinderfeld; Kriegsgräber
Haspe, Mopsweg 3
1935 (Urnen), 1953 (Erd)
ca. 7 ha
Niestrath-Relief in der Trauerhalle; Gemeinschaftsnische
Holthausen, Zur Hünenpforte
1901
ca. 1,59 ha
Grab des Ehrenbürgers Friedrich Schmalenbeck
Halden, Dümpelstraße 5f
Anfang 20. Jh.
2,5 ha
Dörflicher Charakter; Erweiterung 1981
Berchum, Tiefendorfer Straße
1878
ca. 1 ha
Grabstein Heinrich Gerling, „erster Toter des Friedhofes"
Garenfeld, Osterholzweg 21
eingemeindet 1974
ca. 1 ha
Ehrenmal für Gefallene 1870/71 und beider Weltkriege
Konfessionell getragene Friedhöfe: Buschey und Remberg
Außerhalb des kommunalen Trägersystems verwaltet die Friedhofskommission e.V. der Trägergemeinden zwei innerstädtische Friedhöfe als „Friedhofsverwaltung Remberg-Buschey": den Buschey-Friedhof und den Remberg-Friedhof (friedhoefe-hagen.de). Beide sind kirchlich geprägt, aber konfessionsoffen und tragen in ihren Grabmalen und Familiengrabanlagen einen wesentlichen Teil der Hagener Bürgerkultur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der Buschey-Friedhof wird von Stadthistorikern wegen der dortigen Grabmalkultur regelmäßig parallel zum Friedhof Delstern als kulturhistorisch bedeutsam geführt (Lokalkompass Hagen). Eigene Friedhofssatzungen und Gebührensätze gelten — Angehörige klären Grabarten, Ruhezeiten und Kosten direkt mit der Friedhofsverwaltung Remberg-Buschey ab.
Bestattungskosten in Hagen
Die Friedhofsgebühren in Hagen sind in der Friedhofsgebührensatzung des Wirtschaftsbetriebs Hagen geregelt; sie wurde ursprünglich am 26. Februar 2015 beschlossen und mehrfach durch Nachträge angepasst. Den jüngsten Nachtrag (V. Nachtrag) bestätigte der Rat der Stadt Hagen am 14. Dezember 2023 (PDF · V. Nachtrag). Zentraler Grundsatz: Die Grabstätten selbst bleiben Eigentum der Friedhofsverwaltung — Angehörige erwerben lediglich ein zeitlich befristetes Nutzungsrecht.
Der Bund der Steuerzahler NRW vergleicht regelmäßig die Friedhofsgebühren der 30 nordrhein-westfälischen Städte über 100.000 Einwohner. Im jüngsten gesondert für Hagen ausgewiesenen Vergleichsjahr 2022 ermittelte der Verband für ein Sargwahlgrab in Hagen in einfacher allgemeiner Lage Gesamtgebühren von 1.916 Euro — also Grabnutzungsgebühr, Grabbereitung und Grabmalgenehmigung ohne Trauerhalle, Kühlraum und Sonn- bzw. Feiertagszuschläge (BdSt NRW 2022). Im NRW-weiten Vergleichsjahr 2022 lag der Landesdurchschnitt für die identische Bestattungsform bei rund 3.500 Euro; im aktuelleren BdSt-Vergleich 2024 stieg der Landesdurchschnitt auf 3.497 Euro (BdSt NRW 2024). Da der V. Nachtrag der Hagener Gebührensatzung erst Ende 2023 in Kraft trat, ist die aktuelle Hagener Vergleichszahl beim BdSt zum Redaktionsstand nicht separat ausgewiesen — der Wert von 1.916 Euro aus 2022 ist die jüngste belastbare Hagen-spezifische Zahl und wird im Einzelfall durch die seither erfolgten Satzungsanpassungen abweichen können.
Pflege einer zurückgegebenen Kindergrabstelle p.a.
§ 4 Ziff. 5.30 Gebührensatzung WBH (Kindergrab)
25 €
Zum Vergleich: Im aktuellen BdSt-Vergleich 2024 zahlt man im NRW-Landesdurchschnitt 3.497 Euro für ein Sargwahlgrab und 1.560 Euro für ein Urnenreihengrab; negativer Spitzenreiter beim Sargwahlgrab 2024 war Leverkusen mit 5.273 Euro. Auf die reinen Friedhofsgebühren kommen die Leistungen des Bestattungsunternehmens (Überführung, Sarg oder Urne, Trauerfeier-Organisation, Behördengänge) und gegebenenfalls der Grabstein samt Steinmetzarbeit. Die Verbraucherzentrale NRW und die Aeternitas-Verbraucherinitiative Bestattungskultur nennen für Deutschland insgesamt eine Spanne von rund 2.500 Euro für einfache Urnenbestattungen bis über 10.000 Euro für aufwendigere Erdbestattungen mit Trauerfeier und individuellem Grabmal. Für Hagen — mit dem unterdurchschnittlichen kommunalen Gebührenniveau — liegen die Gesamtkosten erfahrungsgemäß bei rund 2.500 bis 4.000 Euro für ein kleines Urnengrab in einfacher Ausstattung und bei etwa 4.500 bis 8.000 Euro für eine Erdbestattung im Wahlgrab inklusive Trauerfeier. Konkrete Werte ergeben sich erst nach Auswahl der Grabart, Lage und gewünschten Zusatzleistungen.
Hinweis zur Kostentransparenz: Der WBH ist als kommunaler Dienstleistungsbetrieb organisiert und verfolgt nach eigener Darstellung keine provisionsbasierten Interessen (WBH-FAQs). Angehörige sollten vor Vertragsabschluss eine schriftliche Gebührenaufstellung des WBH und ein detailliertes Bestatter-Angebot anfordern und beide Posten getrennt prüfen.
Was kostet die Bestattung konkret? Berechne deinen Kostenrahmen mit anonymer Eingabe in zwei Minuten: → Bestattungskosten-Rechner. Vergleicht Erd-, Feuer- und Seebestattung mit aktuellen Friedhofsgebühren und Bestatterleistungen.
Hast Du schon ein konkretes Angebot oder eine Rechnung? Mit dem → Angebotsprüfer prüfst Du in 3 Minuten mit Ampel, ob Preis und Posten plausibel sind.
Sozialbestattung in Hagen: wenn die Kosten nicht getragen werden können
Sind die Bestattungspflichtigen finanziell nicht in der Lage, eine Bestattung zu finanzieren, übernimmt das Sozialamt die erforderlichen Kosten — geregelt in § 74 SGB XII. Voraussetzung ist, dass der nach § 8 Abs. 1 BestG NRW Bestattungspflichtige die Kosten nicht aus eigenen Mitteln und nicht aus dem Nachlass des Verstorbenen aufbringen kann und ihm die Übernahme nicht zuzumuten ist. Geprüft wird die individuelle Zumutbarkeit — nicht die schematische Bedürftigkeit; auch Personen ohne laufenden Sozialhilfebezug haben Anspruch, wenn die Bestattungskosten ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit übersteigen würden.
Zuständige Stelle in Hagen
Anträge auf Übernahme der Bestattungskosten nimmt der Fachbereich Jugend und Soziales der Stadt Hagen entgegen:
Telefonische Erreichbarkeit der Sachbearbeitung ist nach Angaben der Stadt Hagen werktags zwischen 8:30 und 9:30 Uhr.
Was übernommen wird — und was nicht
Übernommen werden nach § 74 SGB XII die erforderlichen Kosten einer ortsüblichen Bestattung in einfacher, würdiger Form. Das umfasst in der Praxis: Sarg oder Urne in einfacher Ausführung, Überführung, eine schlichte Trauerfeier, Friedhofsgebühren des Wirtschaftsbetriebs Hagen für ein Reihengrab sowie die Erstanlage des Grabes. Das Bundessozialgericht hat in seiner Rechtsprechung (u.a. BSG, Urteil vom 25.08.2011, B 8 SO 20/10 R) klargestellt, dass sich der Erforderlichkeitsmaßstab an ortsüblichen Mindeststandards orientiert — also am bescheidenen, aber nicht entwürdigenden Niveau vor Ort. Nicht übernommen werden in der Regel: Trauerredner über das einfache Maß hinaus, aufwendige Blumendekoration, Trauerkaffee, Zeitungsanzeigen, Wahlgrabaufschläge gegenüber dem Reihengrab und die laufende Grabpflege nach der Erstanlage.
Antragszeitpunkt: möglichst vor Auftragserteilung
Der Antrag sollte nach Möglichkeit vor Auftragserteilung an den Bestatter gestellt werden — spätestens jedoch unverzüglich nach dem Todesfall. Eine spätere Antragstellung ist nicht ausgeschlossen, aber das Sozialamt prüft dann besonders sorgfältig, ob die in Auftrag gegebenen Leistungen das ortsüblich Erforderliche überschritten haben; übersteigende Beträge gehen zu Lasten des Antragstellers. Sinnvoll ist, bereits beim Erstgespräch mit dem Bestatter offen zu kommunizieren, dass eine Kostenübernahme nach § 74 SGB XII beantragt werden soll — viele Hagener Bestattungsunternehmen kennen das Verfahren und erstellen entsprechend angepasste Kostenvoranschläge.
Vorsorge-Tipp gegen Sozialbestattung: Eine Sterbegeldversicherung deckt die Bestattungskosten ab, damit Angehörige nicht in die § 74-Lage geraten. Vergleichsrechner für Tarife und Versicherungssummen: → Sterbegeldversicherung vergleichen (Check24). Hinweis: machsruhig verlinkt diesen Vergleich als Affiliate, der dabei verdiente Anteil finanziert die Redaktion — ohne Mehrkosten für Dich.
Was nach einem Todesfall in Hagen zu tun ist
Tritt ein Todesfall ein, sind in Hagen mehrere Schritte zeitkritisch. Die folgende Reihenfolge orientiert sich an der Praxis vor Ort.
Arzt verständigen: Ein Arzt muss eine Todesbescheinigung ausstellen (grüner und roter Teil). Im häuslichen Umfeld wird üblicherweise der Hausarzt oder der ärztliche Notdienst gerufen.
Sterbefall beim Standesamt Hagen anzeigen: Spätestens am dritten auf den Sterbetag folgenden Werktag. Adresse: Standesamt der Stadt Hagen, Rathausstraße 11, 58095 Hagen. Die jeweils gültigen Sprechzeiten, Telefonzeiten und Kontaktwege werden auf der Service-Seite der Stadt Hagen ausgewiesen (Stadt Hagen · Sterbefälle). Erforderlich sind Todesbescheinigung im Original, Sterbefallanzeige sowie Personenstandsurkunden des Verstorbenen.
Sterbeurkunden anfordern: Die Sterbeurkunden werden vom Standesamt der Stadt Hagen ausgestellt; die Gebühren ergeben sich aus der jeweils geltenden Verwaltungsgebührensatzung der Stadt Hagen. Für die gesetzliche Sozialversicherung (Renten- und Krankenversicherung) werden gebührenfreie Urkunden ausgestellt; ein entsprechender Nachweis ist erforderlich. Üblich sind mindestens fünf Ausfertigungen für Bank, Versicherer, Arbeitgeber, Vermieter und Erbsachen.
Bestattungsunternehmen beauftragen: Der Bestatter übernimmt Überführung, Trauerfeier-Organisation und die Kommunikation mit der Friedhofsverwaltung des WBH (Eilper Straße 132-136, 58091 Hagen, Tel. 02331/3677-320). Die Wahl ist frei und nicht an einen bestimmten Friedhof gebunden.
Bei Feuerbestattung: zweite Leichenschau: Vor einer Einäscherung im Eduard-Müller-Krematorium ist nach § 15 Abs. 1 BestG NRW eine weitere ärztliche Leichenschau erforderlich. Sie wird durch die untere Gesundheitsbehörde der Stadt Hagen oder — wenn der Tod außerhalb Hagens eintrat — durch die untere Gesundheitsbehörde des Einäscherungsortes veranlasst und mit einer Bescheinigung nach Anlage 1 BestG NRW bestätigt.
Friedhof und Grabstätte festlegen: Über den Bestatter wird mit dem WBH ein konkreter Termin und eine Grabstelle abgestimmt. Bei Wahlgräbern können Lage, Größe und Stellenzahl gemeinsam mit der Verwaltung festgelegt werden.
Trauerfeier vorbereiten: Trauerredner, Musik, Blumenschmuck und Druck der Trauerkarten laufen parallel; mehrere Hagener Friedhöfe verfügen über Andachtshallen und Abschiedsräume direkt vor Ort (u.a. Delstern, Loxbaum, Haspe, Altenhagen).
Folgeformalitäten: Renten, Versicherungen, Mietverhältnis, Konten, ggf. Erbangelegenheiten beim Nachlassgericht — diese Schritte können in den Wochen nach der Beisetzung erledigt werden.
Bestatter-Wahl in Hagen
In Hagen sind mehrere etablierte Bestattungshäuser ansässig; daneben übernehmen auch überregionale Anbieter Bestattungen im Stadtgebiet. Wer einen Bestatter wählt, sollte auf vier Indikatoren achten.
Verbandsmitgliedschaft: Der Bestatterverband Nordrhein-Westfalen e.V. mit Sitz in Düsseldorf (Cecilienallee 5, 40474 Düsseldorf, bestatter-nrw.de) ist mit über 1.000 Mitgliedsunternehmen die repräsentative Berufsorganisation des Bestattungsgewerbes in NRW. Mitglieder verpflichten sich zur Einhaltung berufsständischer Mindeststandards. Eine Mitgliedschaft ist kein Garant für Qualität, aber ein verlässlicher Indikator, dass das Unternehmen sich am Verbandsrahmen orientiert. Eine konkrete Liste der verbandsgelisteten Hagener Mitgliedsbetriebe liefert die PLZ-Suche des Verbandes für die Hagener Postleitzahlen 58089–58135 (Bestatter-Suche Hagen · PLZ 58095).
Zertifizierungen: Über die Verbandsmitgliedschaft hinaus existieren in Deutschland zwei verbreitete Qualitätszertifikate — der „Geprüfte Bestatter" (TÜV-Rheinland) und das „Markenzeichen Bestattungsunternehmen" des Bundesverbandes Deutscher Bestatter. Wer ein zertifiziertes Unternehmen sucht, sollte sich die Zertifikate konkret zeigen lassen und das Ausstellungsdatum prüfen.
Preisvergleich und Kostenvoranschlag: Bestattungspreise sind seit der Reform des Bestattungswesens marktwirtschaftlich; sie variieren in Hagen erheblich. Empfehlenswert ist die schriftliche Anforderung von zwei bis drei Kostenvoranschlägen für ein vergleichbares Leistungspaket (Überführung, Sarg oder Urne, Behördengänge, Trauerfeier-Organisation). Wichtig ist, die Friedhofsgebühren des WBH und die Leistungen des Bestatters getrennt aufzuschlüsseln — nur dann lässt sich vergleichen, woraus sich der Endpreis zusammensetzt.
Trägerwahl Friedhof: In Hagen existieren neben den zehn kommunalen WBH-Friedhöfen mit der Friedhofsverwaltung Remberg-Buschey eine kirchlich getragene Friedhofskommission (e.V.), die zwei innerstädtische Friedhöfe (Buschey, Remberg) bewirtschaftet. Hier gelten eigene Gebührensatzungen, die Beisetzungen sind grundsätzlich konfessionsoffen. Wer eine Bestattung außerhalb der WBH-Friedhöfe plant, klärt im Vorfeld direkt mit dem jeweiligen Träger, ob die Wunsch-Grabart und das benötigte Nutzungsrecht möglich sind.
Unverbindliche Anfrage an einen Bestatter in Hagen
Diese Anfrage ist ein Vermittlungsangebot und unabhängig vom Transparenz-Partner-Status. Transparenz Partner legen ihre Preisstruktur nach öffentlichen Kriterien offen; Vermittlungspartner können Anfragen erhalten. Ein Bestatter kann beides sein, muss es aber nicht.
Wenn in Deiner Region ein passender Vermittlungspartner verfügbar ist, leiten wir Deine Anfrage weiter. Falls nicht, sagen wir Dir das offen. Es entsteht kein Vertrag, kein Newsletter und kein Verkaufsdruck. Eine mögliche Vermittlungsvergütung betrifft nur weitergeleitete Anfragen — nicht die Aufnahme als Transparenz Partner, nicht die Sichtbarkeit und nicht die Reihenfolge im Verzeichnis.
Wichtig zur Einordnung
Transparenz Partner legt Preisbeispiele nach öffentlichen Kriterien offen — kostenlos, nicht käuflich, kein Qualitätsurteil.
Vermittlungspartner kann auf Wunsch eine Anfrage erhalten — eine Vergütung kann nur hier entstehen.
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Häufige Fragen zur Bestattung in Hagen
Wie viele Friedhöfe gibt es in Hagen?
Hagen verfügt über zehn kommunale Friedhöfe, die zentral durch den Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH, Anstalt des öffentlichen Rechts) verwaltet werden. Daneben existieren konfessionell getragene Friedhöfe wie der Buschey-Friedhof und der Remberg-Friedhof unter der Friedhofsverwaltung Remberg-Buschey.
Was kostet eine Bestattung in Hagen?
Der Bund der Steuerzahler NRW hat im Vergleichsjahr 2022 für ein Sargwahlgrab in Hagen in einfacher Lage Gesamtgebühren von 1.916 Euro ermittelt — ohne Bestatter-, Steinmetz- und Trauerfeier-Kosten. Inklusive aller Dienstleistungen liegt die Gesamtkostenspanne erfahrungsgemäß bei etwa 2.500 Euro für ein einfaches Urnengrab bis rund 8.000 Euro für eine Erdbestattung im Wahlgrab mit Trauerfeier. Konkrete Werte hängen von Grabart, Lage und Zusatzleistungen ab.
Welche Bestattungsformen sind in Hagen möglich?
Der Wirtschaftsbetrieb Hagen weist auf seiner Website 18 Grabarten auf zehn Friedhöfen aus: klassische Sarg- und Urnen-Reihen- sowie -Wahlgräber, Kindergräber, ein Sternenkinderfeld auf dem Friedhof Altenhagen, der Ewigkeitsbrunnen am Krematorium Delstern, das muslimische Grabfeld in Vorhalle und Beerdigungswald-Grabstätten im RuheForst Philippshöhe. Tuchbestattungen sind nach der Friedhofssatzung des WBH zulässig.
Wer trägt das Eduard-Müller-Krematorium und was macht es besonders?
Das Krematorium liegt auf dem Friedhof Delstern und wurde 1907 nach einem Entwurf des Architekten Peter Behrens umgesetzt. Die erste Einäscherung fand 1912 statt, nachdem die Feuerbestattung in Preußen 1911 gesetzlich legalisiert worden war. Nach Angabe der Hagener Friedhofsverwaltung ging es als erstes Krematorium in Preußen in die Geschichte ein. Träger ist heute der Wirtschaftsbetrieb Hagen.
Wo wird ein Sterbefall in Hagen angezeigt?
Zuständig ist das Standesamt der Stadt Hagen, Rathausstraße 11, 58095 Hagen. Der Tod ist spätestens am dritten auf den Sterbetag folgenden Werktag anzuzeigen. Erfolgt der Todesfall in einer Einrichtung wie Krankenhaus oder Pflegeheim, übernimmt diese die Anzeige.
Wie lange beträgt die Ruhezeit in Hagen?
Die Nutzungszeit eines neu erworbenen Wahlgrabs in Hagen beträgt nach Angaben des WBH regelmäßig 30 Jahre, bei Kindergräbern für Kinder bis zur Vollendung des fünften Lebensjahres 10 Jahre. Verlängerungen sind grundsätzlich möglich, dürfen aber 50 Jahre Gesamtnutzungszeit nicht überschreiten.
Welche Stelle führt die zweite Leichenschau vor einer Feuerbestattung in Hagen durch?
Vor jeder Einäscherung im Eduard-Müller-Krematorium ist nach § 15 Abs. 1 BestG NRW eine weitere ärztliche Leichenschau erforderlich. Veranlasst wird sie durch die untere Gesundheitsbehörde des Sterbe- oder Auffindungsortes; in Hagen ist das das städtische Gesundheitsamt. Alternativ darf auch die untere Gesundheitsbehörde des Einäscherungsortes die Leichenschau veranlassen und die Bescheinigung ausstellen.
Primärquellen
Bestattungsgesetz Nordrhein-Westfalen (BestG NRW) i.d.F. vom 9. Juli 2014. Recht.NRW.DE: recht.nrw.de · BestG NRW — insbesondere §§ 8, 13, 15