Bestattung in Aachen

Aachen pflegt eine Friedhofsgeschichte, die vom Sarkophag Karls des Großen im Dom bis zum heutigen Krematorium auf der Hüls reicht. Wer in der Kaiserstadt einen Todesfall regeln muss, hat es mit einer ausdifferenzierten kommunalen Friedhofsstruktur zu tun: 28 aktive kommunale Friedhöfe und sechs Gedenkstätten, alle zentral verwaltet vom Aachener Stadtbetrieb. Diese Seite ordnet die wichtigsten Friedhöfe, fasst die Gebührenlage mit konkreten Eurobeträgen zusammen und beschreibt, was nach einem Todesfall in Aachen Schritt für Schritt zu tun ist.

Bestattungsrecht in Aachen – das Wichtigste in Kürze

Das Bestattungswesen in Aachen folgt dem Bestattungsgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (BestG NRW). Die zentralen Fristen ergeben sich aus § 13 BestG NRW: Erdbestattungen dürfen frühestens 24 Stunden nach Eintritt des Todes vorgenommen werden (§ 13 Abs. 2 BestG NRW). Erdbestattungen und Einäscherungen müssen innerhalb von zehn Tagen erfolgen, die Beisetzung der Totenasche innerhalb von sechs Wochen nach Aushändigung der Urne (§ 13 Abs. 3 BestG NRW; für die Urnenfrist zusätzlich § 15 Abs. 5 BestG NRW). Die Überführung in eine Leichenhalle muss spätestens 36 Stunden nach dem Tod erfolgen – diese Frist steht nicht in § 13, sondern in § 11 Abs. 2 BestG NRW. Vor jeder Feuerbestattung ist nach § 15 Abs. 1 BestG NRW eine zweite ärztliche Leichenschau erforderlich.

Eine generelle Sargpflicht kennt das nordrhein-westfälische Recht seit der Novelle 2003 nicht mehr. Stattdessen regelt jeder Friedhofsträger in seiner Satzung die Einzelheiten zu Behältnissen, Beigaben und Tuchbestattungen. Für die Stadt Aachen ist dies die Friedhofssatzung des Aachener Stadtbetriebs, ergänzt durch die Friedhofsgebührenordnung in ihrer jeweils aktuellen Fassung. Auf den kommunalen Aachener Friedhöfen ist für Erdbestattungen weiterhin ein Sarg vorgeschrieben; Tuchbestattungen aus religiösen Gründen sind im Rahmen der Satzungsregeln möglich.

Die Ruhezeiten variieren in Aachen je nach Bodenverhältnissen des einzelnen Friedhofs: Auf dem West-, Wald- und Hülser Friedhof gilt regelmäßig eine Ruhezeit von 20 Jahren, auf dem Friedhof Lintert wegen besonderer Bodenverhältnisse 30 Jahre. Für Urnenbeisetzungen liegt die Ruhezeit nach Friedhofssatzung typischerweise zwischen 15 und 25 Jahren.

Eine vollständige Darstellung des Bestattungsrechts in Nordrhein-Westfalen mit allen Paragraphen, Fristen und Sonderfällen findet sich auf der Bundesland-Seite Bestattung in NRW. Diese Stadt-Seite konzentriert sich auf die Aachener Besonderheiten: Friedhöfe, Gebühren und konkrete Wege.

Friedhöfe in Aachen – vier Friedhöfe und das städtische Krematorium

Die folgenden vier Friedhöfe und das städtische Krematorium auf der Hüls bilden gemeinsam das Rückgrat der Aachener Bestattungsinfrastruktur. Sie unterscheiden sich nach Größe, Bestattungsformen und historischer Prägung. Der Friedhof Hüls im Aachener Norden ist der direkt an das Krematorium angegliederte städtische Friedhof; auf ihm finden viele Urnenbeisetzungen nach Einäscherungen im Krematorium statt.

Westfriedhof I und II (Vaalser Straße)

Der Westfriedhof ist mit zusammen 279.000 m² Fläche die größte Friedhofsanlage Aachens. Die Stadt erwarb das Gelände an der Vaalser Straße in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der damals selbstständigen Gemeinde Laurensberg, weil der alte evangelische Friedhof Güldenplan im heutigen Stadtgarten an seine Kapazitätsgrenze gelangt war. Der südlich der Vaalser Straße gelegene Westfriedhof I (62.000 m²) wurde am 4. Januar 1889 für die evangelischen Bürger eröffnet, der nördlich anschließende Westfriedhof II (rund 217.000 m²) folgte am 1. Mai 1890 für die katholischen Pfarrgemeinden. Eine Straßenüberführung verbindet beide Teile.

Architektonisch bemerkenswert ist auf Westfriedhof I die Friedhofskapelle im Stil der Neo-Renaissance, die wie zahlreiche Erstbelegungs-Gräber unter Denkmalschutz steht. Auf Westfriedhof II prägen zwei Bauwerke das Bild: die 1893 fertiggestellte und 1896 dem heiligen Franziskus geweihte neogotische Klosterkirche der Kapuziner sowie der zentrale Campo Santo („heiliges Feld"), eine Grufthalle aus den Jahren 1899 bis 1905 mit Mittelturm und vier Seitenflügeln. Im Innern des Campo Santo finden sich Mosaike und Skulpturen, die der „Millionenallee" des Aachener Bürgertums ein steinernes Pendant geben.

Wenig bekannt: Am Rand des Westfriedhofs I liegt seit 2003/2004 eine Gedenkstätte für Sternenkinder und früh verstorbene Kinder. Sie geht auf die Klinikseelsorge des Uniklinikums Aachen zurück und ist eine der wenigen Stellen in NRW, an denen Eltern von Kindern unter 500 Gramm Geburtsgewicht – für die keine Bestattungspflicht besteht – einen offiziellen Erinnerungsort bekommen. Der zentrale Gedenkstein wurde vom Aachener Steinmetz Andreas Radermacher geschaffen; um ihn herum gruppieren sich Einzelstelen mit gravierten Namenstafeln. Auf demselben Gelände erinnert außerdem ein Gedenkstein an 148 sowjetische Zwangsarbeiter, die zwischen 1942 und 1945 in Aachen zu Tode kamen.

Bestattete Persönlichkeiten (Auswahl): Ewald Mies (Steinmetz, Bruder von Ludwig Mies van der Rohe; das Mies-Familiengrab liegt hier); die Industriellenfamilien Suermondt, Delius, Honigmann und Monheim; Heini Mercks (Öcher Karnevalist); Elisabeth „Lipette" Jungbecker („Mutter der Ros"); Thomas R. Kraus (Historiker und Archivdirektor des Stadtarchivs Aachen); Anton Kurze (Oberstadtdirektor); Joseph Lingens (Zentrums-Reichstagsabgeordneter).

Ostfriedhof (Adalbertsteinweg)

Der Ostfriedhof am Adalbertsteinweg, gegenüber der Josefskirche, ist der älteste noch existierende Friedhof der Stadt. Er wurde am 28. August 1803 unter französischer Munizipalverwaltung eingesegnet und zunächst von den Alexianern des nahen Aachener Klosters verwaltet. Mit heute rund 125.000 m² Fläche (exakt 125.265 m² laut Stadt Aachen) entstand die Anlage außerhalb der damaligen Stadtgrenze, an einer napoleonischen Ausfallstraße Richtung Kornelimünster. Im Aachener Dialekt – Öcher Platt – heißt sie „Tolbetsleäm", eine Verschmelzung aus „Tolbet" (Adalbert) und „Leäm" (Lehm), weil aus dem lehmigen Boden früher Ziegel gebrannt wurden.

Genau dieser Lehmboden brachte den Friedhof 1970 zum Erliegen: Der Verwesungsprozess war im verdichteten Boden gestört, eine Schließung wurde notwendig. Nach mehrjähriger Pause öffnete der Ostfriedhof 1980 wieder. Welche Grabarten heute angeboten werden, ist verbindlich der städtischen Friedhofsübersicht und der jeweils aktuellen Friedhofssatzung der Stadt Aachen zu entnehmen; konkrete Auskünfte zur Belegungsstruktur erteilt der Aachener Stadtbetrieb unter 0241 432-18180. Seit dem 6. Dezember 1988 steht der größte Teil der Anlage unter Denkmalschutz.

Wenig bekannt: Die „Millionenallee" – ein im Volksmund so genannter Hauptweg – führt vorbei an Gruften wohlhabender Aachener Tuchfabrikanten und Nadelfabrikanten des 19. Jahrhunderts. Wer die Namen auf den Steinen liest, blickt in das industrielle Stammbuch der Stadt: Tuch, Nadeln, Schirme, Glockenguss. Ein 2004 gegründeter Förderkreis Aachener Ostfriedhof e.V. kümmert sich um die Sicherung dieser historischen Grabmäler und bietet regelmäßig Führungen an, häufig in Kooperation mit der Volkshochschule.

Bestattete Persönlichkeiten (Auswahl): Friedrich Joseph Ark (Aachener Stadtbaumeister); Johann Baptist Joseph Bastiné (Gründer der Aachener Zeichenschule); Familie Beduwe (Feuerspritzen- und Glockengießerei); Alfons Bellesheim (Stiftspropst und Kirchenhistoriker); Friedrich Joseph Freiherr von Coels von der Brügghen (Landrat und Polizeidirektor); Theodor Freiherr Geyr von Schweppenburg (Beigeordneter Bürgermeister, Preußisches Herrenhaus); Cornelius von Guaita (Nadelfabrikant und Bürgermeister).

Waldfriedhof und Ehrenfriedhof (Monschauer Straße)

Der Waldfriedhof im Aachener Süden ist mit 219.354 m² die zweitgrößte Anlage der Stadt und seit 1930 belegt. Er liegt eingebettet in den Aachener Wald an der Monschauer Straße und ist über die Bushaltestelle „Waldfriedhof Aachen" erreichbar. Direkt anschließend erstreckt sich der Ehrenfriedhof als Kriegsgräberstätte.

Mit dem neuen BestG NRW von 2003 erhielt der Waldfriedhof zusätzliche Grabarten zur naturnahen Beisetzung: biologisch abbaubare Urnen im Wurzelbereich eines Baumes, mit liegendem Gedenkstein gekennzeichnet, bis zu zwei Urnen je Baumgrab. Auch eine anonyme naturnahe Bestattung ist möglich. Die Pflege übernimmt der Aachener Stadtbetrieb, was den Waldfriedhof zur städtischen Alternative zum kommerziellen Friedwald macht.

Wenig bekannt: Auf dem angrenzenden Ehrenfriedhof ruhen mehrere tausend anerkannte Kriegstote aus zahlreichen Nationen – darunter Deutsche, Russen und Verstorbene aus weiteren Ländern. Für die exakte Zahl und Aufteilung der Nationalitäten ist die Kriegsgräberdatenbank des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge die maßgebliche Primärquelle. 1961 wurden 104 Aachener Bombenopfer hierher umgebettet, 1962 weitere 52 KZ-Opfer – überwiegend politisch Verfolgte, Homosexuelle und Behinderte. Im Zentrum steht ein 6,20 m hohes Steinkreuz aus belgischem Granit, das ursprünglich für den deutschen Soldatenfriedhof Ougrée-Boncelles bei Seraing gestiftet worden war. Die Gedenkstätte ist Teil des Projekts „Wege gegen das Vergessen" der Aachener Volkshochschule.

Bestattete Persönlichkeiten (Auswahl): Karl Allgaier (Germanist, Sprachforscher, Dialektologe); Ludwig Beltz (Internist und ärztlicher Direktor der städtischen Krankenanstalten); auf dem Ehrenfriedhof: Bombenopfer der Stadt Aachen 1944, KZ-Opfer, sowjetische und britische Kriegstote.

Heißbergfriedhof Burtscheid

Der Heißbergfriedhof an der Ecke Heißberg- und Kapellenstraße liegt schräg gegenüber dem Ferberpark im Stadtteil Burtscheid, der bis 1897 selbstständige Stadt war und erst dann nach Aachen eingemeindet wurde. Die Anlage geht auf das 19. Jahrhundert zurück und steht heute in weiten Teilen unter Denkmalschutz. Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb die Gemeinde Burtscheid das Gelände am Heißberg; bald darauf wurde die Umfassungsmauer durch das Bauunternehmen B. Klausener & Rhoen errichtet. Detaillierte Angaben zu Eröffnungsjahr, konfessioneller Belegungsgeschichte und früheren Trägerschaften erteilen das Stadtarchiv Aachen sowie die Gesellschaft Burtscheid; die Friedhofsverwaltung des Aachener Stadtbetriebs erreichen Angehörige unter 0241 432-18180.

Der Friedhof ist klein, aber dicht an Geschichte. Die Lage am Hang oberhalb der Burtscheider Innenstadt unterscheidet die Anlage baulich deutlich von der städtebaulichen Großzügigkeit des Westfriedhofs.

Wenig bekannt: Wer durch die Anlage geht, findet vielfach Grabmäler in lokalem Blaustein, dem charakteristischen Aachener Werkstein, der auch viele Burtscheider Wohnhäuser prägt. Der Heißbergfriedhof ist damit zugleich ein steinernes Inventar regionaler Bauhistorie.

Bestattete Persönlichkeiten: Vor allem Burtscheider Bürgermeister, Tuchindustrielle und Bäderärzte des 19. Jahrhunderts. Der Bauhistoriker Holger A. Dux, langjähriger Vorsitzender des Förderkreises Aachener Ostfriedhof und der Gesellschaft Burtscheid, dokumentiert in seinen VHS-Führungen die Burtscheider Familiengeschichten dieses Friedhofs.

Krematorium Aachen-Hüls und Friedhof Hüls (Krefelder Straße)

Das städtische Krematorium auf der Hüls im Aachener Norden ist die einzige Einäscherungsanlage im Stadtgebiet und wird ebenfalls vom Aachener Stadtbetrieb betrieben. Der direkt angrenzende Friedhof Hüls – einer der 28 städtischen Friedhöfe – nimmt einen erheblichen Teil der Urnenbeisetzungen nach Einäscherung auf. Die Trauerhalle 1 auf dem Friedhof Hüls ist nach Gebührensatzung der teuerste Feierraum im Aachener Friedhofssystem (175,00 € je angefangene Stunde, gegenüber 99,00 € auf allen anderen Trauerhallen).

Das Krematorium nimmt Einäscherungen aus Aachen und der gesamten StädteRegion entgegen. Nach § 15 Abs. 1 BestG NRW muss vor jeder Einäscherung eine zweite ärztliche Leichenschau durch die untere Gesundheitsbehörde veranlasst werden, die in Aachen am Krematoriumsstandort organisiert wird. Die anschließende Beisetzung der Urne ist innerhalb von sechs Wochen nach Aushändigung gesetzlich vorgegeben (§ 15 Abs. 5 BestG NRW). Direkt benachbart liegt der jüdische Friedhof an der Lütticher Straße – Aachens Hauptbestattungsort der jüdischen Gemeinde – sowie weitere konfessionelle und kommunale Grabfelder im Norden der Stadt.

Aachener Besonderheit: Über das Krematorium hinaus bestehen in Aachen mit der Grabeskirche St. Josef am Adalbertsteinweg seit 2006 erweiterte Möglichkeiten der Urnenbeisetzung in einer entwidmeten katholischen Kirche – ein im Bistum Aachen früh etabliertes Kolumbarium-Modell, das auf gesunkene Mitgliederzahlen und steigende Nachfrage nach Urnenbestattungen antwortet. Siehe dazu unten die Sektion „Aachener Besonderheiten".

Sonderfall Aachener Dom: Außerhalb der städtischen Friedhofsstruktur, aber prägend für das Bestattungsgedächtnis der Stadt, liegt das Grab Karls des Großen im Aachener Dom. Der Kaiser starb am 28. Januar 814 in Aachen und wurde umgehend in einem antiken Marmorsarkophag in der von ihm gestifteten Marienkirche beigesetzt. 1165 ließ Friedrich Barbarossa die Gebeine erheben; seit 1215 ruhen sie im romanisch-gotischen Karlsschrein in der Chorhalle, der UNESCO-Welterbestätte. Der Dom ist damit eine der ältesten ununterbrochen genutzten Grablegen Mitteleuropas.

Aachener Besonderheiten – Grabeskirche, Bistum, Grenzlage

Über die kommunale Friedhofsstruktur hinaus prägen drei Aachen-spezifische Faktoren das Bestattungswesen der Stadt:

Grabeskirche St. Josef – Kolumbarium statt Friedhofsgrab

Die ehemalige Pfarrkirche St. Josef am Adalbertsteinweg, direkt am Ostfriedhof gelegen, wurde 2006 vom Bistum Aachen als Grabeskirche und Kolumbarium wiedereröffnet. Urnen werden in steinernen Wandstelen im Kircheninneren beigesetzt; Trauerfeiern finden im Sakralraum statt. Das Modell war eine der ersten Antworten der katholischen Kirche in NRW auf den Wegfall klassischer Kirchenmitglieder bei gleichzeitig steigender Nachfrage nach Urnenbestattungen. Die Grabeskirche ist eine in NRW weiterhin seltene Bestattungsform und unterscheidet sich rechtlich und gestalterisch deutlich von einem klassischen Friedhof: Die Liegezeiten richten sich nach kirchlicher Satzung, nicht nach kommunaler Friedhofsordnung. Für Angehörige außerhalb katholischer Bindung ist die Beisetzung in der Grabeskirche grundsätzlich offen, wenn der oder die Verstorbene das wünscht.

Bistum Aachen und konfessionelle Bestattungspraxis

Das Bistum Aachen umfasst die StädteRegion Aachen sowie Teile des Niederrheins und prägt die Bestattungspraxis der katholischen Mehrheit. Trauerfeiern in Aachener Pfarrkirchen werden über die jeweilige Pfarrei organisiert; das Bistum betreibt zudem die Trauerseelsorge und eine eigene Telefonseelsorge. Für protestantische Bestattungen ist die Evangelische Kirchengemeinde Aachen die regional zuständige Trägerin; freie Trauerredner und konfessionsfreie Trauerfeiern sind auf den kommunalen Friedhöfen ohne weiteres möglich. Die jüdische Gemeinde Aachen nutzt den jüdischen Friedhof an der Lütticher Straße als Hauptbestattungsort; muslimische Bestattungen sind auf den kommunalen Friedhöfen mit eigenen Grabfeldern nach Maßgabe der Friedhofssatzung möglich.

Grenzlage zu Belgien und den Niederlanden

Aachen ist Teil der Euregio Maas-Rhein und grenzt unmittelbar an Belgien und die Niederlande. Daraus ergeben sich praktisch relevante Sonderfragen, die in Binnenstädten meist keine Rolle spielen: Bei einem Sterbefall einer in Aachen wohnhaften Person im benachbarten Ausland ist die internationale Überführung nach den Bestimmungen des Berliner Übereinkommens (1937) und des Straßburger Abkommens (1973) zu organisieren – in der Praxis übernimmt das Bestattungsinstitut die nötigen Papiere, darunter den internationalen Leichenpass. Auch der umgekehrte Fall – Beisetzung in Aachen einer in Belgien oder den Niederlanden verstorbenen Person – ist häufig und wird von mehreren Aachener Bestattern routinemäßig abgewickelt. Wer zu Lebzeiten eine grenzüberschreitende Bestattungsvorsorge regeln möchte (etwa: Wohnsitz Niederlande, Wunschgrab Aachen), klärt die Punkte am sinnvollsten gemeinsam mit Bestatter und Notar.

Bestattungskosten in Aachen – konkrete Eurobeträge

Die Friedhofsgebühren in Aachen werden zentral nach der Friedhofsgebührenordnung der Stadt Aachen erhoben und gelten für alle 28 städtischen Friedhöfe einheitlich. Die folgenden Beträge entstammen der 17. Änderungssatzung vom 17. Dezember 2025 und sind seit diesem Stichtag verbindlich. Spätere Änderungssatzungen können die Beträge fortschreiben – maßgeblich ist immer die jeweils aktuelle Fassung.

Nutzungsrecht am Grab (für die Zeit der Ruhefrist bzw. je Jahr)

GrabartGebühr
Reihengrab Sargbeisetzung Erwachsene (für die Ruhefrist)1.527,00 €
Urnenreihengrab (für die Ruhefrist)1.527,00 €
Baumgrab Urne mit Kennzeichnung (für die Ruhefrist)1.666,00 €
Urnen-Gemeinschaftsgrab, gärtnerisch gepflegt (für die Ruhefrist)1.666,00 €
Anonyme naturnahe Urnenbeisetzung (für die Ruhefrist)292,00 €
Erd-Wahlgrab Sargbeisetzung – normale Lage, je Stelle und Jahr121,00 €
Erd-Wahlgrab Sargbeisetzung – bevorzugte Lage, je Stelle und Jahr236,00 €
Urnenwahlgrab – normale Lage, je Jahr129,00 €
Gruft Campo Santo (Westfriedhof II), je Stelle und Jahr600,00 €

Beisetzungsgebühren

LeistungGebühr
Beisetzung Sarg in Erdgrab798,00 €
Beisetzung Sarg in Gruft997,00 €
Beisetzung Urne in Urnen-/Erdgrab486,00 €
Naturnahe anonyme Urnenbeisetzung (in Verbindung mit Krematorium Aachen)88,00 €

Krematorium Aachen-Hüls (umsatzsteuerpflichtige Leistung)

LeistungGebühr (inkl. USt)
Einäscherung bis 200 kg (inkl. Sarg, Aschekapsel, 5 Werktage Aufbewahrung)355,00 €
Einäscherung über 200 kg395,00 €
Unterstützung Leichenschau zur Kremierung72,00 €

Trauerhallen und Träger

LeistungGebühr
Nutzung Trauerhalle (außer Halle 1 Hüls), je angefangene Stunde99,00 €
Nutzung Trauerhalle 1 auf Friedhof Hüls, je angefangene Stunde175,00 €
Trägerdienst, je Träger und angefangene Stunde66,00 €

Damit ergibt sich folgende grobe Gesamtkostenrechnung allein für die Stadt-Aachen-Gebühren (ohne Bestatterhonorar):

Zu diesen reinen Stadtgebühren kommen die Leistungen des Bestattungsinstituts: Sarg oder Urne, Überführung, Aufbahrung, Behördengänge, Trauerdrucke und Honorar. Realistische Gesamtkosten in Aachen liegen damit bei einer einfachen Feuerbestattung im niedrigen vierstelligen Bereich, bei einer Erdbestattung mit Trauerfeier deutlich im mittleren vierstelligen Bereich. Eine bundesweite Einordnung typischer Bestatter- und Gesamtkosten bietet die Verbraucherzentrale auf ihrer Übersicht zu Bestattungskosten; eine vergleichende Marktbetrachtung mit Preisbeispielen veröffentlicht aeternitas e.V. Wer Kosten vergleichen will, sollte immer ein vollständiges schriftliches Angebot inklusive Friedhofs- und Krematoriumsgebühren einholen.

Was kostet die Bestattung konkret? Berechne deinen Kostenrahmen mit anonymer Eingabe in zwei Minuten: → Bestattungskosten-Rechner. Vergleicht Erd-, Feuer- und Seebestattung mit aktuellen Friedhofsgebühren und Bestatterleistungen. Hast Du schon ein konkretes Angebot oder eine Rechnung? Mit dem → Angebotsprüfer prüfst Du in 3 Minuten mit Ampel, ob Preis und Posten plausibel sind.

Sozialbestattung in Aachen – wenn die Kosten nicht tragbar sind

Wenn die Kostentragung für die zur Bestattung Verpflichteten nicht zumutbar ist, übernimmt der Sozialhilfeträger nach § 74 SGB XII die erforderlichen Kosten der Bestattung. Es handelt sich nicht um eine Pauschalleistung, sondern um die Übernahme der tatsächlich notwendigen Beträge im Einzelfall. Das Bundessozialgericht hat dies mit Urteil vom 25. April 2024 (Az. B 8 SO 5/22 R) bestätigt: Eine starre Begrenzung auf eine kommunale Pauschale ist unzulässig, religiöse oder kulturelle Besonderheiten – etwa bei jüdischen oder muslimischen Bestattungen – sind angemessen zu berücksichtigen.

Für Aachen ist nach der Satzung über die Durchführung der Aufgaben nach dem SGB XII die StädteRegion Aachen Träger der Sozialhilfe; der Antrag wird in der Praxis beim Fachbereich Soziales und Integration der Stadt Aachen gestellt, der die Verfahren für das Aachener Stadtgebiet bearbeitet. Lebt die verstorbene Person in einer stationären Einrichtung und hat der überörtliche Träger Leistungen erbracht, kann nach § 97 Abs. 4 SGB XII der Landschaftsverband Rheinland zuständig sein.

Erbt eine andere Person nennenswertes Vermögen aus dem Nachlass, ist sie vorrangig zur Kostentragung verpflichtet. Eine wirksame Erbausschlagung schließt die Erbenhaftung aus, lässt aber die bestattungsrechtliche Totenfürsorgepflicht der nahen Angehörigen nach Landesrecht unberührt – beides ist zu trennen. Eine ausführliche Darstellung findet sich auf der Bundesland-Seite zur Bestattung in Nordrhein-Westfalen.

Vorsorge-Tipp gegen Sozialbestattung: Eine Sterbegeldversicherung deckt die Bestattungskosten ab, damit Angehörige nicht in die § 74-Lage geraten. Vergleichsrechner für Tarife und Versicherungssummen: → Sterbegeldversicherung vergleichen (Check24). Hinweis: machsruhig verlinkt diesen Vergleich als Affiliate, der dabei verdiente Anteil finanziert die Redaktion — ohne Mehrkosten für Dich.

Was nach einem Todesfall in Aachen zu tun ist

Die folgenden Schritte beschreiben den typischen Ablauf nach einem Sterbefall im Aachener Stadtgebiet. Bei Sterbefällen im Krankenhaus oder Pflegeheim erledigt die Einrichtung den ärztlichen Teil; Angehörige müssen sich vor allem um die Beauftragung des Bestatters und die behördlichen Folgewege kümmern.

  1. Arzt rufen – Todesbescheinigung. Bei einem Sterbefall zuhause ist der Hausarzt oder die kassenärztliche Notfallpraxis zu verständigen, nicht der Rettungsdienst. Der Arzt stellt die Todesbescheinigung aus; sie ist die Grundlage aller folgenden Schritte. Rechtsgrundlage ist § 9 BestG NRW (Leichenschau).
  2. Bestatter beauftragen. Innerhalb von 36 Stunden nach Todeseintritt muss der Verstorbene grundsätzlich in eine Leichenhalle überführt werden (§ 11 Abs. 2 BestG NRW). Diesen Transport übernimmt das Bestattungsinstitut. Mehrere Aachener Bestatter haben Rufbereitschaft rund um die Uhr.
  3. Todesfall beim Standesamt anzeigen. Nach § 28 PStG muss der Sterbefall spätestens am dritten auf den Tod folgenden Werktag beim zuständigen Standesamt angezeigt werden – in Aachen beim Standesamt Aachen im Verwaltungsgebäude Marschiertor, Hubertusstraße 2-8, 52064 Aachen. In der Regel übernimmt der Bestatter den Weg dorthin und beschafft die Sterbeurkunden. Benötigt werden Personalausweis, Geburtsurkunde bzw. Familienbuch sowie die Todesbescheinigung.
  4. Friedhof und Grabart wählen. Kontakt zur Friedhofsverwaltung des Aachener Stadtbetriebs (Madrider Ring 20, Tel. 0241 432-18180). Hier wird der konkrete Friedhof, die Grabart und das Beisetzungsdatum festgelegt. Bei bereits bestehenden Familiengräbern auf einem der 28 Aachener Friedhöfe ist das Nutzungsrecht vorzulegen. Innerhalb von zehn Tagen muss die Erdbestattung oder Einäscherung erfolgen (§ 13 Abs. 3 BestG NRW), bei Urnenbeisetzung sechs Wochen nach Aushändigung der Urne.
  5. Trauerfeier organisieren. Trauerhallen stehen auf allen größeren Aachener Friedhöfen zur Verfügung. Die Trauerfeier kann konfessionell mit Pfarrer oder Pastoralreferentin (Bistum Aachen bzw. Evangelische Kirchengemeinde Aachen) oder weltlich mit freien Trauerrednern gestaltet werden.
  6. Folgeangelegenheiten. Bank, Versicherungen, Renten- und Krankenversicherung informieren. Die Aachener Verbraucherzentrale berät zu Erbschafts- und Vertragsfragen. Für Sozialbestattungen Antrag beim FB Soziales und Integration der Stadt Aachen stellen.
  7. Erbschaft regeln. Das Nachlassgericht Aachen am Amtsgericht Aachen, Adalbertsteinweg 90-92, 52070 Aachen, ist für Erbscheinsanträge und die Eröffnung von Testamenten zuständig.

Einen Bestatter in Aachen auswählen

Der Bestattermarkt in Aachen ist mittelständisch geprägt; traditionelle Familienbetriebe stehen neben überregionalen Festpreis-Anbietern. Drei Qualitätsindikatoren helfen bei der Auswahl:

Es empfiehlt sich, zwei oder drei Angebote zu vergleichen. Die Preisunterschiede in Aachen liegen bei vergleichbarer Leistung erfahrungsgemäß im niedrigen vierstelligen Bereich. Vorsicht ist geboten bei telefonischer Drucktaktik oder bei Bestattern, die Friedhofsgebühren nicht offen ausweisen.

Bestatter-Wahl in Aachen — Qualitätskriterien

Eine gesetzliche Pflicht zur Beauftragung eines bestimmten Bestatters besteht nicht. Wer eine Bestattung in Aachen organisiert, kann frei wählen — und sollte das auch nutzen, weil die Preisspannen zwischen Bestattungsunternehmen erheblich sind. Sechs Kriterien helfen bei der Auswahl:

Tipp: Notiere Dir vor dem ersten Bestatter-Gespräch die wichtigsten Eckdaten (gewünschte Bestattungsart, Friedhof, Trauerfeier-Wünsche, Budget-Rahmen). Das macht den Vergleich der Angebote belastbarer und schützt vor Aufschlägen für Leistungen, die nicht benötigt werden. Alle Bestattungsformen im Überblick: Bestattungsarten; Kosten-Korridor: Bestattungskosten in Deutschland.

Unverbindliche Anfrage an einen Bestatter in Aachen

Diese Anfrage ist ein Vermittlungsangebot und unabhängig vom Transparenz-Partner-Status. Transparenz Partner legen ihre Preisstruktur nach öffentlichen Kriterien offen; Vermittlungspartner können Anfragen erhalten. Ein Bestatter kann beides sein, muss es aber nicht.

Wenn in Deiner Region ein passender Vermittlungspartner verfügbar ist, leiten wir Deine Anfrage weiter. Falls nicht, sagen wir Dir das offen. Es entsteht kein Vertrag, kein Newsletter und kein Verkaufsdruck. Eine mögliche Vermittlungsvergütung betrifft nur weitergeleitete Anfragen — nicht die Aufnahme als Transparenz Partner, nicht die Sichtbarkeit und nicht die Reihenfolge im Verzeichnis.

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Transparenz Partner legt Preisbeispiele nach öffentlichen Kriterien offen — kostenlos, nicht käuflich, kein Qualitätsurteil.

Vermittlungspartner kann auf Wunsch eine Anfrage erhalten — eine Vergütung kann nur hier entstehen.

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Wir leiten Deine Anfrage spamfrei weiter — sofern in Deiner Region ein passender Vermittlungspartner vorhanden ist. Kein automatischer Vertrag, kein Newsletter ohne Einwilligung.

Häufige Fragen zur Bestattung in Aachen

Wie viele Friedhöfe gibt es in Aachen?

Der Aachener Stadtbetrieb verwaltet 28 aktive städtische Friedhöfe und sechs reine Gedenkstätten sowie das Krematorium auf der Hüls. Daneben existiert der konfessionell jüdische Friedhof an der Lütticher Straße als Hauptbestattungsort der jüdischen Gemeinde Aachen.

Welche Bestattungsfristen gelten in Aachen?

Es gilt das Bestattungsgesetz NRW. Erdbestattungen dürfen frühestens 24 Stunden nach dem Tod vorgenommen werden (§ 13 Abs. 2 BestG NRW). Erdbestattungen und Einäscherungen müssen innerhalb von zehn Tagen erfolgen, die Beisetzung der Totenasche innerhalb von sechs Wochen nach Aushändigung der Urne (§ 13 Abs. 3 BestG NRW; für die Urnenfrist zusätzlich § 15 Abs. 5 BestG NRW). Die Überführung in eine Leichenhalle muss spätestens 36 Stunden nach Todeseintritt erfolgen – diese Frist steht in § 11 Abs. 2 BestG NRW, nicht in § 13. Eine Fristverlängerung ist auf Antrag bei der örtlichen Ordnungsbehörde möglich.

Was kostet eine Bestattung in Aachen?

Nach der 17. Änderungssatzung der Aachener Friedhofsgebührenordnung (Stand 17.12.2025) kostet das Nutzungsrecht an einem Reihengrab zur Sargbeisetzung 1.527,00 € für die Ruhefrist, ebenso ein Urnenreihengrab. Die anonyme naturnahe Urnenbeisetzung liegt bei 292,00 € Nutzungsrecht. Hinzu kommen Beisetzungsgebühren (Sarg in Erdgrab 798,00 €; Urne in Urnen-/Erdgrab 486,00 €), Trauerhallennutzung (99,00 € je Stunde, Halle 1 in Hüls 175,00 €) und gegebenenfalls die Einäscherung im Krematorium Hüls (355,00 € inkl. USt). Damit liegen die reinen Stadtgebühren für eine einfache Feuerbestattung mit anonymer Beisetzung bei rund 735,00 €, für eine klassische Erdbestattung im Reihengrab bei rund 2.700 € – jeweils zuzüglich Bestatterhonorar, Sarg oder Urne, Überführung und Trauerdrucke.

Wer übernimmt die Bestattungskosten, wenn kein Geld vorhanden ist?

Nach § 74 SGB XII übernimmt der Sozialhilfeträger – in Aachen die StädteRegion Aachen, organisatorisch über den Fachbereich Soziales und Integration der Stadt Aachen – die erforderlichen Kosten einer Bestattung, soweit den Verpflichteten die Tragung nicht zugemutet werden kann. Eine starre Begrenzung auf eine kommunale Pauschale ist nach Urteil des Bundessozialgerichts vom 25. April 2024 (Az. B 8 SO 5/22 R) unzulässig; religiöse oder kulturelle Besonderheiten sind zu berücksichtigen.

Besteht in Aachen Sargpflicht?

Das BestG NRW kennt seit der Novelle von 2003 keine gesetzliche Sargpflicht mehr. Die Friedhofssatzung der Stadt Aachen schreibt für Erdbestattungen auf den kommunalen Friedhöfen jedoch ein geeignetes Behältnis – in der Regel einen Sarg – vor. Tuchbestattungen sind nach Maßgabe der Friedhofssatzung möglich.

Welche Ruhezeit gilt auf Aachener Friedhöfen?

Die Ruhezeit ist in der Friedhofssatzung geregelt und richtet sich nach den Bodenverhältnissen. Auf dem Westfriedhof, Waldfriedhof und Friedhof Hüls gilt eine Ruhezeit von 20 Jahren, auf dem Friedhof Lintert von 30 Jahren. Für Urnengräber liegen die Ruhezeiten typischerweise zwischen 15 und 25 Jahren.

Wo wird der Sterbefall in Aachen beurkundet?

Zuständig ist das Standesamt Aachen im Verwaltungsgebäude Marschiertor, Hubertusstraße 2-8, 52064 Aachen. Die Anzeige des Todes muss nach § 28 PStG spätestens am dritten auf den Tod folgenden Werktag erfolgen. In der Praxis übernimmt das Bestattungsinstitut den Weg dorthin und beantragt die benötigten Sterbeurkunden.

Quellen

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